Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.07.2017

12:34 Uhr

Regensburger Domspatzen

Mindestens 547 Opfer von Gewalt und Missbrauch

Der Missbrauchsskandal um die Regensburger Domspatzen nimmt immer größere Dimensionen an. Der Abschlussbericht geht nun von insgesamt 547 Gewaltopfern im Zeitraum zwischen 1945 und dem Anfang der 1990er Jahre aus.

Kindesmissbrauch in weltberühmtem Chor

„Die Opfer beschrieben es als die schlimmste Zeit ihres Lebens“

Kindesmissbrauch in weltberühmtem Chor: „Die Opfer beschrieben es als die schlimmste Zeit ihres Lebens“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

RegensburgMindestens 547 Chorknaben der Regensburger Domspatzen sind Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt geworden. Das geht aus dem am Dienstag vorgelegten Abschlussbericht zum Missbrauchsskandal bei dem weltberühmten Chor hervor. Der mit der Aufklärung beauftragte Rechtsanwalt Ulrich Weber gab auch dem früheren Domkapellmeister Georg Ratzinger, dem Bruder des emeritierten Papstes Joseph Ratzinger, eine Mitschuld: Ihm seien „sein Wegschauen, fehlendes Einschreiten trotz Kenntnis vorzuwerfen“.

Vor allem in der Vorschule, aber auch im Gymnasium sei es zu Gewalt gegen Schüler gekommen, sagte Weber. Die Vorfälle körperlicher Gewalt seien mit wenigen Ausnahmen verboten und strafbar gewesen, die sexuellen Übergriffe ohnehin. Die Fälle sind jedoch verjährt und somit strafrechtlich nicht mehr relevant.

Verantwortlich für die Gewalt seien in vielen Fällen der Direktor der Vorschule und sein Präfekt gewesen, sagte Weber. Es müsse aber davon ausgegangen werden, dass nahezu alle Verantwortungsträger bei den Domspatzen zumindest ein Halbwissen über Gewaltvorfälle gehabt hätten. Weber sprach von einer „Kultur des Schweigens“. Der Schutz der Institution habe im Vordergrund gestanden.

Betroffene hätten ihre Schulzeit als „Gefängnis, Hölle und Konzentrationslager“ bezeichnet, sagte Weber. Die physische Gewalt sei alltäglich und brutal gewesen. Viele Opfer schilderten die Jahre als „schlimmste Zeit ihres Lebens, geprägt von Angst, Gewalt und Hilflosigkeit“.

Die Untersuchung umfasst Fälle zwischen 1945 und Anfang der 1990er Jahre. Die Betroffenen sollen mit jeweils bis zu 20 000 Euro entschädigt werden.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×