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08.07.2014

03:07 Uhr

Prozess gestartet

Mutmaßlicher Helfer der Boston-Attentäter vor Gericht

Dem jungen Kasachen wird vorgeworfen, Beweise weggeschafft zu haben. Um ein Märtyrer zu werden, behauptet die Anklage. Weil er ein dummer Junge war, sagt der Verteidiger.

Asamat Taschajakow (links) vor Gericht. ap

Asamat Taschajakow (links) vor Gericht.

BostonGut ein Jahr nach dem Anschlag auf den Boston-Marathon hat in Boston der erste Prozess gegen einen mutmaßlichen Helfer der Attentäter begonnen. Dem jungen Kasachen Asamat Taschajakow wird vorgeworfen, Beweismaterial beiseite geschafft zu haben, sein Anwalt bemühte sich am Montag, die Vorwürfe zu zerstreuen. Dem 20-Jährigen drohen bei einer Verurteilung 20 Jahre Haft.

Die Staatsanwaltschaft wirft Taschajakow vor, an einem Komplott der Boston-Bomber Tamerlan und Dschochar Zarnajew beteiligt gewesen zu sein. Taschajakow, ein früherer Freund Dschochars Zarnajew, habe zudem drei Tage nach dem Anschlag das Laptop, einen Rucksack mit Feuerwerkskörpern und Schwarzpulverrückständen aus dem Studentenwohnheimszimmer des Freundes verschwinden lassen. Alles sei in einer Abfalltonne entsorgt worden.

„Gut, als Märtyrer zu sterben“

Eine Staatsanwältin schilderte am Montag zu Beginn des Verfahrens das Freundschaftsverhältnis Taschajakows mit Zarnajew. Beide besuchten die University of Massachusetts Dartmouth. Dort habe Zarnajew sich während eines Essens im März 2013 damit gebrüstet, eine Bombe bauen zu können. Er benötige aber noch Schwarzpulver, habe er gesagt. Zarnajew habe zudem erklärt, dass es „gut ist, als Märtyrer zu sterben“, führte Anklägerin Stephanie Siegmann aus.

Am 18. April, drei Tage nach dem Attentat mit drei Toten und 264 Verletzten, sei Taschajakow mit zwei Freunden in das Wohnheimszimmer Zarnajew gegangen. Zuvor habe die Bundespolizei FBI ihm Fotos der verdächtigen Zarnajew-Brüder vorgelegt. Auch habe Taschajakow nach dem Anschlag noch Kurznachrichten per Handy mit Dschochar Zarnajew ausgetauscht. Darin habe Zarnajew ihm erlaubt, in das Zimmer zu gehen und „zu nehmen, was dort ist“. Taschajakow habe geantwortet: „Ha Ha :)“, sagte Staatsanwältin Siegmann. Dann habe er die besagten Gegenstände fortgeschafft.

Terror bei Sportereignissen

1972 München

Während der Olympischen Spiele in München im Jahr 1972 wurden elf israelische Sportler von palästinensischen Terroristen der Gruppe „Schwarzer September“ als Geiseln genommen – Ziel war die Freipressung von Gefangenen. Beim gescheiterten Befreiungsversuch auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck starben alle noch lebenden Geiseln, ein Polizist und fünf der Terroristen.

1996 Atlanta

Im Olympia-Park von Atlanta explodierte während der Olympischen Spiele 1996 eine Bombe. Die Explosion tötete zwei Personen, mehr als 100 wurden verletzt. Täter war ein Anti-Abtreibungs-Aktivist.

2002 Madrid

Die baskische Terrorgruppe ETA brachte Anfang Mai 2002 eine Bombe im Vorfeld eines Champions-League-Halbfinalspiels zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona zur Explosion. In weniger als 100 Metern Entfernung zum Stadion Santiago Bernabéu ging ein Sprengsatz hoch. Es gab keine Todesopfer.

2008 Rallye Dakar

Die berühmte Rallye wurde im Jahr 2008 abgesagt. Terrorwarnungen für Mauretanien hatten die Veranstalter dazu bewogen.

2009 Lahore

Der Mannschaftsbus des Cricket-Nationalteams von Sri Lanka wird in der pakistanischen Stadt Lahore von einer Gruppe bewaffneter Täter beschossen, die vermutlich dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahe standen. Sechs Nationalspieler werden verletzt, sechs Polizisten und zwei Zivilisten sterben.

2013 Boston

Zwei Explosionen erschüttern den Bereich des Zieleinlaufs des Boston Marathons am 15. April 2013. Drei Menschen sterben noch am selben Tag, weit über 100 sind verletzt, einige von ihnen sehr schwer. Über die Hintergründe des Vorfalls herrscht zunächst Unklarheit.

Der Anwalt Taschajakows, Nicholas Woolridge, sagte dagegen, sein Mandant sei zu jener Zeit ein „Bengel“ gewesen, der nur durch seinen Freund mit in Geschehnisse rund um das Attentat hineingezogen worden sei. Taschajakow habe nie ein „Märtyrer“ werden sollen. „Er wollte niemals die Justiz behindern. Geben Sie ihm eine Chance“, sagte Woolridge zu Jury.

Der mittlerweile 20-jährige Dschochar Zarnajew sitzt im Bundesgefängnis Fort Devens in Massachusetts ein. Bei dem Prozess, der am 3. November beginnen soll, strebt das US-Justizministerium die Todesstrafe an. Die Verteidigung könnte US-Medien zufolge versuchen, die Tat vor allem dem verstorbenen Tamerlan zur Last zu legen.

Der ältere Bruder, der wenige Tage nach der Attacke bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei getötet wurde, soll mit radikalen Islamisten in Kontakt gestanden haben, die US-Behörden hatten ihn bereits 2011 wegen möglicher Terrorverbindungen im Visier.

Von

afp

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