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08.08.2016

19:18 Uhr

Prozess von Gina-Lisa Lohfink

Vor Gericht kochen die Emotionen hoch

Wer sagt die Wahrheit, wer lügt, wer kann sich nicht mehr erinnern? Im Berliner Prozess gegen das Model Gina-Lisa Lohfink geht es um den Vorwurf der Vergewaltigung. Der Rechtsstreit wird erbittert geführt.

Vor der Aussage des Angeklagten Ex-Clubmanagers Sebastian Castillo Pinto verließ Gina-Lisa den Saal. Reuters

Gina-Lisa Lohfink ringt um Fassung

Vor der Aussage des Angeklagten Ex-Clubmanagers Sebastian Castillo Pinto verließ Gina-Lisa den Saal.

BerlinEs ist eine zähe Suche nach der Wahrheit. Wurde das Model Gina-Lisa Lohfink von zwei Männern vergewaltigt? Bekam sie K.o.-Tropfen? Oder waren es alkoholisierte, einvernehmliche Sexstunden zu dritt? Als der lange verschwundene Ex-Clubmanager Sebastian Castillo Pinto am Montag als Zeuge den Saal 129B im Amtsgericht Berlin-Tiergarten betritt, ist der Platz von Lohfink leer. Sie wollte mit Erlaubnis des Gerichts nicht dabei sein, wenn er über jene Nacht im Juni 2012 berichtet. „Ich hab' Angst, ich will ihn gar nicht sehen“, haucht sie beim Hinausgehen. Verteidiger Christian Simonis hält ihre Hand.

Die 29-Jährige wirft Pinto sowie einem Fußballer Vergewaltigung vor. Entsprechende Ermittlungen nach einer Anzeige von Lohfink hatte die Staatsanwaltschaft eingestellt. Die frühere „Germany's next Topmodel“-Kandidatin muss sich nun wegen der Behauptungen vor Gericht verantworten. Einen Strafbefehl hatte sie nicht akzeptiert. Am Montag verhandelt das Gericht über Stunden. Es ist der dritte Prozesstag. Fortsetzung am 22. August.

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„Ich habe niemanden in die Wohnung geschleppt, ich habe niemanden gefesselt. Was soll mir das bringen, mit einer wehrlosen Frau Sex zu haben“, schmettert Pinto mit lauter Stimme in den Saal. Lohfink sei ganz begeistert von ihm gewesen, sie habe sich zum Schluss mit einem Kuss verabschiedet. Vorher habe er sie nicht gekannt. Pinto, der nach eigener Aussage Gedichte schreibt und sich als „Dichter des Glaubens“ sieht, redet ohne Punkt und Komma.

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Er berichtet, wie der Fußballer mit Lohfink an seiner Wohnungstür geklingelt habe und sie dann „zu dritt Spaß“ hatten. Lohfink habe gestrippt, auch Champagner bestellt. Drogen oder K.-o.-Tropfen seien in der Nacht im Juni 2012 nicht im Spiel gewesen. Sie hätten über Stunden abwechselnd einvernehmlichen Sex gehabt und dabei auch gefilmt.

Der 33-Jährige unterbricht Richterin Antje Ebner und sagt zu einem Verteidiger: „Alles kommt raus, mein Freund.“ Richterin Ebner ermahnt ihn: „Mäßigen Sie sich.“ Die Verteidigung will einen Drogentest. Pinto lehnt ab. Er ist überzeugt, Lohfink habe nur in die Medien kommen wollen. Ihm habe der Fall nur geschadet. Er habe seine Arbeit verloren und bekomme auch keine mehr.

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