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09.04.2011

12:15 Uhr

Reaktorunglück in Japan

Verseuchung des Meeres nimmt dramatisch zu

Vier Wochen nach dem Beben werden noch immer Zehntausende Menschen vermisst, Hunderttausende sind ohne Strom. Unterdessen pumpt der Betreiber des Unglücksreaktors Fukushima weiter radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer.

Der Unglücksreaktor Fukushima liegt direkt an der Küste. Quelle: Reuters

Der Unglücksreaktor Fukushima liegt direkt an der Küste.

Tokio, AtlantaNach dem neuerlichen Erdbeben im Nordosten Japans waren am Samstag in dem betroffenen Gebiet noch immer 260.000 Menschen ohne Strom. Zahlreiche Haushalte waren von der Gas- und Wasserversorgung abgeschnitten. Bei dem Beben der Stärke 7,1 vom Donnerstag kamen drei Menschen ums Leben. Aus dem schwer beschädigten Atomkraftwerk Fukushima wurden keine zusätzlichen Probleme aufgrund des Erdstoßes gemeldet.

Dort pumpten Arbeiter am Samstag weiter Stickstoff in die Kammer eines Reaktors, um das Risiko einer Wasserstoffexplosion zu verringern. Außerdem leitete die Betreiberfirma Tepco weiterhin . Damit soll Platz für die Lagerung stärker verstrahlten Wassers geschaffen werden. Die Arbeiten sollen am Sonntag abgeschlossen werden.

Nach einem Medienbericht steigt die radioaktive Verseuchung des Meerwassers vor dem Unglücksreaktor. Tepco teilte mit, am Donnerstag seien nördlich von Fukushima Eins in Meerwasserproben 110 Becquerel des radioaktives Jods-131 pro Kubikzentimeter festgestellt worden. Diese Zahl liege 2.800 mal höher als der gesetzlich Grenzwert. Am selben Ort seien am Dienstag das 600fache und am Mittwoch das 1.000fache registriert worden, berichtete der Fernsehsender NHK. Die Atomsicherheitsbehörde Nisa wies Tepco an, seine Kontrollen zu verstärken, um eine mögliche Belastung des Pazifiks abzuklären.

Vier Wochen nach der Mega-Katastrophe vom 11. März liegt die Zahl der Toten bei 12.750. Nach Angaben der Polizei werden 14.706 Menschen vermisst.

Neue Strahlungsgrenzwerte für Reis

Die Regierung kündigte am Freitag neue Strahlungsgrenzwerte für Reis an. Bauern dürfen außerdem in Gebieten mit zu hoher Cäsium-Strahlung keinen Reis mehr anbauen. Bislang betrifft dies lediglich zwei Orte im Dorf Iitate, 40 Kilometer von dem Atomkraftwerk entfernt. Die Landwirte sollen für den Ausfall entschädigt werden. Die Regierung habe schnell entscheiden müssen, da man sich in der Pflanzzeit befinde, sagte Landwirtschaftsminister Michihiko Kano. Die Präfektur Fukushima ist das viertwichtigste Reisanbaugebiet in Japan. Vor wenigen Tagen hatte die Regierung erstmals auch Strahlungsgrenzwerte für Fisch festgelegt.

Am Freitag hoben die Behörden das Verkaufsverbot für einzelne Feldfrüchte aus bestimmten Gebieten auf. Spinat und die Gemüseart Kakina aus der Präfektur Gunma sowie Milch aus dem am weitesten vom Kraftwerk entfernten Teil von Fukushima dürfen nun wieder angeboten werden.

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