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12.09.2017

08:29 Uhr

Prozess um Affen-Selfie

Peta und Fotograf einigen sich auf Vergleich

Seit Jahren läuft ein Streit über die Urheberrechte eines Affen-Selfies. Die Tierrechtsorganisation Peta klagte um die Bildrechte. Nun soll eine Einigung erfolgt sein: Ein Vergleich soll beide Seiten zufriedenstellen.

Das Makaken-Männchen Narutomgrinst im Jahr 2011 in die Linse einer Kamera und drückt ab. Die Bilder gehen als Affen-Selfies um die Welt. Ein britischer Fotograf, David J. Slater, glaubt das Motiv seines Lebens geschossen zu haben. Doch bald schon wird angezweifelt, ob er überhaupt die Rechte an dem Bild besitzt. dpa

Selfie-Star

Das Makaken-Männchen Narutomgrinst im Jahr 2011 in die Linse einer Kamera und drückt ab. Die Bilder gehen als Affen-Selfies um die Welt. Ein britischer Fotograf, David J. Slater, glaubt das Motiv seines Lebens geschossen zu haben. Doch bald schon wird angezweifelt, ob er überhaupt die Rechte an dem Bild besitzt.

San Francisco In einem Prozess um die Urheberrechte eines Affen-Selfies haben sich beide Seiten auf einen Vergleich geeinigt. Anwälte der klagenden Tierschutzorganisation Peta und des Fotografen David Slater baten nach eigenen Angaben das US-Berufungsgericht, die Klage abzuweisen. Slater, mit dessen Kamera der Affe Naruto eine mittlerweile berühmte Selbstaufnahme geschossen hatte, habe sich bereit erklärt, 25 Prozent aller künftigen Einnahmen durch das Foto dem Schutz von Schopfmakaken in Indonesien zu spenden, erklärten die Anwälte beider Seiten.

Peta und der Fotograf hätten sich darauf verständigt, dass der Prozess wichtige Frage über die Fotorechte von Tieren aufgeworfen hätte und sie ihre bisherige Arbeit diesbezüglich fortsetzen wollen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.

Urheberrecht in Deutschland

Eine Reihe von Gesetzen

Das Urheberrecht in Deutschland ist in einer Reihe von Gesetzen geregelt, mit denen die Rechte des Schöpfers eines Werks geschützt werden. Im Urheberrechtsgesetz werden ausdrücklich Werke der Literatur, Wissenschaft und Kunst erwähnt. Das Urheberrechtsgesetz aus dem Jahr 1965 gilt aber auch für journalistische Texte, Fotos und Grafiken. Es wird um ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage erweitert.

Rechte an den Inhalten

Die Rechte an den Inhalten besitzt laut Urheberrecht allein der Urheber, also der Mensch, der „Schöpfer des Werks“ ist. Dem Urheber steht demnach das ausschließliche Recht der Verwertung zu. Journalisten, die für einen Verlag arbeiten, behalten das Urheberrecht, haben aber in der Regel dem Unternehmen die Nutzungsrechte an den Inhalten übertragen.

Neues Recht für Verleger

Mit der aktuellen Erweiterung des Urheberrechtsgesetzes erhalten Presseverlage ein eigenes Leistungsschutzrecht. Ihnen wird das ausschließliche Recht zugesprochen, ihre Presseerzeugnisse und Teile daraus zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben. Begründet wird dies mit der geistigen, organisatorischen und wirtschaftlich-finanziellen Leistung der Presseverleger.

Missbrauch verhindern?

Strittig ist, ob es zum Schutz der Presseverlage überhaupt eines gesonderten Gesetzes bedurft hätte. Die Verleger verweisen darauf, dass in einer rein analogen Welt kein zwingendes Schutzbedürfnis bestanden habe. Durch die digitale Verbreitung der Presseerzeugnisse müsse aber einer missbräuchlichen Nutzung der Presseinhalte durch Suchmaschinen und kommerzielle Nachrichtensammler ein Riegel vorgeschoben werden.

Frage der „Schöpfungshöhe“

Gegner des Leistungsschutzrechtes betonen, die Benutzung von Textausschnitten sei schon bislang im Urheberrecht geregelt gewesen. Sehr kurze Textausrisse erreichten in der Regel auch nicht die für einen Schutz nötige Schöpfungshöhe. Es fehle hier an der „wahrnehmbaren Formgestaltung» und eine «dem Schöpfer zuzurechnende Individualität des Werkes“. (dpa)

Der Anwalt Slaters äußerte sich nicht dazu, ob der Fotograf die anderen 75 Prozent der künftigen Einnahmen behalten oder wie diese verwendet würden. Das berühmte Foto des Makaken Naruto war 2011 in Sulawesi mit einer nicht beaufsichtigten Kamera Slaters entstanden.

Peta hatte im Namen des Makaken Naruto 2015 eine Klage eingereicht und forderte die finanzielle Kontrolle über die Einkünfte durch das Foto. Ein Gericht auf einer unteren Instanz hatte zuvor zwar dem Fotografen Recht zugesprochen, Peta legte jedoch Berufung auf das Urteil ein.

Von

ap

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