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20.01.2017

11:49 Uhr

Prozessauftakt im Fall Niklas

Angeklagter bestreitet Tat

Der 17-jährige Niklas starb in Bonn nach einem Schlag auf die Schläfe. Die Stadt stand unter Schock. Die Staatsanwaltschaft hält den Schläger für überführt – doch der Angeklagte streitet ab.

Rund acht Monate nach dem Tod des verprügelten Schülers Niklas in Bonn hat der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter begonnen. dpa

Auftakt

Rund acht Monate nach dem Tod des verprügelten Schülers Niklas in Bonn hat der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter begonnen.

BonnDer Hauptangeklagte im Prozess um den Tod des verprügelten Schülers Niklas in Bonn hat eine Beteiligung an der Schlägerei bestritten. Sein Mandant sei zur fraglichen Zeit gar nicht am Tatort gewesen, sagte der Verteidiger des 21-Jährigen am Freitag vor dem Bonner Landgericht.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, den 17-jährigen Niklas im vergangenen Mai auf einer Straße im Bonner Stadtteil Bad Godesberg mit einem Faustschlag gegen die Schläfe niedergestreckt zu haben. Dann soll er ihm gegen den Kopf getreten haben. Niklas starb wenige Tage später im Krankenhaus. Die Tat löste weithin Trauer und Entsetzen aus.

Ein rechtsmedizinisches Gutachten hatte ergeben, dass Niklas' Gefäße im Gehirn vorgeschädigt waren. Auslösend für seinen Tod sei daher bereits der Schlag gewesen, der im Normalfall keine tödlichen Folgen gehabt hätte.

Der Fall Niklas

7. Mai 2016

Niklas und Freunde geraten nach einem Konzertbesuch in Bonn an eine Männergruppe. Niklas wird geschlagen und – auf dem Boden liegend – getreten.

13. Mai 2016

In der Nacht auf den 13. Mai erliegt Niklas im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

17.Mai 2016

Die Polizei nimmt den mutmaßlichen Haupttäter fest. Er soll Niklas geschlagen und getreten haben. Er bestreitet die Tat. Nach zwei weiteren möglichen Mittätern wird gesucht.

21. Mai 2016

Niklas wird unter großer Anteilnahme im Bonner Stadtteil Bad Godesberg beigesetzt.

2. Juni 2016

Der Innenausschuss des NRW-Landtags debattiert über Konsequenzen aus dem Fall. Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagt, dass jugendliche Intensivtäter früher identifiziert werden müssten.

20. Juni 2016

Die Polizei nimmt einen zweiten Verdächtigen fest, der zu der Männergruppe gehört haben soll.

27. Juni 2016

Ein Jugendlicher wird verhaftet, weil er in einer anderen Sache nicht zu einem Gerichtstermin erschienen war. Die Ermittler vermuten: Er könnte einer von mehreren sein, die als dritter Tatverdächtiger in Frage kommen.

8. Juli 2016

Der zweite Verdächtige wird aus der Untersuchungshaft entlassen. Der Verteidiger des jungen Mannes hatte eine Haftprüfung beantragt.

3. August 2016

Auch der dritte Verdächtige wird wieder auf freien Fuß gesetzt.

21. August 2016

Es wird bekannt, dass Niklas laut einem Gutachten Vorschädigungen im Gehirn hatte. Ein Schlag, der im Normalfall keine derart schwerwiegenden Folgen gehabt hätte, habe zum tödlichen Riss einer Ader geführt. Die Staatsanwaltschaft rückt vom Vorwurf des Totschlags gegen den Hauptverdächtigen ab. Der Haftbefehl wird auf Körperverletzung mit Todesfolge abgeändert.

15. September 2016

Der im Juli aus der Untersuchungshaft entlassene zweite Verdächtige wird erneut festgenommen. Er soll einen Belastungszeugen angegriffen haben.

20. Oktober 2016

Die Staatsanwaltschaft Bonn erhebt Anklage gegen den Hauptverdächtigen und den anderen jungen Mann. Letzterem wirft sie vor, eine Begleiterin von Niklas geschlagen zu haben.

20. Januar 2017

Der Prozess am Landgericht Bonn beginnt.

Dem mutmaßlichen Haupttäter wirft die Anklage deshalb eine Körperverletzung mit Todesfolge vor.

Der zweite Angeklagte, ebenfalls 21 Jahre alt, soll in der Tatnacht eine Begleiterin von Niklas geschlagen haben. Er will sich nach Angaben seines Verteidigers in der Hauptverhandlung nicht zu dem Geschehen äußern. Der 21-Jährige räumte über seinen Anwalt lediglich ein, zu einem späteren Zeitpunkt einen mutmaßlichen Tatzeugen geschlagen zu haben, weil dieser ihn provoziert habe.

Der erste Verhandlungstag endete bereits nach 20 Minuten. Für den Prozess hat das Landgericht zunächst 17 Tage angesetzt.

Von

dpa

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