Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.04.2016

17:01 Uhr

Revolutionäre Töne aus dem Vatikan

Papst Franziskus und die Liebe

VonRegina Krieger

Der Vatikan veröffentlicht das Schreiben des Papstes zu den Beschlüssen der Familiensynoden – darin sind keine neuen Normen, aber doch eine Öffnung für Geschiedene und „Familien, wie sie sind“.

Papst-Schreiben „Amoris Laetitia“

Das schreibt der Papst zu Scheidung und Homosexualität

Papst-Schreiben „Amoris Laetitia“: Das schreibt der Papst zu Scheidung und Homosexualität

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

RomEs ist der österreichische Kardinal Christoph Schönborn, der die 260 Seiten mit Hunderten von Fußnoten der Apostolischen Exhortation von Papst Franziskus „über die Liebe in der Familie“, „Amoris Laetitia“, einleuchtend zusammenfasst. Und so erklärt, dass sie jeder zeitgenössische Mensch versteht, ob Katholik oder nicht.

„Oft sind die Dokumente der Kirche nicht besonders zugänglich und eine mühevolle Lektüre, das hier aber ist ein toller Text, bellissimo“, sagt der Erzbischof von Wien am Freitagmorgen im bis auf den letzten Platz gefüllten Pressesaal des Vatikans in der Via della Conciliazione kurz vor dem Petersplatz.  Und dann erklärt er die Knackpunkte und die Bedeutung der Exhortation, des päpstlichen Schreibens, so einfach und modern, dass am Ende die Journalisten applaudieren, was sonst an diesem Ort nicht üblich ist.  

Seit Tagen hatte die Weltöffentlichkeit auf Franziskus‘ Antwort auf die beiden Familiensynoden von 2014 und 2015 gewartet. Denn die Kardinäle, Bischöfe und auch Laien hatten zwar nach ihren Tagungen ihre Schlussfolgerungen veröffentlicht und kontroverse Diskussionen zwischen Reformern und Traditionalisten ausgelöst, aber im Vatikan zählt allein das Wort des Papstes. Und deshalb gibt es das nachsynodale Schreiben, das Franziskus schon am 19. März verfasst hatte, das aber erst jetzt veröffentlicht wurde.

Die besten Zitate des Papstes

Zur Familienplanung

„Manche Menschen glauben - entschuldigen Sie den Ausdruck -, dass sich gute Katholiken wie Karnickel vermehren müssen.“

Zum Amt

„Nein, ich wollte nicht Papst werden. Ein Mensch, der Papst werden will, liebt sich nicht selbst.“

Zur Meinungsfreiheit

„Wenn Dr. Gasbarri (der Reiseorganisator des Papstes), mein lieber Freund, meine Mama beleidigt, erwartet ihn ein Faustschlag.“

Zur Kurie

„Die Krankheit der Rivalität und der Eitelkeit. Wenn das Auftreten, die Farbe der Kleidung und die Insignien der Orden das erste Ziel im Leben werden.“

Über Tratsch

„Es ist die Krankheit der feigen Menschen, die nicht den Mut haben, direkt mit jemandem zu sprechen und hinter dem Rücken reden. (...) Brüder, schauen wir auf den Terrorismus des Geschwätzes!“

Über Homosexuelle

„Wenn jemand schwul ist, und er den Herren sucht und guten Willen zeigt, wer bin ich, das zu verurteilen.“

Über das moderne Leben

„Und so vergeuden wir unsere gottgegebenen Geschenke, indem wir uns mit Schnickschnack beschäftigen; wir verschwenden unser Geld für Spiel und Getränke und drehen uns um uns selbst.“

Wie reformfähig zeigt sich die Kirche? Der Umgang mit Geschiedenen, ob Wiederverheiratete zur Kommunion gehen dürfen, die Position der Kirche zu Homosexualität und zu Patchworkfamilien - das sind die Themen, die die Weltkirche, vor allem in Deutschland, sehr emotional diskutiert. Und auf die sie eine Antwort vom Papst erwartet.

Und der schreibt in „Amoris Laetitia“: „Wenn man die zahllosen Varianten der konkreten Situationen ansieht, kann man verstehen, dass man von der Synode oder von diesem Schreiben keine neue gesetzliche Regelung kanonischer Art erwarten darf, die auf alle Fälle anzuwenden ist.“  Viele hätten auf eine neue Norm gehofft, sagt Kardinal Schönborn, „die werden nun enttäuscht sein“.

Papst Franziskus wäscht Flüchtlingen die Füße

Video: Papst Franziskus wäscht Flüchtlingen die Füße

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Das, was möglich sei, sage der Papst ganz klar so: „Es kann nur eine neue Ermutigung zu einer verantwortungsvollen Urteilskraft der einzelnen Personen und der Seelsorger für jeden einzelnen Fall geben.“ Und doch wird es konkret, im Punkt Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene, man muss nur genau hinschauen.

In der Fußnote Nummer 351 steht, dass man „in gewissen Fällen die Hilfe des Sakraments geben kann“, denn, und da zitiert der Papst sich selbst: „Ich erinnere die Priester daran, das der Beichtstuhl keine Folterkammer sein darf, sondern ein Ort der Barmherzigkeit des Herren.“ Das passt zum Jubiläum der Barmherzigkeit, das Papst Franziskus im Dezember ausgerufen hat.  

 

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×