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04.01.2007

16:58 Uhr

Renditeprognose

Keine Angst vor steigenden Zinsen

VonRobert Landgraf

Volkswirte und Analysten überzeugten mit ihrer Renditeprognose für das laufende Jahr. Für 2007 hält sich die Angst vor steigenden Zinsen bei ihnen in Grenzen. Beim Euro soll sich im nächsten Jahr gegenüber dem Dollar mit 1,32 Dollar je Euro aus heutiger Sicht wenig ändern.

2006 konnten die in- und ausländischen Banken mit ihrer Zinsprognose überzeugen. Foto: dpa dpa

2006 konnten die in- und ausländischen Banken mit ihrer Zinsprognose überzeugen. Foto: dpa

FRANKFURT. Die bei der großen Kapitalmarktumfrage des Handelsblatts befragten 36 in- und ausländischen Banken und Investmenthäuser erwarten im Durchschnitt keinen Zinssprung, sondern nur einen leichten Anstieg auf 4,05 Prozent. Das entspräche einer Erhöhung um lediglich rund ein Zehntel Prozentpunkt. Immerhin 14 Banken gehen davon aus, dass zehnjährige Bundesanleihen Ende des nächsten Jahres unter vier Prozent notieren werden. Zwei Ausreißer über der Marke von 4,50 Prozent gibt es mit den Prognosen von ABN Amro und der Schweizer Privatbank Pictet. Während die Holländer mit einem Jahresendstand von 5,10 Prozent allein stehen, erwartet Pictet mit 4,80 Prozent immerhin noch einen Anstieg von 0,85 Prozentpunkten.

2006 konnten die in- und ausländischen Banken mit ihrer Zinsprognose überzeugen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe kletterte in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als einen halben Prozentpunkt auf 3,95 Prozent und lag damit nicht allzu weit weg von der Vorhersage von 3,72 Prozent. Damit ist aber zugleich der historische Tiefststand von September 2005 mit 3,00 nicht mehr in Sichtweite. Mit ihren Einzelprognosen schlug sich eine gute Hand voll Institute wie die Bank of America, Credit Suisse, die Dekabank, aber auch Kepler Equities, Merck Finck & Co sowie die NordLB besonders gut. Ihre Schätzungen lagen zwischen 3,80 und 3,90 Prozent zum Jahresende. Mit Extremwerten warteten die Hypo-Vereinsbank (3,00 Prozent) und das Schweizer Bankhaus Pictet (4,40 Prozent) auf und enden damit weitab vom Schuss.

Wie im abgelaufenen Jahr zeigt der grundsätzliche Trend auch 2007 bei den Zinsen nach oben. Die Unsicherheit ist aber groß, wie die Einzelbetrachtung der Prognosen zeigt. Zwar gibt es mit ABN Amro und Pictet zwei sehr pessimistische Vertreter. Auf der anderen Seite zeigen mit Bankhaus Lampe, JP Morgan Chase und der Privatbank MM Warburg sowie der Norddeutschen Landesbank gleich vier Institute große Zuversicht. In allen vier Fällen sehen die Analysten und Volkswirte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen Ende des nächsten Jahres bei 3,50 Prozent und damit deutlich unter dem jetzigen Stand.

ABN Amro als stärkster Pessimist befürchtet weiter steigende Zinsen in Europa. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde die Leitzinsen auf vier Prozent bis Mitte nächsten Jahres erhöhen. Derzeit liegt der Satz bei 3,50 Prozent. In einem derartigen Umfeld, "das durch ein solides Wachstum und schrumpfende freie Kapazitäten geprägt wird, dürften die Zinsen steigen". Das Ergebnis dieses Szenarios sei ein Zehnjahreszins von 5,10 Prozent im Dezember 2007. Nicht ganz so düster sieht die Schweizer Privatbank Pictet die Lage. Allerdings erwartet sie eine günstigere Verfassung der Weltwirtschaft, die langsam den Akzent von Wachstum auf Inflationsgefahren verlagere. Damit rücke die Geldentwertung in den Blickpunkt der Zentralbanken.

Das sehen die Optimisten ganz anders: Für das Bankhaus Lampe spielt die US-Konjunktur die entscheidende Rolle bei ihrer Vorhersage. "Die Dynamik der US-Wirtschaft sollte weiter nachlassen", meint das Institut. In der Folge gehen die Banker davon aus, dass die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihen auf dem jetzigen Niveau verharrt oder noch leicht sinken wird. Von dieser Entwicklung am US-Rentenmarkt könne sich der europäische - trotz eines soliden Umfeldes - nicht abkoppeln. Die Privatbank MM Warburg rechnet mit einem Richtungswechsel in der Geldpolitik der Fed im nächsten Jahr. Und für die Norddeutsche Landesbank sprechen die erwartete schwache Konjunktur in Deutschland und die, abgesehen von der Anhebung der Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte auf 19 Prozent, geringen Inflationsrisiken für eine freundliche Rentenmarktverfassung.

Beim Euro soll sich im nächsten Jahr gegenüber dem Dollar mit 1,32 Dollar je Euro aus heutiger Sicht wenig ändern. Extremwerte für 2007 haben HSBC Trinkaus mit 1,45 Dollar und die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) sowie Bank Julius Bär mit jeweils 1,18 Dollar zu bieten. Für HSBC ist die "nachlassende Zinsstütze für den Dollar ein wesentlicher Treibsatz für die Währungsentwicklung". Das Institut rechnet zum Jahresende mit einem US-Leitzins von vier Prozent, zurzeit steht er bei 5,25 Prozent. Die Zinsen sind zwar auch für die Helaba der Dreh- und Angelpunkt für die Entwicklung. Allerdings rechnet sie in den USA nach einer Verschnaufpause der Fed mit weiteren Zinserhöhungen auf insgesamt 5,75 Prozent. Diese hohe Zinsdifferenz mache bis zum Jahresende einen Anstieg auf 1,18 Dollar wahrscheinlich.

Für Diskussionsstoff sorgt auch das Verhältnis des Dollars zum Yen. Das Bankhaus Julius Bär geht davon aus, dass Dollar-Anlagen gegenüber vergleichbaren in Yen "einen robusten Renditevorteil" genießen. Die Privatbank rechnet deshalb mit einem Kurs von 120 Yen je Dollar, wie das auch Ixis CIB erwartet. Die Franzosen sehen bei einem abgeflachten Wirtschaftswachstum in Japan weiter Geld aus dem Land fließen und sagen deshalb die leichte Abwertung vorher. Die Deutsche Bank sieht den Dollar hingegen bei 98 Yen. In diesem Jahr lagen die Banken mit der Prognose von 112 Yen daneben.

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