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11.01.2016

18:18 Uhr

Prozess um Raucher Adolfs

Zeugen widersprechen sich im Mietstreit

„Das ist ekelhaft, widerlich", sagen die einen. Andere Zeugen sagen im Prozess um den Mietstreit des Rauchers Friedhelm Adolfs aus, der Rentner habe seine Wohnung immer gut gelüftet. Dem 77-Jährigen droht der Rauswurf.

Friedhelm Adolfs droht nach mehr als 40 Jahren der Rauswurf aus seiner Wohnung, weil er die Nachbarn unzumutbar mit Qualm belästigt haben soll. Der Prozess um den Düsseldorfer Rentner sorgt deutschlandweit für Aufsehen. dpa

Raucher Adolfs

Friedhelm Adolfs droht nach mehr als 40 Jahren der Rauswurf aus seiner Wohnung, weil er die Nachbarn unzumutbar mit Qualm belästigt haben soll. Der Prozess um den Düsseldorfer Rentner sorgt deutschlandweit für Aufsehen.

DüsseldorfIm spektakulären Mietstreit um den Raucher Friedhelm Adolfs haben die Zeugen beider Lager die Situation in dem Mietshaus sehr unterschiedlich geschildert. Mehrere Nachbarn berichteten am Montag vor dem Düsseldorfer Landgericht von starkem Rauchgestank.

„Das ist ekelhaft, widerlich“, sagte ein Immobilienmakler, der im Haus sein Büro hat und für die Vermieterin tätig ist. „Das ist wie Körperverletzung.“ Auch mehrere Mietinteressenten hätten den Geruch moniert.

Freunde und Verwandte des starken Rauchers berichteten dagegen, es habe im Hausflur nicht ungewöhnlich nach Rauch gestunken. Der 77 Jahre alte Adolfs habe bei ihren Besuchen immer gelüftet. Wenn es doch nach Rauch gerochen habe, könne dies an den Besuchern oder Mitarbeitern der anderen Mieter liegen, die regelmäßig im Eingangsbereich bei offener Haustür geraucht hätten.

Der Streit um den Raucher Adolfs

Worum geht es?

Es geht um die Frage, ob der Düsseldorfer Raucher Friedhelm Adolfs nach mehr als 40 Jahren aus seiner Wohnung ausziehen muss. Das prüft am 18. Februar der Bundesgerichtshof (BGH).

Was war passiert?

Seine Vermieterin hatte Adolfs nach Abmahnungen 2013 fristlos gekündigt. Der Vorwurf: Im Hausflur stinke es unerträglich nach dem Qualm seiner Zigaretten. Ursache sei das Verhalten des Rentners, der seine Wohnung nicht ausreichend lüfte. Die Nachbarn hätten sich schon beschwert.

Wie viel raucht Adolfs?

Die Rede ist von 15 Zigaretten am Tag.

Was haben die Gerichte dazu gesagt?

Die Vorinstanzen haben der Frau recht gegeben. Sie sahen in dem Verhalten Adolfs einen „schwerwiegenden Pflichtverstoß“: Rauchen sei in der Wohnung zwar an sich erlaubt, urteilte etwa das Landgericht Düsseldorf im Juni. Adolfs lüfte aber nicht ausreichend und leere auch seine zahlreichen Aschenbecher nicht, so dass der Qualm in den Hausflur ziehen könne. Der Rentner legte Revision beim BGH ein.

Wird es ein Grundsatzurteil zum Rauchen geben?

Der Deutsche Mieterbund (DMB) sieht in dem Verfahren eher einen Einzelfall: Es gehe darum, ob der 76-Jährige richtig oder ausreichend seine Wohnung gelüftet habe, um belästigende Gerüche im Hausflur zu vermeiden, sagt Ulrich Ropertz vom DMB. Rein theoretisch könnte es sich dann auch um andere Gerüche handeln als um Zigarettenqualm. Nicht infrage steht demnach, ob Raucher in ihrer Wohnung zum Glimmstängel greifen dürfen. „Das wird von niemanden bestritten“, sagt Ropertz.

Adolfs droht nach mehr als 40 Jahren der Rauswurf aus seiner Wohnung, weil er die Nachbarn unzumutbar mit Qualm belästigt haben soll.

Der Bundesgerichtshof hatte den Fall an das Landgericht Düsseldorf zurückverwiesen und eine umfassende Beweisaufnahme angemahnt. Das Gericht vernahm daraufhin am Montag zwölf Zeugen. Lediglich eine von der Vermieterseite benannte Zeugin fehlte erkrankt. Die Zivilkammer unter Vorsitz von Richter Rolf Maurer will nun prüfen, ob die Zeugin noch gehört werden muss und hat für den 2. März einen Verkündungstermin angesetzt.

Der Fall beschäftigt die Justiz bereits seit 2013. Zunächst hatte das Amtsgericht den fristlosen Rauswurf des Rentners aus der Wohnung bestätigt. Das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit der Nachbarn habe Vorrang vor dem Recht auf freie persönliche Entfaltung des Rauchers. Im Juni 2014 schlug sich in zweiter Instanz auch das Landgericht auf die Seite der betagten Vermieterin und wies die Berufung zurück.

Doch im Februar 2015 hob der Bundesgerichtshof das Urteil auf und ordnete eine Neuauflage an. Die Vorinstanzen hätten sich nicht um eine umfangreiche Beweisaufnahme drücken dürfen.

Von

dpa

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