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30.04.2014

16:50 Uhr

Rassismus im Nachtleben

„Wegen der Hautfarbe abgelehnt zu werden, ist Alltag“

Feiern darf jeder – zumindest theoretisch. In München zieht ein Afrikaner vor Gericht, weil er in 20 von 25 Münchner Clubs abgewiesen wurde. Die zentrale Frage: Wo hört das Hausrecht auf, wo fängt Diskriminierung an?

Hamado Dipama und seine Anwältin Susanne Gerhards klagen auf Schmerzensgeld. dpa

Hamado Dipama und seine Anwältin Susanne Gerhards klagen auf Schmerzensgeld.

München25 Clubs, 20 Mal „Du kommst hier nicht rein“. Der Afrikaner Hamado Dipama hat in Münchner Diskotheken getestet, was er schon vorher vermutete: Dunkelhäutige haben es schwer, am Türsteher vorbei zu kommen. Nachdem er als Mitglied des Ausländerbeirates der Stadt immer wieder Klagen hörte, wollte der Mann aus Burkina Faso der Sache selbst auf den Grund gehen - und zog im April des vergangenen Jahres ein Wochenende lang mit einigen Mitstreitern los.

Das Ergebnis: Er und ein ebenfalls dunkelhäutiger Freund wurden in fast allen Clubs abgewiesen. Ihre weißen Begleiter kamen überall hinein. Das machte Dipama so wütend, dass er nun gegen sechs der Clubs vor Gericht zieht. Er hat sie auf Unterlassung verklagt und verlangt Schmerzensgeld. „Wegen der Hautfarbe abgelehnt zu werden, ist Alltag“, sagt er. „Traurig, aber so ist es.“

Die Grundlage für seine Klage ist das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), dessen Ziel es ist, „Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen“. Auf dem Papier klingt das ganz einfach.

„Das AGG ist natürlich anwendbar“, sagt der Vorsitzende Richter Ulrich Locher am Mittwoch beim Auftakt des ersten Prozesses gegen einen Club auf dem Gelände der Kultfabrik im Münchner Osten. Dort wies ein Türsteher die beiden dunkelhäutigen Männer laut Dipama mit den Worten „nur mit Reservierung“ ab und räumte später ein, gelogen zu haben – auf Anweisung seines Chefs.

Der Geschäftsführer der zuständigen Sicherheitsfirma betonte dagegen, Diskriminierung gebe es nicht. Seine Mitarbeiter hätten die Anweisung, alle Leute gleich zu behandeln. Nur Gäste in Jogginghosen oder dreckigen Turnschuhen würden abgewiesen, Betrunkene oder Minderjährige.

„Was man da glaubt oder nicht, ist immer schwierig“, sagt Richter Locher. „Die Beweislage ist sehr durchmischt.“ In Bezug auf den Kläger Dipama betont er aber auch: „Er war nicht alkoholisiert, er war nicht aggressiv, der Club war nicht voll.“ Dass Türsteher immer wieder rassistische Entscheidungen treffen, stehe außer Frage, meint er. „Es gibt unterschwelligen und auch offen zur Schau gestellten Rassismus. Das AGG ist ja nicht vom Himmel gefallen.“

Allerdings gehe es in dem Verfahren nicht darum, ob es in unserer Gesellschaft Rassismus gibt oder nicht, sagt der Richter. „Den gibt es. Ich entscheide nur, ob eine Person an diesem Tag eine unzulässige Entscheidung getroffen hat.“ Schließlich dürfe ein Club seine Zielgruppe aussuchen. „Der Nachtclub ist nicht der MVV“, sagt Locher. Der MVV ist in München der Nahverkehrsverbund.

Kommentare (3)

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30.04.2014, 17:22 Uhr

Frage: Wenn jemand dreckige Turnschuhe trägt und alkolisiert ist und schwarz ist muß man den reinlassen?

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30.04.2014, 17:43 Uhr

@walteria:

Was für eine widerwärtige und rassitische Meinung.

Wo steht denn im Artikel das DIESER Farbige dreckige Turnschuhe getragen hat und alkoholisiert war.

Einfach erbärmlich und herabwürdigend!

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30.04.2014, 17:56 Uhr

Der weiße Mann erträgt es nicht, dass Farbige oft das schönere Gesicht haben, athletischer gebaut sich und in der Regel deutlich(!) mehr in der Hose vorzuweisen haben. Das macht den Farbigen für viele Club-Gäste interessanter, darum darf er nicht rein.

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