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10.01.2005

15:06 Uhr

Rauchverbot

Für die Zigarette müssen Italiener jetzt auf die Straße

Den Espresso zum Frühstück gab es noch im Cafe, für die Zigarette danach mussten die Raucher in Italien dann auf die Straße gehen. Seit Montag gilt in dem Land ein Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden, und die Behörden wollen es mit der Androhung drakonischer Bußgelder durchsetzen.

HB ROM. Die erste Strafe musste ein hartnäckiger Raucher schon kurz nach Mitternacht zahlen, als er nur wenige Minuten nach In-Kraft-Treten des Verbots mit Zigarette erwischt wurde. Mit dem Gesetz sollen vor allem Nichtraucher vor schädlichem Tabakqualm geschützt werden. Die Regierung zielt damit aber auch generell auf ein Laster, das nach Angaben der Gesundheitsbehörden für den Tod von jährlich 90 000 Italienern verantwortlich ist.

„Die Entscheidung ist nun mal gefallen, und wir werden uns daran halten und draußen rauchen müssen“, sagte Annalisa Proietti, die mit ihrem Freund in einer Cafe Roms frühstückte. Doch nicht alle wollen sich der Anordnung beugen. Für sie kann es teuer werden. So wie für einen jungen Mann in Neapel, der schon kurz nach Mitternacht das erste Bußgeld zahlen musste - 27 Euro, wie lokale Medien berichteten. Dabei kam er noch gut weg. Sind Kinder oder Schwangere in der Nähe drohen dem Missetäter sogar bis zu 275 Euro Strafe.

Besitzer von Restaurants und Cafes können sogar mit noch höheren Summen zur Kasse gebeten werden, wenn sie das Rauchverbot nicht durchsetzen. Das Gesetz sieht in solchen Fällen Bußgelder von bis zu 2200 Euro vor. Die Gastronomiebetriebe sind sogar verpflichtet, notorische Rauchverbotsmissachter der Polizei zu melden. In italienischen Bars, Cafes, Restaurants und Nachtclubs hieß es daher in der Nacht, Kippen aus und Aschenbecher weg. Selbst die Toiletten wurden zu rauchfreien Zonen erklärt. Geduldet wird der blaue Dunst nur noch in separaten und abgeschlossenen Raucherkabinetten mit spezieller Luftabzügen. Doch bislang haben weniger als zwei Prozent der Cafes und Restaurants solche Räume eingerichtet.

Recht auf Rauchen wird respektiert - aber eingeschränkt

Wirtschaftsverbände wie die Confcommercio planen inzwischen Klagen gegen das Gesetz. „Andere europäische Länder mit einer liberalen gesellschaftlichen Tradition haben solche repressiven Regeln nicht“, sagte Confcommercio-Chef Sergio Bille. „Warum müssen wir sie dann haben?“ fragte er in der Zeitung „Corriere della Sera“. In Westeuropa gibt es nur in Irland und Norwegen ähnliche Verbote.

Der Initiator des Gesetzes, der Gesundheitsminister und Ex-Raucher Girolamo Sirchia, sieht indes vor allem die Tabakindustrie als Initiatoren der vereinzelten Kampagnen gegen die Vorschrift. „Die multinationalen Tabakkonzerne stecken hinter vielen der Proteste“, sagte er in Zeitungsinterviews. Nach seinen Worten wird das Recht auf Rauchen weiterhin respektiert, es werde nur eingeschränkt. „Das Gesetz verbietet das Rauchen nicht“, sagte Sirchia, „es schränkt nur die Plätze ein, wo es möglich ist.“ Er habe nie ein vollständiges Rauchverbot angestrebt. Letztlich werde der Erfolg dieser Maßnahme weniger vom Zwang abhängen, als davon, ob es die Leute wollen. Zugleich plädierte der Minister für einen freundlichen Umgang zwischen Rauchern und Nichtrauchern: „Seid tolerant, vermeidet Konflikte und die Einschaltung von Anwälten“, sagte er. Höflichkeit sei der beste Weg, jemanden dazu zu bringen, die Zigarette auszumachen.

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