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12.01.2004

16:00 Uhr

Qualität zählt kaum noch

Schnäppchenjagd nimmt Überhand

Die Deutschen sind nach der Einschätzung von Marktforschern die größten Schnäppchenjäger. Dabei schielen sie nur auf den Preis und vernachlässigen Aspekte wie Service und Qualität. Langfristig dürfte die Rechnung nicht aufgehen, weil die Konsumenten nicht alle Kosten für die Schnäppchenjagt berücksichtigen, so die Experten.

Rabattschlacht im Handel, Foto: dpa

Rabattschlacht im Handel, Foto: dpa

HB HAMBURG. Mit ungebremstem Sparwillen ziehen die Menschen in Deutschland in die ersten Rabattschlachten des neuen Jahres. Zwischen Weihnachtsaktionen und dem am 26. Januar startenden letzten Winterschlussverkauf locken viele Händler schon wieder mit drastischen Reduzierungen. Der Schnäppchenjäger ist zur gesellschaftlichen Leitfigur geworden. Doch Experten sehen das Ende der atemlosen Aktionen nahen, denn der Preis dafür ist hoch.

In keinem anderen Land Europas werden nach Einschätzung des Nürnberger Marktforschers GfK so erbitterte Preiskämpfe ausgefochten wie in Deutschland. „Die Deutschen lieben den Preis“, sagt GfK- Marktforscher Wolfgang Twardawa, Briten legten stattdessen tendenziell eher Wert auf Service, Schweizer und Franzosen auf Qualität. „Mehr als die Hälfte der europäischen Discounter sind in Deutschland.“

Twardawa macht mehrere Ursachen dafür verantwortlich: So schaffe das deutsche Baurecht Filialen in Format von Lidl, Aldi oder Schlecker viel leichtere Bedingungen als größeren Märkten. Immer mehr günstige Elektrogeräte oder Kosmetikartikel haben zudem ähnliche Eigenschaften wie Markenartikel, wie die Stiftung Warentest auch immer wieder betont - wozu, so scheint die Mehrheit zu glauben, dann noch auf Marken oder Made in Germany Wert legen?

„Deutschland ist Vorreiter bei der Konsumfixiertheit auf den Preis unter Vernachlässigung anderer Aspekte“, sagt auch Handelsforscher Daniel Staib vom renommierten Zürcher Gottlieb Duttweiler Institut. Schnäppchenjäger rechnen sich altmodisch mit Anzeigenvergleich oder modern mit Preismaschinen im Internet in ihre Kaufräusche. Bücher wie „Super-Schnäppchen“ oder „Fabrikverkauf in Deutschland“ haben Konjunktur.

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