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19.02.2004

12:13 Uhr

Rathausstürme nicht nur im Rheinland

Wilde Weiber erobern die Macht

Nicht ganz unerwartet haben pünktlich um 11.11 Uhr in den rheinischen Karnevalshochburgen die jecken Weiber die Rathäuser gestürmt und tausende von Schlipsen abgeschnitten. Damit heiße Phase des Straßenkarnevals eingeläutet.

Die jecken Weiber sind los. Foto: dpa

Die jecken Weiber sind los. Foto: dpa

HB KÖLN/MAINZ. In Köln, Düsseldorf, Bonn-Beuel und Aachen übernahmen wilde „Wiever“ und „Möhnen“ das Regiment. Auch im Ruhrgebiet, im Sauerland und sogar in Westfalen bliesen die jecke Weiber zum Schlipsalarm. In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz waren Konstanz und Mainz Mittelpunkte des närrischen Treibens.

In Nordrhein-Westfalen herrschte bei kaltem, trockenem Wetter fast überall der Ausnahmezustand. In Köln schunkelten sich mehrere zehntausend jecke Clowns, Hexen, Engel, OP-Schwestern und Teufel warm. „Das ist echter Karneval. Das hat Qualität“, freute sich eine Meerjungfrau. Für wahre Begeisterungsstürme bei den jecken Damen sorgte eine Gruppe von Schotten, die unter ihren Röckchen nur „natur pur“ trugen. Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) erklärte die Stadt für die tollen Tage zur „klüngelfreien Zone“.

Auch in Düsseldorf übernahmen die Macht besessenen Weiber das Regiment. Den Stadtvätern drückten sie Kussmünder auf die Wangen und entrissen ihnen den Stadtschlüssel. NRW-Innenminister Fritz Behrens (SPD), bekennender Karnevalist, hatte sich als Hippie unter seine Mitarbeiterinnen gewagt - und dabei seinen Schlips eingebüßt. Die Kneipen platzten in der Landeshauptstadt aus allen Nähten. Vor dem Rathaus tanzten tausende Jecke ausgelassen. „Mein Mann hat mir zehn Euro Taschengeld mitgegeben, vor morgen früh gehe ich nicht nach Hause“, sagte eine als Teufelin verkleidete Rentnerin.

Im Bonner Stadtteil Beuel, der Wiege der rheinischen Weiberfastnacht, stürmten die legendären Waschweiber das Rathaus, angeführt von Wäscherprinzessin Silvia I. Unter dem Jubel Tausender musste Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann (SPD) für die tollen Tage ihre Amtsstube räumen. 1824 hatten Wäscherinnen aus Protest gegen ihre unzumutbare Arbeitsbedingungen am Donnerstag vor Karneval ihre Arbeit niedergelegt und die Männer in die Mangel genommen.

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