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31.08.2012

14:46 Uhr

Republikaner-Parteitag

Clint Eastwoods bizarrer Auftritt

Der 82-jährige Schauspieler hat in Tampa für Mitt Romney geworben. Seine Darbietung brachte die anwesenden Republikaner zum Johlen - und sorgte andernorts für Verstörung. Präsident Obama reagierte prompt.

Wahlkampf mal anders

Clint Eastwoods legendäres Stuhlgespräch

Wahlkampf mal anders: Clint Eastwoods legendäres Stuhlgespräch

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TampaHollywood-Star Clint Eastwood hat mit einer bizarren Schauspieleinlage seine Unterstützung für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney zum Ausdruck gebracht. Der 82-jährige Schauspieler und Regisseur führte auf dem Parteitag der Republikaner in Tampa in Florida am Donnerstagabend (Ortszeit) zur besten Sendezeit ein Gespräch mit einem leeren Stuhl und tat so, als ob dort Präsident Barack Obama sitzen würde.

Während er mit der Darbietung die Republikaner im Tampa Bay Times Forum zum Johlen brachte, wurde diese andernorts mit Verstörung aufgenommen. In einem imaginären Dialog konfrontierte Eastwood Obama mit Versprechen, die dieser nicht gehalten habe. „Halt den Mund“, forderte er den unsichtbaren Präsidenten dabei auf. An einer anderen Stelle nannte er Obama „absolut verrückt“.

Eastwood stellte bei seinem Auftritt Fragen, die enttäuschten Wählern Obamas so auf den Lippen liegen könnten. Die hohe Arbeitslosigkeit nannte er eine „nationale Schande“, außerdem sprach er Obamas Versuch der Schließung des US-Gefangenenlagers Guantanamo auf Kuba sowie den Militäreinsatz in Afghanistan an. Eastwood verabschiedete sich mit einer Zeile aus seinem Film „Dirty Harry“: „Make my day“, sagte der Schauspieler und rief die Wähler damit auf, ihm mit der Abwahl Obamas den Tag zu versüßen.


Das Wahlkampfteam des Präsidenten nahm den Auftritt mit Kopfschütteln auf. „Was zur Hölle ist das?“, fragte Obamas Top-Berater David Axelrod über den Online-Kurznachrichtendienst Twitter. Pressesprecher Ben LaBolt bezeichnete Clintwoods Einlage als surreal. „Alle Anfragen leite ich an Salvador Dalí weiter“, schrieb er dem Online-Magazin „Politico“. Der im Jahr 1989 verstorbene spanische Maler ist einer der bekanntesten Künstler des Surrealismus. Später wurde über Obamas Twitterkonto mitgeteilt: „Dieser Stuhl ist besetzt“. Dazu gab es ein Foto, das Obama auf einem Stuhl im Weißen Haus zeigt.

Aus Romneys Wahlkampfteam hieß es als Reaktion auf die Verwunderung über die dramatische Darbietung, dass eine „amerikanische Ikone“ wie Eastwood nicht durch die „politische Linse“ betrachtet werden könne. Seine „Improvisation“ auf dem Parteitag sei eine Pause von den politischen Reden gewesen - „und den Zuschauern hat es gefallen.“

Hoch her ging es nach dem Auftritt vor allem in sozialen Netzwerken im Internet. Bei Twitter, Facebook und anderen Anbietern wimmelte es nur so von leeren Stühlen aller Art. Zu sehen waren etwa Campingstühle mit Regenschutzdach, Plastikstühle mit lauernden Haustieren davor oder Sessel mit dicken Polstern.

Zu finden waren die Fotos schnell unter dem Suchbegriff „#eastwooding". „Ein verrückter Republikaner, der mit einem leeren Stuhl spricht, ist das kleinste Übel, das ein verrückter Republikaner in den vergangenen Jahrzehnten angerichtet hat", schrieb etwa ein Twitter-Nutzer dazu.

Clint Eastwood und der imaginäre Präsident Barack Obama. Reuters

Clint Eastwood und der imaginäre Präsident Barack Obama.

Viele Hollywood-Stars leihen ihre Popularität im Wahlkampf Obama, Eastwood schlägt sich dagegen als einer der wenigen Prominenten auf die Seite der Konservativen. Vor vier Jahren unterstützte er bereits den gescheiterten republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain. Eastwood hatte sich bereits Anfang des Monats öffentlich für Romney ausgesprochen, der zum Abschluss des Parteitags die Nominierung für die republikanische Kandidatur annahm. Die Präsidentschaftswahl in den USA findet am 6. November statt.

Eastwood spielte in den vergangenen Jahrzehnten in dutzenden Filmen. Bekannt wurde er in den 1960er und 1970er Jahren durch Western wie „Für eine Handvoll Dollar“ und „Zwei glorreiche Halunken“, im Actionfilm „Dirty Harry“ mimte er einen rauen Großstadtpolizisten. Als Regisseur machte sich Eastwood einen Namen mit Filmen wie „Die Brücken am Fluss“ und „Mystic River“. Seine Werke „Million Dollar Baby“ aus dem Jahr 2005 und „Erbarmungslos“ von 1993 wurden mit je zwei Oscars ausgezeichnet.

 

Von

afp

Kommentare (6)

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GIJoe

31.08.2012, 11:16 Uhr

Warum nicht gleich Clint E. als US-Präsident? Er könnte dann den Feinden Amerikas "ordentlich in den Arsch" treten und sie "in die Steinzeit zurück bomben"! Er würde nich viel reden sondern "endlich handeln"! Die Luschen in Washington würde er "feuern" und Amerika würde wieder respektiert werden!! Make my Day, Dirty Harry!

Account gelöscht!

31.08.2012, 12:04 Uhr

Dieses Karo ist so klein, dass man es nur mit einer Lupe sehen kann. – Einfach nur erbärmlich! Oder sollte man besser sagen amerikanisch?

Clint_ist_der_Beste

31.08.2012, 12:35 Uhr

Da haben die Amerikaner uns einiges voraus. Hier werden Politiker in den Medien nicht mit ihren Wahlverprechen und Lügen konfrontiert. Hier helfen die Medien mit, eine korrekte Wortwahl zu finden, damit sich alles nicht mehr so schlimm anhört. Hätten wir in Deutschland mal solche Schauspieler oder Prominente vom Typ Clint Eastwood, dann würden sich unsere Volksvertreter so manche Sachen nicht einfach so rausnehmen. Aber hierzu Lande freut man sich, wenn man eine Werbekampagne für verlogene Politik machen darf. Als Beispiel seien nur die Kampagnen: "Du bist Deutschland" oder die von der USA kopierte Dont-Vote-Kampagne "Geh nicht wählen" oder die aktuelle "Ich will Europa" genannt. Da wird nicht hinterfragt, was die Politik für die Menschen tut. Nein das ist der Prominenz egal, solange es für díe Werbefeldzüge von der Politik mit Steuergeldern entlohnt wird.

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