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06.09.2011

15:29 Uhr

Prozessbeginn

U-Bahn-Schläger sollen vermindert schuldfähig sein

Mit einem brutalen Angriff auf einen Fahrgast im U-Bahnhof Friedrichstraße machten zwei Berliner Jugendliche deutschlandweit Schlagzeilen. Nun beginnt der Prozess vor dem Berliner Landgericht.

Der Screenshot einer Überwachungskamera der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), der von der Polizei veröffentlicht wurde, zeigt den Angriff auf einen Mann im U-Bahnhof Friedrichstraße. dpa

Der Screenshot einer Überwachungskamera der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), der von der Polizei veröffentlicht wurde, zeigt den Angriff auf einen Mann im U-Bahnhof Friedrichstraße.

Der 18-jährige U-Bahn-Schläger aus Berlin war bei seinem brutalen Angriff auf einen Fahrgast im U-Bahnhof Friedrichstraße möglicherweise vermindert schuldfähig. „Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass die Steuerungsfähigkeit wegen des Alkoholkonsums erheblich vermindert gewesen sein könnte“, erklärte die Fachärztin am Dienstag vor dem Berliner Landgericht. 

Die angenommenen Blutwerte von mehr als drei Promille „sprechen für eine deutliche Intoxikation“, stellte die Expertin fest. Für eine Persönlichkeitsstörung zur Tatzeit fand sie keine Anhaltspunkte. Die Gutachterin empfahl, wegen Reifeverzögerungen das Jugendrecht anzuwenden. 

Der 18-jährige Gymnasiast hatte den brutalen Angriff vom Ostersamstag auf sein zufällig gewähltes Opfer gestanden. Der Schüler hatte einen damals 29-Jährigen Handwerker im U-Bahnhof Friedrichstraße mit einer Flasche niedergeschlagen. Dann misshandelte er sein reglos am Boden liegendes Opfer mit vier Fußtritten gegen den Kopf. Ihm wird versuchter Totschlag vorgeworfen. Seine Tat hatte er selbst als „Schweinerei“ bezeichnet, für die es keine Entschuldigung gebe. 

Eigenen Angaben nach hatte der Berliner vor der Tat so viel Alkohol wie noch nie zuvor im Leben getrunken. Eine Blutprobe liegt nicht vor, weil der Schüler sich erst einen Tag später stellte. Die Anklage geht von 3,11 Promille aus. Eine deutlich durch Alkohol bedingte Enthemmung sieht die Gutachterin im Verhalten des 18-Jährigen bestätigt. Er war vor dem Angriff ins Gleisbett gesprungen und hatte mit Schottersteinen um sich geworfen. 

Das inzwischen 30-Jährige Opfer erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma, einen Nasenbeinbruch und Prellungen. Der Mann leidet bis heute psychisch an den Folgen des Überfalls. Auch der Angeklagte litt nach Angaben der Expertin nach der Tat an depressiven Störungen. Bei ihren Untersuchungen habe der Schüler „verzweifelt und hoffnungslos gewirkt“. Er sei latent suizidgefährdet gewesen.

Von

dpa

Kommentare (11)

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Petra

06.09.2011, 16:18 Uhr

In was für einem Land leben wir eigentlich? Da tritt ein Idiot einen friedlichen Bürger ohne Grund fast tot und nur weil er sturzbetrunken war ist er vermindert schuldfähig??? Das ist ein Freibrief für alle Verbrecher! Wirst Du erwischt, dann kipp eine Flasche Wodka hinterher und du bist schuldunfähig! Zudem nützt es natürlich auch, wenn man wie der U-Bahn-Schläger einflußreiche Eltern hat. George Orwell läßt grüßen: Manche sind eben gleicher als Andere.

Account gelöscht!

06.09.2011, 16:42 Uhr

Zitat:
„Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass die Steuerungsfähigkeit wegen des Alkoholkonsums erheblich vermindert gewesen sein könnte“, erklärte die Fachärztin am Dienstag vor dem Berliner Landgericht.

Die angenommenen Blutwerte von mehr als drei Promille „sprechen für eine deutliche Intoxikation“, stellte die Expertin fest.
Zitat Ende:

Aha; das Anwaltsöhnchen ist also schuldunfähig, weil es besoffen war.
Somit ist also auch jeder Autofahrer, der besoffen fährt, schuldunfähig!

Wird das Anwaltsöhnchen jetzt das Opfer und den Helfer auf Schmerzensgeld verklagen? Sie haben ihn ja schließlich provoziert bzw. angegriffen.

crash

06.09.2011, 17:45 Uhr

Die Regelung in der deutschen Justiz, das "besoffene Täter" vermindert schuldfähig sind, ist absolut pervers. Das Gegenteil wäre richtig, nämlich, das diese Täter, weil sie sich in diesen Zustand der angeblich verminderten Zurechnungsfähigkeit versetzt haben, einen Strafzuschlag verpasst bekommen.

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