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02.05.2011

14:58 Uhr

Radioaktiver Störfall

Atomkraftwerk Tsuruga ist als Problem-Meiler bekannt

Nach der Havarie des Atomkraftwerks Fukushima gibt es in Japan in einem weiteren Atommeiler einen radioaktiven Störfall. Es ist nicht das erste mal, dass die Anlage Tsuruga Probleme bereitet.

Block zwei des japanischen AKW Tsuruga soll nun zur weiteren Untersuchung heruntergefahren werden. Quelle: Reuters

Block zwei des japanischen AKW Tsuruga soll nun zur weiteren Untersuchung heruntergefahren werden.

Tokio/WienNeue Atom-Probleme in Japan: Während die Retter am havarierten Kraftwerk Fukushima Eins arbeiten, melden die Behörden einen Zwischenfall in einem weit entfernten AKW. Die Behörden der Präfektur Fukui vermuten einen radioaktiven Störfall im Atomkraftwerk Tsuruga Zwei an der Westküste des Landes.

Das berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo am Montag. Betroffen sind demnach die Brennstäbe. Bereits vor dem schweren Erdbeben der Stärke 9,0 und dem anschließenden Tsunami am 11. März gab es aus der Region Berichte über Probleme mit Atommeilern. In der Präfektur sind insgesamt 13 Atomkraftwerke in Betrieb. Alle stehen entlang der Westküste.

Ein Sprecher der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) in Wien konnte den Zwischenfall am Montag zunächst nicht bestätigen. Bislang ist die Schwere des Vorfalls unklar.

Die Ines-Skala

Wo fängt die Ines-Skala an?

Bei der Stufe 0. Die sicherheitstechnische Bedeutung ist nicht vorhanden oder nur sehr gering.

Was bedeutet Störung?

Dass es zu Abweichungen von den zulässigen Bereichen für den sicheren Betrieb der Anlage kommt. Auf der Ines-Skala bedeutet das die Stufe 1.

Wann spricht man von einem Störfall?

Wenn es zu erheblichen Kontaminationen mit unzulässig hoher Strahlenexplosion beim Personal kommt und gestaffelte Sicherheitsvorkehrungen begrenzt ausfallen. Auf der Ines-Skala ist das die Stufe 2. Ab diesem Punkt sind Atomkraftwerke verpflichtet, die Zwischenfälle der Internationalen Atomenergiebehörde zu melden.

Wann liegt ein ernster Störfall vor?

Wenn es eine sehr geringe Freisetzung mit Strahlenexposition bei der Bevölkerung gibt, die in Höhe eines Bruchteils der natürlichen Strahlenexposition liegt. Bei dem Personal kommt es zu schweren Kontaminationen und akuten Gesundheitsschäden. Die gestaffelten Sicherheitsvorkehrungen fallen weitgehend aus. Hier liegt die Stufe 3 auf der Ines-Skala vor.

Wann spricht man von einem Unfall im AKW?

Bei geringer Freisetzung mit Strahlenexposition für die Bevölkerung, die in etwa der natürlichen Strahlungshöhe entspricht. Es kommt auch zu begrenzten Schäden am Reaktor und/oder an den radiologischen Barrieren. Strahlenexposition beim Personal mit Todesfolge. Auf der Ines-Skala ist die Stufe 4 erreicht.

Was heißt "Ernster Unfall"?

Hier kommt es zur begrenzten Freisetzung von Strahlung mit Einsatz einzelner Katastrophenschutzmaßnahmen. Es liegen schwere Schäden an den Reaktoren und/oder radiologischen Barrieren vor. Die Stufe 5 auf der Ines-Skala ist erreicht.

Wann ist es ein "Schwerer Unfall"?

Wenn eine erhebliche Menge Strahlung freigesetzt wird und es zum vollen Einsatz der Katastrophenschutzmaßnahmen kommt. Das ist die Stufe 6 auf der Ines-Skala.

Was ist ein "Katastrophaler Unfall"?

Es kommt zu schwersten Freisetzungen mit Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in einem weiten Umfeld. Das ist die höchste Ines-Stufe (7) und wurde vor Japan nur in Tschernobyl erreicht.

Die Stadt Tsuruga an der Westküste ist von Fukushima, in deren Nähe das havarierte Atomkraftwerk Fukushima Eins liegt, rund 360 Kilometer Luftlinie entfernt. Der nun betroffene Meiler liegt damit außerhalb der Katastrophenzone an der Ostküste.

In der Nähe von Tsuruga betreibt die Firma Japan Atomic Power Co. zwei Atomkraftwerke, die „Tsuruga Power Station Units“ Eins und Zwei. Von dem Problem betroffen ist Kraftwerk Nummer Zwei. Es soll den Angaben zufolge heruntergefahren werden, um den Fall weiter zu untersuchen. Das Unternehmen will in der Gegend zwei weitere Atomkraftwerke bauen.

Die Hinweise auf ein Problem mit den Brennstäben stammen aus dem Anstieg bestimmter Substanzen im Kühlwasser des Meilers. Ein Leck habe es nicht gegeben, erklärte Japan Atomic Power Co., sprach aber von technischen Problemen.

Im Jahr 1981 waren aus dem Kraftwerk Tsuruga Eins radioaktive Substanzen entwichen. Später stellte sich heraus, dass der Betreiber dies verschleiert hatte.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Nachdenker

02.05.2011, 13:44 Uhr

Richtig so.
Bevor etwas passiert, sollte man nachsehen.
Das gibt dann auch weniger Futter für die üblichen Hysteriker.

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