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01.08.2014

20:13 Uhr

Prozess

Ecclestone soll Millionen an die Staatskasse zahlen

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone soll am Freitag persönlich mit den Staatsanwälten verhandelt haben, die ihn wegen Bestechung angeklagt haben. Heraus kam offenbar eine Einigung auf gleich zwei Millionen-Deals.

Bernie Ecclestone Ende Juni vor Gericht: Entgeht der Formel-1-Chef mit der Zahlung von Millionen einer Strafe? dpa

Bernie Ecclestone Ende Juni vor Gericht: Entgeht der Formel-1-Chef mit der Zahlung von Millionen einer Strafe?

MünchenDer Bestechungsprozess gegen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone steuert möglicherweise auf eine Entscheidung zu. Das Landgericht München sagte die für kommenden Dienstag und Mittwoch geplanten Zeugenaussagen, aber nicht die Verhandlungstermine ab. Damit dürfte das Gericht Zeit und Raum für Gespräche über eine Einigung zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung frei geräumt haben. Zum Stand der Dinge machte das Gericht aber keine Angaben.

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete in ihrer Samstagausgabe von einem möglichen Deal über 100 Millionen Dollar (74,6 Millionen Euro).

Die Anwälte von Ecclestone hatten am Dienstag überraschend einen Vorschlag gemacht, wie der zähe Prozess zu Ende gehen könnte. Sie beantragten die Einstellung des Verfahrens und boten an, dass Ecclestone 25 Millionen Euro an die BayernLB als Ausgleich zahlen könnte. Die Staatsanwaltschaft erklärte, sich „grundsätzlich mit einem solchen Angebot anfreunden“ zu können, eine entsprechende Einigung kam allerdings zunächst nicht zustande.

Ecclestone - Ein Kurzporträt

Der Funktionär

Kein anderer hat die Formel 1 so im Griff gehabt wie Bernie Ecclestone. Fast vier Jahrzehnte lang war der gerade mal 1,58 Meter große Brite derjenige, zu dem alle aufschauten.

Der Unternehmer

Ecclestone hat die Formel 1 zum Milliardengeschäft gemacht. Und er hat dabei selbst bestens mitverdient. Nachdem er schon im Kindesalter seinen Geschäftssinn entdeckt und gepflegt hatte, brachte es Ecclestone vom Gebrauchtwagenhändler zum Milliardär. Laut Forbes gehört er zu den reichsten Menschen der Welt.

Seine Jugend

Bernie Ecclestone wurde am 28. Oktober 1930 in Ipswich in England geboren. Nach der Schule arbeitete er bei den Stadtwerken.

Seine Frauen

Ecclestone hat dreimal geheiratet. Von seiner ersten Frau Ivy bekam er die Tochter Deborah, die ihm seinen ersten Enkel schenkte. Mittlerweile ist er sogar Urgroßvater.

Später heiratete Ecclestone das kroatische Modell Slavica Radic. Sie war 28 Jahre jünger und 29 cm größer als Ecclestone.

2012 heiratete Ecclestone schließlich Fabiana Flosi.

Sein Aufstieg

Aufgewachsen ist er im südenglischen Bexleyheath. Ecclestone versuchte sich als Rennfahrer - der Erfolg blieb aus, also stieg er als Team-Mitbesitzer und Fahrerberater in die Formel 1 ein. 1977 kaufte er die Werberechte für die Königsklasse, ein Jahr später die Übertragungsrechte.

Seine Herrschaft

Ecclestones Herrschaft war keineswegs ohne Widerstände. Er leistete sich teilweise haarsträubende verbale Entgleisungen, köderte Teams mit Geld und Sonderbehandlungen und schaltete und waltete mehr oder weniger nach Belieben.

Sein Deal

Nach der Formel-1-Übernahme durch die Investmentgruppe CVC wurde Ecclestone als Geschäftsführer eingesetzt. Der Verkauf der Anteile der BayernLB an die CVC brachte ihm den Vorwurf der Bestechung ein. Das Landgericht München stellte das Verfahren jedoch gegen einen Auflage von 100 Millionen Dollar ein.

Nach Angaben der „Süddeutschen Zeitung“ steht zur Einstellung des Bestechungsprozesses nun die Zahlung von 100 Millionen Dollar an die Staatskasse im Raum – zusätzlich zu möglichen Ausgleichszahlungen an die BayernLB. Dies habe Ecclestone im Beisein seiner Anwälte am Freitag in München mit der Staatsanwaltschaft ausgehandelt, schreibt das Blatt ohne Nennung näherer Quellen. Die Prozessparteien hätten sich auf Anfrage nicht äußern wollen, hieß es weiter.

Die Staatsanwälte werfen Ecclestone vor, Ex-BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky beim Verkauf der Formel-1-Mehrheit aus dem Besitz der Landesbank vor acht Jahren 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld gezahlt zu haben. Er habe damit Einfluss auf den Besitzer der Formel 1 nehmen und seinen Chefposten sichern wollen. Ecclestone weist dies zurück und gab an, sich von Gribkowsky bedroht gefühlt zu haben.

Die Hauptverhandlung läuft bereits seit dem 24. April. Schon zum Auftakt hatten Beobachter eine Einigung erwartet. Das ist nach Paragraf 153a der Strafprozessordnung möglich und gehört durchaus zum Alltag vor Gericht. Die Gespräche dazu laufen nach Angaben des Gerichts bereits „seit einiger Zeit“. Nun könnte in der kommenden Woche der Prozess ohne Urteil zu Ende gehen.

Von

dpa

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