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27.06.2012

16:58 Uhr

Religionsfreiheit bedroht?

Heftige Kritik an Beschneidungsurteil

Das Kölner Landgericht hat Beschneidungen von Jungen verurteilt. Ein Präzedenzfall mit weitreichenden Folgen. Kritik kommt von Religionsgemeinschaften und der Politik. Sie fragen: Ist die Religionsfreiheit bedroht?

Ein kleiner Junge bei einer Massenbeschneidung in Istanbul. Religionsgemeinschaften befürchten einen „Beschneidungstourismus“ - zum Beispiel in Länder wie die Türkei. dpa

Ein kleiner Junge bei einer Massenbeschneidung in Istanbul. Religionsgemeinschaften befürchten einen „Beschneidungstourismus“ - zum Beispiel in Länder wie die Türkei.

Berlin/StuttgartEingriff in die Religionsfreiheit oder Schutz vor Körperverletzung - das Urteil des Kölner Landgerichts gegen die Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen hat heftige Kritik von Juden, Muslimen und Katholiken ausgelöst. Der Zentralrat der Muslime nannte die Entscheidung „einen eklatanten und unzulässigen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften und in das Elternrecht“. Die Türkische Gemeinde in Deutschland warnte vor einem „Beschneidungstourismus“ in Länder, in denen solche Eingriffe nicht bestraft werden. Nach dem Zentralrat der Juden äußerten am Mittwoch auch andere Juden ihr Unverständnis.

Nach Ansicht der katholischen Deutschen Bischofskonferenz gefährdet das Urteil die Religionsfreiheit der Juden und Muslime in Deutschland. Die Bischofskonferenz kritisierte die Entscheidung als „äußerst befremdlich“ und bezeichnete das Verbot als schwerwiegenden Eingriff in die Religionsfreiheit und das Erziehungsrecht der Eltern. „Es ist auch nicht einsichtig, weshalb die Beschneidung dem Interesse des Kindes zuwiderlaufen soll, später selbst über seine Religionszugehörigkeit zu entscheiden“, erklärte der Vorsitzende der Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum, Bischof Heinrich Mussinghoff.

Volker Beck, Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen im Bundestag. dapd

Volker Beck, Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen im Bundestag.

Der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland (KRM) sagte zu dem Urteil, es sei ein „massiver Eingriff in die Religionsfreiheit und in das Elternrecht“. Das teilte der KRM-Sprecher Ali Kizilkaya am Mittwoch in Köln mit. Er kritisierte vor allem, dass die Entscheidung zu Rechtsunsicherheit führe. Im Koordinationsrat sind die großen muslimischen Verbände in Deutschland zusammengeschlossen.

Der baden-württembergische Landesvorsitzende der Religionsgemeinschaft des Islam, Ali Demir, sagte der Nachrichtenagentur dpa, die Knabenbeschneidung sei „ein harmloser Eingriff“ mit einer tausende Jahre alten Tradition und hohem Symbolwert. Die Entfernung der Vorhaut habe hygienische Vorteile und vermindere die Übertragung von Infektionen.

Das Kölner Gericht hatte einen Arzt, der einen muslimischen Jungen beschnitten hatte, zwar freigesprochen - allerdings mit der Begründung, dass der Mediziner von der Strafbarkeit nichts gewusst habe. Tatsächlich müssten religiöse Beschneidungen als „rechtswidrige Körperverletzung“ betrachtet werden, die das Selbstbestimmungsrecht der Kinder verletzten, urteilte das Landgericht.

Kommentare (8)

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Robert

27.06.2012, 18:02 Uhr

Ein Gott, der sich um Vorhäute kümmert, taugt nichts. Und Religionen, die einen solchen Gott verehren, genauso wenig. Es gibt kein traditionelles Recht auf Verstümmelung wehrloser Kinder. Und eine Institution die daurauf pocht, solches tun zu dürfen, gehört einfach strafrechtlich verfolgt.

Tabu

27.06.2012, 18:12 Uhr

Ist die Religionsfreiheit bedroht.
Die Beschneidung sei Zeichen des unauflöslichen Bundes mit Gott.
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Liegt Religion zwischen den Beinen der Männer..
Hat Gott einen Schniepel..oder ne gestutzte Vorhaut.
Man sollte es wie Christoph Türcke
von der Uni Leipzig ansehen,als heidnisches Menschenopfer
und es unter Selbstverstümmelung ad acta legen und Kinder
mit dem Vodoo der Erwachsenenwelt in Ruhe lassen.

Account gelöscht!

27.06.2012, 18:14 Uhr

Körperliche Verstümmelung bei Mädchen oder Jungen hat doch mit Religionsfreiheit nichts zu tun. Wenn man es ganz nüchtern betrachtet ist es nichts anderes als überliefertes Dummzeug. Körperliche, und wenn man den Jungen auf dem Bild ins Gesicht schaut, auch psychische Unversehrtheit ist zu wahren. Schränkt die Dummgeister, die ewig Gestrigen, in ihrem Tun ein !!

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