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08.07.2015

08:12 Uhr

Rettung aus Down Under

Australier will griechischem Rentner helfen

Das Foto des weinenden griechischen Rentners vor einem Bankautomat in Thessaloniki erschütterte das Netz. Und schaffte es bis nach Australien und zu James Koufos. Der will dem Griechen jetzt helfen.

Dieses Bild geht um die Welt: In Thessaloniki bricht der Rentner Giorgos Chatzifotiadis weinend zusammen, weil keine Bank ihm seine Rente auszahlt. AFP

Ein griechischer Rentner verzweifelt

Dieses Bild geht um die Welt: In Thessaloniki bricht der Rentner Giorgos Chatzifotiadis weinend zusammen, weil keine Bank ihm seine Rente auszahlt.

DüsseldorfDas Bild des 77-jährigen Rentners Giorgos Chatzifotiadis bewegt das Netz. Es zeigt ihn, in sich zusammengesunken und weinend, neben einem Bankautomat in der griechischen Stadt Thessaloniki. Der Nachrichtenagentur AFP berichtete er, wie er bereits zuvor bei drei Banken gewesen sei, um für seine kranke Frau wenigstens einen Teil der Rente zu ergattern. Doch fand er sich stets vor verschlossenen Türen wieder. Bei der vierten Bank dann zunächst Hoffnung, aber Geld bekam er trotzdem nicht.

Griechenland: Ein Bild bewegt die Welt

Griechenland

Ein Bild bewegt die Welt

Dieses Foto hat die Netz-Gemeinde erschüttert. Als Rentner Giorgos Chatzifotiadis in Thessaloniki auch in der vierten Bank kein Geld bekommt, bricht er weinend zusammen. Einer Nachrichtenagentur erzählt er seine Geschichte.

Das Bild des weinenden Griechen bewegt das Netz und wurde auch auf der Handelsblatt-Facebookseite disktutiert. Und das Foto schaffte es auch bis ans andere Ende der Welt. Hier lebt James Koufos, griechischstämmiger Australier und CEO und Grüner einer Finanzfirma. Auch er hat das Foto gesehen und erkennt in dem Mann einen alten Schulfreund seines Vaters. Er ist schockiert und möchte helfen: Auf Facebook wendet sich der Finanzmanager an seine Freunde. Man müsse den Mann finden. Seine Firma und er wollen dem Griechen die Rente zahlen – 250 Euro für mindestens 12 Monate.

Schuldenschnitt bis „Grexit“ – wichtige Begriffe in der Schuldenkrise

Griechisches Schuldendrama

Vom Rettungsschirm über den Schuldenschnitt bis zum „Grexit“ – im griechischen Schuldendrama kommen immer wieder schwierige Begriffe vor. Was verbirgt sich dahinter eigentlich?

Hilfsprogramm

Dies bezeichnet aus Sicht der EU-Finanzminister die finanziellen Hilfen plus der von Griechenland versprochenen Sparprogramme und Reformen. Für die Europartner gibt es derzeit nur die Option, das aktuelle Hilfsprogramm inklusive der Sparauflagen zu verlängern.

Kreditprogramm

Die neue griechische Regierung forderte hingegen bislang eine Verlängerung des „Kreditprogramms“. Damit will sie nach Einschätzung der Geldgeber ausdrücken, dass sie das Geld weiter will - aber nicht die Auflagen des Hilfsprogramms.

Anleihe

Staaten brauchen Geld. Weil Steuereinnahmen meist nicht ausreichen, leihen sie sich zusätzlich etwas. Das geschieht am Kapitalmarkt, wo Staaten sogenannte Anleihen an Investoren verkaufen. Eine Anleihe ist also eine Art Schuldschein. Darauf steht, wann der Staat das Geld zurückzahlt und wie viel Zinsen er zahlen muss.

Schuldenschnitt

Manchmal hat ein Staat so viel Schulden, dass er sie nicht zurückzahlen kann und auch das Geld für Zinszahlungen fehlt. Dann versucht er zu erreichen, dass seine Gläubiger auf einen Teil ihres Geldes verzichten. Das nennt man Schuldenschnitt. Dieser schafft finanzielle Spielräume. Allerdings wächst auch das Misstrauen, dem Staat künftig noch einmal Geld zu leihen.

Rettungsschirm

Seit 2010 hatten immer mehr Staaten wegen hoher Schulden das Vertrauen bei Geldgebern verloren. Für sie spannten die Europartner einen Rettungsschirm auf. Er hieß zuerst EFSF, wurde später vom ESM abgelöst. Faktisch handelt es sich um einen Fonds, aus dem klamme Staaten Kredithilfen zu geringen Zinsen bekommen können.

Primärüberschuss

Griechenlands Schuldenberg ist – gemessen an der Wirtschaftsleistung – der höchste in der Eurozone. Das sind nicht nur Altlasten, auch im laufenden Betrieb kommt das Land wegen der hohen Zinsbürde nicht ohne neue Schulden aus. In den Verhandlungen mit den Geldgebern musste Athen aber versprechen, zumindest unter Ausblendung der Zinsen weniger auszugeben als einzunehmen. Das nennt man Primärüberschuss.

Troika

In der Euro-Schuldenkrise wurde der Begriff für das Trio aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission gebraucht. Sie kontrollieren die verlangten Reformfortschritte. Im Euro-Krisenland Griechenland ist die Troika deswegen zum Feindbild geworden. In seinem Schreiben an die Eurogruppe spricht Athen nun von „Institutionen“. Auch die Europartner wollen das Wort „Troika“ nicht mehr verwenden. In offiziellen Dokumenten war ohnehin nie die Rede von der „Troika“.

Grexit

Der Kunstbegriff wurde aus den englischen Worten für Griechenland (Greece) und Ausstieg (Exit) gebildet – gemeint ist ein Ausstieg oder Rauswurf Griechenlands aus der Eurozone. So etwas ist in den EU-Verträgen allerdings gar nicht vorgesehen. Die Idee: Würde Griechenland statt des „harten“ Euro wieder eine „weiche“ Drachme einführen, könnte die griechische Wirtschaft mit einer billigen eigenen Währung im Rücken ihre Produkte viel günstiger anbieten.

Grimbo

Der Begriff „Grimbo“ ist eine Fusion von Greece, also Griechenland und Limbo, zu deutsch Limbus. Limbus kommt aus der katholischen Theologie und bezeichnet die Vorstellung einer Art Vorhof zur Hölle, in dem sich nach dem Tod jene Seelen aufhalten, denen der Zutritt zum Himmel verwehrt wurde, die aber auch nicht in die Hölle gekommen sind. Der Ausdruck steht für etwas, das sich in der quälenden Schwebe befindet. Gemünzt auf Griechenland meint „Grimbo“ ein Szenario, in dem Athen von den Europäern kein Geld bekommt und es auf absehbare Zeit keine Lösung gibt.

Graccident

Der Kunstbegriff wurde aus den englischen Worten für Griechenland (Greece) und Unfall (Accident) gebildet. Das Wort beschreibt die Möglichkeit, dass Griechenland das Geld ausgeht und es deshalb den Euro verlassen muss. Wie groß die Gefahren eines „Graccident“ wären, darüber gehen die Schätzungen auseinander. Wer eher für großzügige Griechenland-Hilfen argumentiert, hält die Gefahren eines „Graccident“ für größer – oder umgekehrt.

Moral Hazard

Moral Hazard ist die englische Bezeichnung für moralisches Wagnis. Gemeint ist die Ausnutzung der Solidarität aus rücksichtslos verfolgtem Eigeninteresse. Würden alle Staaten nur an sich denken, würde zunächst Griechenland (Verbindlichkeiten von knapp 180 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nach OECD-Prognose) einen Schuldenschnitt bekommen. Dann stünde Portugal (140 Prozent des BIP) und dann Italien (150 Prozent des BIP) auf der Matte. Spätestens an diesem Punkt würde die globale Finanzwelt in die Katastrophe stürzen, weil einer der größten Anleihemärkte der Welt implodieren würde.

Der Hilferuf kommt an: Auf der Facebook-Seite von Koufos finden sich zahlreiche Postings, in denen Dank, Zustimmung, aber auch Beteiligung an der Renten-Spendenaktion angekündigt werden – von überall auf der Welt. Und auch die australischen Medien sind auf den Aufruf aufmerksam geworden. Auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht Koufos ein Foto von sich in einem australischem Fernsehstudio.

Und tatsächlich: Rentner Chatzifotiadis wurde gefunden. Seine Mutter, die in Griechenland ist, habe Kontakt mit ihm aufgenommen, berichtet Koufos dem Nachrichtenportal „News.com.au“. Und er werde einen Weg finden, um dem Verzweifelten das Geld zu bringen: Über Freunde, ein Bankkonto oder Geldtransfer, selbst einen internationalen Kurier würde er bezahlen. Hauptsache, das Geld komme an.

Varoufakis-Rücktritt via Twitter: Weltpolitik in 40 Zeichen

Varoufakis-Rücktritt via Twitter

Weltpolitik in 40 Zeichen

Yanis Varoufakis gibt überraschend seinen Rücktritt bekannt – und sorgt damit für Aufregung. Auch weil er seinen Abgang via Twitter inszenierte. Es ist jedoch kein Zufall, dass der Finanzminister diese Plattform wählte.

Der Nachrichtenagentur AFP sagte Koufos, dass er am Samstag nach Athen fliegen will, um Chatzifotiadis später in Thessaloniki zu treffen. Es sei als „Überraschung" gedacht. Er wolle dem Rentner einen „ordentlichen Geldbetrag“ geben.

Außerdem werde Geld gesammelt, um auch andere hilfsbedürftige Griechen zu unterstützen, sagte Koufos. Sie stünden unter anderem in Kontakt mit Zufluchtsorten für Notleidende in Athen und Thessaloniki.

Kommentare (1)

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Herr Valar Morghulis

08.07.2015, 12:47 Uhr

So sieht Menschlichkeit aus liebe Politiker! Ich finde der Artikel gehört dauerhaft auf die Startseite

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