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22.04.2013

11:56 Uhr

Reaktionen im Netz

Viele Bayern-Fans über Hoeneß entsetzt

VonMartin Dowideit, Jonas Jansen

In sozialen Netzwerken schwappt eine Welle der Empörung wegen der Steuerhinterziehung durch Vereinspräsident Uli Hoeneß. Im vereinseigenen sozialen Netzwerk gehen selbst stramme Fans auf Distanz zum Manager.

Eine am Montag gestartete Webseite nimmt Hoeneß wegen des Steueraffäre auf die Schippe. Screenshot

Eine am Montag gestartete Webseite nimmt Hoeneß wegen des Steueraffäre auf die Schippe.

DüsseldorfAls die Meldung über die Steuerhinterziehung von Uli Hoeneß am Samstag die Runde machte, war auch für die Fans des FC Bayern München die Vorfreude auf das Champions-League-Halbfinale gegen den FC Barcelona erst einmal verflogen. „Ich freu‘ mich schon auf morgen, wo ich zusammen mit 50 Leuten als einziger Bayern-Fan den ganzen Tag verbringen kann“, schrieb „Bayero“ aus Sorge vor Spott im vereinseigenen sozialen Netzwerk „MyFCB“.

Die Affäre um den Bayern-Präsidenten lässt tatsächlich Emotionen hochkochen. Einen möglichen Grund dafür schreibt „Remy_Martin“ im selben Forum: „Hoeneß hat den moralischen Zeigefinger so oft geschwungen, da darf er nicht so eine Leiche im Keller haben!“ Und der Fan „BayernimBlut“ ergänzt: „Ich will nicht, dass mein Verein von einem Steuerhinterzieher/Betrüger geführt wird.“

Die besten Zitate von und über Uli Hoeneß

Hoeneß 2005

„Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern.“ (Uli Hoeneß 2005 in einem Interview der „Bild“-Zeitung)

Hoeneß 2009

„Wenn die Unternehmer alle in die Schweiz gehen, ist auch keinem geholfen. Mit einer Reichensteuer geht es dem kleinen Mann kein Stück besser.“ (Hoeneß 2009 in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“)

Hoeneß 2011

„Wenn früher eine Mark in der Kasse meiner Eltern fehlte, haben wir sie auf dem Boden gesucht. Die Stimmung beim Weihnachtsfest hing entscheidend davon ab, wie gut wir vorher verkauft hatten.“ (Hoeneß im Februar 2011 im „Hamburger Abendblatt“)

„Natürlich will ich Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein.“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

„Die Finanzwelt zeigt keine Bereitschaft, zur Volkswirtschaft beizutragen. Eine Krankenschwester trägt mehr zur Volkswirtschaft bei als ein Spekulant. Wenn ich sehe, dass Optionsscheine für Reis steigen, sage ich zu meiner Frau: 'Das bedeutet, dass Menschen hungern müssen, weil sie sich keinen Reis mehr kaufen können.'“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

Hoeneß 2012

„In den vergangenen 20 Jahren sind in der Finanzwelt Menschen am Werk gewesen, die einen katastrophalen Job gemacht haben. Uns wurde vorgegaukelt, dass viele Finanzprodukte so unglaublich wichtig seien. Dabei hatten diese nur ein Ziel: die Taschen gewisser Leute voll zu machen.“ (Hoeneß 2012 in der Zeitung „Die Welt“)

„Unsere Spieler kicken schon jetzt eine Halbzeit fürs Finanzamt, da kommen wir nicht weiter, wenn man 60 oder 70 Prozent nimmt.“ (Hoeneß 2012 in der ARD-Talkshow „Günther Jauch“)

Hoeneß als Wurstfabrikant

„Ich habe für mein Schweinefleisch fünf verschiedene Lieferanten. Ich rufe an, lasse mir die Preise geben und kaufe dann. Für was aber brauchen Banker Schweinebäuche?“ (Wurstfabrikant Hoeneß über Spekulationsgeschäfte von Banken)

Hoeneß vor seinem 60. Geburtstag

„Es ist vielleicht langweilig, aber es soll uns nie schlechter gehen als jetzt. Das ist mein Wunsch. Ich muss nicht nach Hawaii oder auf die Malediven. Wenn ich irgendwann mal Lust dazu habe, werde ich das machen. Aber das ist nicht mein Lebenstraum.“ (Hoeneß Anfang 2012 vor seinem 60. Geburtstag)

Hoeneß vor der Politik

„Ich bin kein Besserwisser, sondern ein Bessermacher.“ (Hoeneß 2010 vor einem Auftritt als Gastredner bei der CSU-Vorstandsklausur)

„Ich habe mit meiner Meinung noch nie hinter dem Berg gehalten. Und bei der Gelegenheit habe ich festgestellt, dass man damit bei der Bundeskanzlerin landen kann. Sie will Leute, die querdenken. Sie will Leute, die ihr nicht nach dem Mund reden. Deswegen bin ich Fan von Merkel!“ (Hoeneß über Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel)

Rummenigge

„Uli ist der Vater Teresa vom Tegernsee, der Nelson Mandela von der Säbener Straße und die Mutter aller Manager.“ (Vorstandschef Rummenigge in seiner Festrede zum 60. Geburtstag von Hoeneß)

„Franz Beckenbauer hat einmal gesagt, wir alle müssen dem FC Bayern dienen. Uli Hoeneß war immer der größte Diener des FC Bayern.“ (Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge 2009 über Hoeneß)

Beckenbauer

„Er ist, glaub ich, schon als Manager auf die Welt gekommen.“ (Franz Beckenbauer 2009 über Uli Hoeneß)

Auch Medien haben Fußball-Manager und Wurstfabrikant Hoeneß scharf kritisiert. Dagegen will er vorgehen, wie er am Montag mitteilte. Unklar ist noch, wie viele Millionen er genau am Fiskus vorbei geschleust hat. Doch dass er Steuern hinterzogen hat, ist durch seine Selbstanzeige belegt. Und wegen seiner oft pointierten Meinungen ist der Steuerfall Hoeneß auch in sozialen Netzwerken vor scharfer Kritik nicht gefeit.

Ein Blog trägt seit heute Fotos von Hoeneß zusammen und versieht sie mit ironischen Bildunterschriften. Auf „Uli Hoeneß erklärt Dinge“ erläutert er zum Beispiel „unvorstellbare Summen“. Mit Ironie reagiert auch Michael Seemann über sein Twitter-Nutzerkonto @mspro.

Jenseits von Spott und Ironie sind auch die rechtlichen Folgen ein Thema. In Blogs und Rechtsforen wird über die Wahrscheinlichkeit einer Straffreiheit für Uli Hoeneß diskutiert und die einschlägigen Paragrafen der Abgabenordnung diskutiert (zum Beispiel im Jurion Strafrechtblog oder im Rechtstreff).

Im Bayern-Forum trösten sich derweil einige mit Hoeneß‘ Erfolgen über den derzeitigen Skandal hinweg: „Auch wenn Uli jetzt die Arschkarte hat, wird er auf ewig der derjenige sein, der für den FCB, aber auch für den deutschen Fußball mehr getan hat als jeder andere.“ Und bei Twitter meint Nutzer „a_lausbua“: Diese Hetzjagd hat er nicht verdient. Er hat viel Gutes nicht nur für seinen FCB getan, alles vergessen?“
Doch eines scheint so oder so sicher, wie @AJFreeze meint: „Beim Hoeneß geht’s jetzt um die Wurst.“

Bei den Bayern am Dienstag im Halbfinale gegen den FC Barcelona auch. Zumindest der Facebook-Post der Bayern-Fanseite zum Spiel ist bislang frei von Kommentare zur Causa Hoeneß.

Anm. d. Redaktion: Manche Zitate aus Foren oder Twitter wurden für diesen Artikel geglättet, etwa die Schreibweise des Nachnamens von Uli Hoeneß angepasst.

Schweizer Privatinstitut: Hoeneß' Reservebank

Schweizer Privatinstitut

Hoeneß' Reservebank

Vontobel heißt die Schweizer Privatbank, auf der Fußball-Manager Uli Hoeneß sein nicht versteuertes Geld geparkt haben soll. Die Banken im Nachbarland fürchten eine erneute Verschärfung des Vertrauensverlusts.

Kommentare (8)

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AbgehobeneKastenFallenImmerTief

22.04.2013, 12:06 Uhr

Ein klitzkleines Stück Demut täte auch dem Vereinsboß des FC Hollywood Bayern und seiner Steuerangelegenheit sicher gut.

M1ausB

22.04.2013, 12:29 Uhr

..vielleicht ist er auch nur das Bauernopfer um andere zu decken. Auch stellt sich die Frage aus welchem Bereich wurde denn das Schwarzgeld rausgezogen, in der Würstchenproduktion oder im Fußball ? Wurde es erwirtschaftet oder hat er es erhalten ?

buldi

22.04.2013, 15:48 Uhr

nicht das am Ende auch der Verein dahintersteckt, von wegen Schmiergelder bei Transfers, Fernsehrechten.......Ecclestone läßt grüßen

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