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12.03.2014

12:19 Uhr

Prozess gegen Uli Hoeneß

„Wir sind ja nicht dämlich“

Kurzer Prozess: Wahrscheinlich wird das Urteil gegen Steuersünder Uli Hoeneß doch schon am Donnerstag gesprochen. Seine Verteidiger hatten die auf 27,2 Millionen Euro bezifferten Steuerschulden am Mittwoch akzeptiert.

Prozess gegen Uli Hoeneß

Urteil wird für Donnerstag erwartet

Prozess gegen Uli Hoeneß: Urteil wird für Donnerstag erwartet

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MünchenDer dritte Tag im spektakulären Prozess um Steuersünder Uli Hoeneß ist am Mittwoch nach nicht einmal eineinhalb Stunden Verhandlungszeit zu Ende gegangen. Zuvor hatte die Verteidigung die am Vortag von einer Finanzbeamtin bezifferten Steuerschulden von 27,2 Millionen Euro anerkannt.

Richter Rupert Heindl betonte, dass das Gericht bei einem Urteil von den neuen Zahlen ausgehen wird - und nicht von den 3,5 Millionen Euro, die Hoeneß in der Anklage vorgeworfen wurden. „Die Zahlen hält die Verteidigung für sachgerecht, da zweifeln wir nicht dran“, sagte Hoeneß' Anwalt Hanns W. Feigen am Mittwoch vor dem Landgericht München II.

Die Verteidigung sei von den am Mittwoch bekanntgewordenen Zahlen keineswegs überrascht gewesen. „Wir sind ja nicht dämlich!“, sagte Feigen und betonte zudem: „In der Selbstanzeige, die Herr Hoeneß am 17. Januar 2013 eingereicht hat, sind sämtliche Zahlen bereits enthalten.“

Die besten Zitate von und über Uli Hoeneß

Hoeneß 2005

„Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern.“ (Uli Hoeneß 2005 in einem Interview der „Bild“-Zeitung)

Hoeneß 2009

„Wenn die Unternehmer alle in die Schweiz gehen, ist auch keinem geholfen. Mit einer Reichensteuer geht es dem kleinen Mann kein Stück besser.“ (Hoeneß 2009 in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“)

Hoeneß 2011

„Wenn früher eine Mark in der Kasse meiner Eltern fehlte, haben wir sie auf dem Boden gesucht. Die Stimmung beim Weihnachtsfest hing entscheidend davon ab, wie gut wir vorher verkauft hatten.“ (Hoeneß im Februar 2011 im „Hamburger Abendblatt“)

„Natürlich will ich Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein.“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

„Die Finanzwelt zeigt keine Bereitschaft, zur Volkswirtschaft beizutragen. Eine Krankenschwester trägt mehr zur Volkswirtschaft bei als ein Spekulant. Wenn ich sehe, dass Optionsscheine für Reis steigen, sage ich zu meiner Frau: 'Das bedeutet, dass Menschen hungern müssen, weil sie sich keinen Reis mehr kaufen können.'“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

Hoeneß 2012

„In den vergangenen 20 Jahren sind in der Finanzwelt Menschen am Werk gewesen, die einen katastrophalen Job gemacht haben. Uns wurde vorgegaukelt, dass viele Finanzprodukte so unglaublich wichtig seien. Dabei hatten diese nur ein Ziel: die Taschen gewisser Leute voll zu machen.“ (Hoeneß 2012 in der Zeitung „Die Welt“)

„Unsere Spieler kicken schon jetzt eine Halbzeit fürs Finanzamt, da kommen wir nicht weiter, wenn man 60 oder 70 Prozent nimmt.“ (Hoeneß 2012 in der ARD-Talkshow „Günther Jauch“)

Hoeneß als Wurstfabrikant

„Ich habe für mein Schweinefleisch fünf verschiedene Lieferanten. Ich rufe an, lasse mir die Preise geben und kaufe dann. Für was aber brauchen Banker Schweinebäuche?“ (Wurstfabrikant Hoeneß über Spekulationsgeschäfte von Banken)

Hoeneß vor seinem 60. Geburtstag

„Es ist vielleicht langweilig, aber es soll uns nie schlechter gehen als jetzt. Das ist mein Wunsch. Ich muss nicht nach Hawaii oder auf die Malediven. Wenn ich irgendwann mal Lust dazu habe, werde ich das machen. Aber das ist nicht mein Lebenstraum.“ (Hoeneß Anfang 2012 vor seinem 60. Geburtstag)

Hoeneß vor der Politik

„Ich bin kein Besserwisser, sondern ein Bessermacher.“ (Hoeneß 2010 vor einem Auftritt als Gastredner bei der CSU-Vorstandsklausur)

„Ich habe mit meiner Meinung noch nie hinter dem Berg gehalten. Und bei der Gelegenheit habe ich festgestellt, dass man damit bei der Bundeskanzlerin landen kann. Sie will Leute, die querdenken. Sie will Leute, die ihr nicht nach dem Mund reden. Deswegen bin ich Fan von Merkel!“ (Hoeneß über Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel)

Rummenigge

„Uli ist der Vater Teresa vom Tegernsee, der Nelson Mandela von der Säbener Straße und die Mutter aller Manager.“ (Vorstandschef Rummenigge in seiner Festrede zum 60. Geburtstag von Hoeneß)

„Franz Beckenbauer hat einmal gesagt, wir alle müssen dem FC Bayern dienen. Uli Hoeneß war immer der größte Diener des FC Bayern.“ (Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge 2009 über Hoeneß)

Beckenbauer

„Er ist, glaub ich, schon als Manager auf die Welt gekommen.“ (Franz Beckenbauer 2009 über Uli Hoeneß)

Die Daten gehen nach Ansicht Feigens auch aus der Selbstanzeige vom 18. Januar 2013 hervor. Richter Rupert Heindl betonte, dass das Gericht bei einem Urteil von den neuen Zahlen ausgehen wird – und nicht von den 3,5 Millionen Euro, die Hoeneß in der Anklage vorgeworfen wurden.

Offen ließen die Verteidiger allerdings, warum Hoeneß dann nur 10 Millionen an das Finanzamt überwies, wenn die Summe bereits unstrittig gewesen sein soll. Die Staatsanwaltschaft sagt weiterhin, die neuen Summen seinen nicht in der Selbstanzeige enthalten – was auch erklären würde, warum die Hoeneß in der Anklageschrift vorgeworfene Summe „nur“ bei 3,5 Millionen Euro liegt.

Verteidiger Feigen griff im Sitzungssaal unter anderem die Sprecherin des Landgerichts München wegen angeblich falscher Darstellungen an und ließ durchblicken: Hoeneß hofft weiter, den Justizpalast am Ende des Verfahrens als freier Mann verlassen zu können - wenn auch mit einer Steuer-Rechnung über mehr als 27,2 Millionen Euro. Entscheidend für das Strafmaß dürfte sein, wie das Gericht die Selbstanzeige bewertet. Dazu hatte sich Richter Heindl noch nicht geäußert.

Es erhärtet sich weiter die Annahme, dass Hoeneß doch einen genaueren Überblick über seine Steuerschuld hatte. Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung" wollte er von dem zwischenzeitlich geplanten Steuerabkommen mit der Schweiz profitieren.

Wie das Blatt am Mittwoch unter Berufung auf nicht näher genannte „Ermittlungsergebnisse" berichtete, errechnete seine Schweizer Bank („Vontobel – Die Bank für die Hoeneß-Deals“) für ihn in diesem Zusammenhang eine einmalig zu zahlende Summe von 6,3 Millionen Euro. Damit wären ihm wahrscheinlich Abgaben in Höhe von mehr als 20 Millionen Euro erspart geblieben.

Das Steuerabkommen zwischen der Schweiz und Deutschland war von der schwarz-gelben Vorgängerregierung bereits fertig ausgehandelt gewesen. Es scheiterte dann aber Anfang 2013 im Bundesrat am Widerstand von SPD und Grünen. Es sah eine pauschale und anonyme Nachversteuerung von Schwarzgeld in der Schweiz vor. Steuersünder, die fällige Abgaben nachzahlen, wären straffrei geblieben.

Kommentare (19)

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12.03.2014, 11:54 Uhr

Gewinne und Verluste bei der Devisen-Spekulation sind doch irrelevantz für die Steuer, oder ? Es wurde immer wieder eine sogenannte "Tobin-Steuer" diskutiert aber nicht eingeführt. Oder ??

Übrigens denke ich, über Höness liegt die wohlwollende Hand von Schäuble, von daher erwarte ich ein "politisch mildes Urteil", denn die Promies stehen in Deutschland unter "Schutz" - als Medien-Brüder der Politiker.

Merkel und Schäuble pressen Deutschland aus wie eine Zitrone.

Die Steuern steigen, EEG-Umlage zum Auspressen der Bürger für superteuren Strom. Frankreich zahlt nur 13 cent pro KW/h.

KK und Rente werden Zuschüsse gekürzt.

ESM kassiert heimlich Milliarden vom deutschen Steuerzahler. Draghi's einzige Sorge ist, dass die Zinsen für Anleihe-Inhaber ewig ausbezahlt werden - der Steuerzahler wird enteignet.

Wer solche Politiker in Berlin zu sitzen hat braucht keine Feinde mehr. Deutschland wird ferngesteuert ausgeplündert und über die Medien verblödet und ideologisch verblendet.

Aber Abgeordnete mit 9000 EUR Diäten im Monat. Ekelhaft !

Account gelöscht!

12.03.2014, 11:59 Uhr

Je weniger Frau Merkel sagt und in "Erscheinung tritt" - um so mehr wird sie als "Macherin" von den Medien gefeirt. Sie wartet ab, sitzt in der Ecke, wie verängstigt mit Platzangst und brauner Kutte, die sie immer an hat.

Wenn sie etwas macht, dann heimlich aus der 4. Reihe heraus. Feige, spontan, sporadisch, verdeckt. Und so liebes Grinsen immer wie ein braves Mädchen. Süss !!!

Account gelöscht!

12.03.2014, 12:03 Uhr

Verschlüsseltes Handy mit Standleitung zu den Bilderbergern und Gates, Soros, Draghi, Barosso und Rompuy. Dienerschaft perfect.

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