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08.05.2014

12:48 Uhr

„Radikale Humanität“

Rupert Neudeck wird 75

Sein Leitmotiv ist radikale Humanität. Rupert Neudeck, Gründer der Hilfsorganisationen Cap Anamur und Grünhelme, wird 75 Jahre alt. Er schätzt Angela Merkel und ist begeistert von Papst Franziskus.

Der Journalist und Gründer der Hilfsorganisationen Cap Anamur und Grünhelme, Rupert Neudeck. Über seine Frau Christel sagt er: „Sie hat vieles ausgleichen können von meiner Ruppigkeit und Bärbeißigkeit.“ dpa

Der Journalist und Gründer der Hilfsorganisationen Cap Anamur und Grünhelme, Rupert Neudeck. Über seine Frau Christel sagt er: „Sie hat vieles ausgleichen können von meiner Ruppigkeit und Bärbeißigkeit.“

TroisdorfRupert Neudeck ist ein Mann der leisen Töne - und der großen Taten. Der Gründer der beiden Hilfsorganisationen Cap Anamur (1979) und Grünhelme (2003) hat sich der „radikalen Humanität“ verschrieben. Seit Jahrzehnten.

Dem schmalen Herrn und seinem beherzten Einsatz zwischen 1979 und 1986 im Südchinesischen Meer verdanken mehr als 11 340 Flüchtlinge aus Vietnam - die Boat People - ihr Leben. Neudeck, der in Troisdorf bei Bonn mit seiner ebenso engagierten Frau Christel in einem Reihenhäuschen lebt, wird am 14. Mai 75 Jahre alt.

„Wir werden zeitlebens nicht loskommen von der schönen Bürde, Eltern von Cap Anamur und den Grünhelmen zu sein“, sagt Neudeck der Nachrichtenagentur dpa. Cap Anamur mit Einsätzen in bisher gut 50 Ländern nennt der Journalist die große Schwester der Grünhelme. Die kleinere Schwester konzentriert sich bewusst auf wenige Länder und ist aktuell im Kongo, in Ruanda, Kenia, auf den Philippinen, in Mauretanien und in Palästina aktiv. Cap Anamur kümmert sich um medizinische Projekte, die Grünhelme sind auf bautechnische Vorhaben spezialisiert.

Er selbst mache keine großen Reisen mehr, überlasse das seinen „hervorragenden Nachfolgern“, sagt Neudeck, der drei Kinder und fünf Enkel hat. Cap Anamur und die Grünhelme seien unter den humanitären Organisationen „die beiden einzigen, die es geschafft haben, allein mit Spendengeldern zu arbeiten“.

Diese Unabhängigkeit von Staat und Politik ist für den Mann mit dem markanten weißen Bart ein hohes Gut. Prinzipiell gilt: Bevor Ärzte oder Ingenieure in ein Krisenland geschickt werden, hat jemand aus der Vereinsspitze die Lage vor Ort am eigenen Leib überprüft. Ein „schrecklicher Einschnitt“ war es für Neudeck, als drei Mitarbeiter 2013 in Syrien entführt wurden. Wie wahnsinnig habe man um deren Leben gebangt, bis sich die Mitarbeiter selbst befreien konnten.

Zu Neudecks Geburtstag ist sein Buch „Radikal leben“ erschienen, in dem er sich bewundernd über Papst Franziskus äußert. „Dass jemand, der staatsrechtlich und völkerrechtlich gesehen ein Staatschef ist, seinen ersten Staatsbesuch nicht in Washington, Paris, London oder Moskau macht, sondern in Lampedusa, zeigt doch: Das Tun ist wichtig, nicht das Deklarieren“, sagt Neudeck, der unter anderem Theologie studiert und promoviert hat. Franziskus gehe es um gelebte Barmherzigkeit.

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