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25.07.2016

09:00 Uhr

Reutlingen

Machetenangriff war offenbar Beziehungstat

Bei einem Messerangriff in Reutlingen ist eine Frau ums Leben gekommen. Der Täter, der das Opfer kannte, verletzte auf der Flucht noch wahllos weitere Menschen. Erst ein Autofahrer konnte ihn stoppen.

Motive noch unklar

Messerangriff in Reutlingen endet in einem Blutbad

Motive noch unklar: Messerangriff in Reutlingen endet in einem Blutbad

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ReutlingenNach dem Machetenangriff mit einer Toten und fünf Verletzten in Reutlingen sollen im Laufe des Tages weitere Zeugen befragt werden. Das sagte ein Polizeisprecher am Montagmorgen. Ob der Täter selbst mittlerweile vernehmungsfähig ist, sagte er nicht. Der 21-Jährige hatte am Sonntag in der Innenstadt von Reutlingen eine 45-Jährige getötet und auf der Flucht fünf Menschen verletzt. Der junge Mann verletzte die Frau tödlich am Kopf, er wurde kurz nach der Bluttat festgenommen. Nach ersten Erkenntnissen kannten sich Täter und Opfer. Die Ermittler gehen von einer Beziehungstat aus.

Inzwischen wurden schreckliche Details der Tat bekannt: Die Frau starb an Kopfwunden, die der junge Mann ihr mit der 30 bis 40 Zentimeter langen Klinge zugefügt hatte. Fünf weitere Menschen - drei mehr als zunächst gemeldet - wurden in der Folge verletzt. Der Mann war auf seiner Flucht mit dem langen Messer in der Innenstadt unterwegs und verbreitete Angst und Schrecken.

Die Arbeit der Polizei konzentriert sich überdies auf die Spurensuche am Tatort, weitere Zeugenvernehmungen und den blutigen Weg des Mannes durch die belebte Innenstadt.

Der mutmaßliche Täter und sein Opfer hatten vor der Bluttat nach Polizeiangaben einen Streit. Dass die beiden sich kannten, sei aus Berichten von Augen- und Ohrenzeugen hervorgegangen. Man gehe von einer Beziehungstat aus. Einen terroristischen Hintergrund hatte die Polizei rasch ausgeschlossen. Reutlingens Oberbürgermeisterin Barbara Bosch (parteilos) äußerte sich „sehr bestürzt und entsetzt“. Sie lobte den schnellen Einsatz von Polizei und Rettungskräften.

Amokläufe in Deutschland

10. Juli 2015: Ansbach

Ein 47-jähriger Mann erschießt bei einer fast zweistündigen Amokfahrt im fränkischen Landkreis Ansbach eine 82-jährige Frau und einen 72 Jahre alten Fahrradfahrer, danach beschießt oder bedroht er weitere Menschen, bevor er an einer Tankstelle gefasst wird. Ein Gutachter bescheinigt bei ihm eine „akute Psychose“.

28. Februar 2014: Düsseldorf/Erkrath

Der 48-jährige Koch Yanqing T. tötet in zwei Anwaltskanzleien in Düsseldorf und dem benachbarten Erkrath zwei Frauen und einen 54-jährigen Anwalt. Dann legt er in den Büroräumen Feuer und fährt zu einer Pizzeria nach Goch an der deutsch-niederländischen Grenze, um seine Ex-Chefin zu töten und deren Restaurant anzuzünden. Er wird überwältigt und sieben Monate später zu lebenslanger Haft verurteilt. Auslöser der Taten war laut Gericht ein Rachefeldzug gegen Anwälte, von denen er sich in einem Rechtsstreit mit seiner Ex-Chefin schlecht vertreten fühlte.

19. September 2010: Lörrach
17. September 2009: Ansbach

17. September 2009: Ein 18-Jähriger dringt mit Molotow-Cocktails, einem Beil und Messern bewaffnet in ein Gymnasium im mittelfränkischen Ansbach ein. Dabei verletzt er 15 Schüler und Lehrer, einige davon schwer. Er wird später wegen versuchten Mordes in 47 Fällen verurteilt.

11. Mai 2009: Sankt Augustin

Ein geplanter Amoklauf einer 16-jährigen Schülerin an einem Gymnasium in Sankt Augustin wird gerade noch vereitelt. Bei der Vorbereitung der Bluttat wird die mit Molotowcocktails, einer Schreckschusswaffe und einem Kurzschwert bewaffnete Jugendliche auf der Schultoilette von einer 17-jährigen Mitschülerin überrascht. Die 16-Jährige attackiert sie mit dem Schwert und verletzt sie schwer. Die Täterin flieht, stellt sich aber später der Polizei.

1. März 2009: Winneden

Bei einem Amoklauf in Baden-Württemberg sterben 16 Menschen. In einer Realschule in Winnenden erschießt der 17-jährige Täter drei Lehrerinnen und neun Schüler, auf der Flucht tötet er drei Passanten, bevor er in einem Schusswechsel mit der Polizei selbst stirbt.

20. November 2006: Emsdetten

Bei einem Amoklauf eines schwer bewaffneten Ex-Schülers einer Realschule in Emsdetten im Münsterland werden insgesamt 37 Menschen verletzt, sechs davon durch Schüsse des Täters. Der 18-Jährige zündet zudem mehrere selbst gebaute Rohrbomben und Rauchkörper, bevor er sich in dem Schulgebäude mit einem Kopfschuss selbst tötet.

26. April 2002: Erfurt

Ein 19-jähriger Amokläufer erschießt 16 Menschen am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt. Zu den Opfern zählen zwölf Lehrer, zwei Schüler, die Schulsekretärin und ein Polizist. Nach der Tat tötet sich der Schütze selbst.

1. November 1999: Bad Reichenhall

Ein 16-Jähriger schießt in Bad Reichenhall aus seinem Elternhaus wahllos auf Passanten. Zwei sind sofort tot, einer stirbt später. Bevor er sich selbst tötet, bringt der Täter auch seine 18-jährige Schwester um. Er hatte die Waffen, aus denen er die tödlichen Schüsse abfeuerte, aus dem Waffenschrank seines Vaters geholt.

Nach Darstellung der Polizei schlug der 21-Jährige auf seiner Flucht mit dem Messer die Scheiben eines Autos ein, in dem sich eine 51-jährige Frau sowie ein 41-jähriger Mann befanden. Bei dem Angriff erlitt die Frau Schnittwunden am Unterarm, der Mann trug einen Schock davon.

Im Anschluss verletzte der mutmaßliche Täter einen 23-jährigen Mann in einer Gaststätte im Gesicht so schwer, dass er ins Krankenhaus kam. Während der Flucht des Täters verletzten sich zwei weitere 54 und 21 Jahre alte Frauen. Die Ältere der beiden musste wegen einer Kopfplatzwunde behandelt werden, die Jüngere erlitt einen Schock. Sie kamen ebenfalls in die Klinik.

Auch der mutmaßliche Täter ist nach einem Zusammenstoß mit einem Auto, der seiner Flucht ein Ende setzte, schwer verletzt worden. Die Polizei berichtete, er müsse intensivmedizinisch betreut werden. „Er ist derzeit nicht vernehmungsfähig und wird von der Polizei bewacht.“ Lebensgefahr bestand laut Aussage eines Polizeisprechers aber nicht. Der Festgenommene ist der Polizei schon wegen mehrerer Körperverletzungen, Drogen- und Eigentumsdelikten bekannt.

Nach den Bluttaten in München und Würzburg schockierte die Tat viele Menschen „Wenn man einen Angriff mit einer Machete mitkriegt, muss man sehr schnell betreut werden“, betonte der Polizeisprecher. Kriseninterventionsteams seien im Einsatz gewesen.

Auf die schriftliche Mitteilung der Polizei, dass es sich bei dem Tatverdächtigen „um einen 21-jährigen Asylbewerber aus Syrien“ handele, reagierten Menschen im Internet mit fremdenfeindlichen Kommentaren. „Für den Tathergang spielt es keine Rolle“, hieß es bei der Polizei. „Aber wir nennen Ross und Reiter.“

Von

dpa

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