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18.06.2014

19:17 Uhr

Riesending-Höhle

Verletzter Höhlenforscher soll in der Nacht geborgen werden

Der letzte Aufstieg hat es für die Retter im Berg noch einmal in sich: 180 Meter müssen sie den verletzten Höhlenforscher senkrecht nach oben bringen – und zum Schluss warten schwierige, enge und verwinkelte Passagen.

Höhlenforscher und seine Retter: Johann Westhauser ist fast am Ende der Höhle angekommen. ap

Höhlenforscher und seine Retter: Johann Westhauser ist fast am Ende der Höhle angekommen.

BerchtesgadenEs sind wahrscheinlich nur noch Stunden, bis Johann Westhauser nach fast zwei Wochen in Dunkelheit und Kälte wieder Tageslicht sieht. Die Retter mit dem verletzten Höhlenforscher sind auf dem Weg zum Ausstieg. Dann sind die Ärzte dran.

Die Rettung des verletzten Höhlenforschers Johann Westhauser soll noch in der Nacht zum Donnerstag abgeschlossen werden. „Wir gehen von einem Zeitfenster zwischen 22 Uhr und den frühen Morgenstunden aus“, sagte ein Sprecher der Bergwacht Bayern am Mittwochabend.

Die letzte Etappe hat es noch einmal in sich. Etwa 180 Meter geht es senkrecht nach oben. Die Retter müssen die Trage mit dem verunglückten Höhlenforscher Johann Westhauser an Seilen frei schwebend nach oben ziehen. Eine Pause ist an dieser Passage nicht möglich. Und dann kommen auf 200 Metern noch einmal enge und verwinkelte Stellen - dort dürfte es deutlich schwieriger werden, die etwa 100 Kilogramm schwere Trage voranzubringen.

Dutzende Helfer haben den Weg zum Ausgang der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden mit zusätzlichen Haken und neuen Seilen gesichert. Sie haben loses Geröll weggeräumt - aber eine gewisse Gefahr bleibt: „Steinschlag ist und war immer ein Thema“, sagt Bergwachtsprecher Roland Ampenberger. Herabfallende Brocken waren es, die vor fast zwei Wochen am Pfingstsonntag Westhauser am Kopf trafen. Er erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma. Unter normalen Umständen wäre er sofort auf der Intensivstation behandelt worden.

Am Höhlenausgang am Untersberg in 1800 Metern Höhe bereiten sich die Retter auf die Ankunft des Schwerverletzten vor. Hubschrauber stehen bereit. „Die Ärzte warten bereits“, sagt Ampenberger. Eine mobile notfallmedizinische Station ist eingerichtet. Wenn Westhauser ankommt, wird er untersucht. „Je nachdem, wie der Zustand ist, wird entschieden, wie der weitere Transport aussieht“, sagt der Vorsitzende der Bergwacht Bayern, Norbert Heiland.

Höhlenforscher in Gefahr: Eine Chronologie

Unfälle

Höhlenforscher leben gefährlich. Nach Unfällen konnten schon viele von ihnen aus der Tiefe geborgen werden. Manchmal aber kamen die Helfer zu spät.
Quelle: dpa

November 2009

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Nach Tagen in Todesangst werden drei Höhlenforscher in den Pyrenäen aus 700 Metern Tiefe gerettet. Die Forscher hatten nicht mit der Schneeschmelze gerechnet, ein unterirdischer Fluss schnitt ihnen den Rückweg ab. Einer von ihnen verbrachte seinen 31. Geburtstag in der Grotte im Bergmassiv La Pierre Saint-Martin.

Oktober 2010

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August 2013

Bergungstrupps können vier Höhlenforscher in Nordspanien retten, die drei Tage vermisst waren. Die drei Männer und eine Frau im Alter zwischen 32 und 49 Jahren hatten sich in dem System von unterirdischen Gängen verirrt. Als das Quartett nicht zurückkehrte, alarmierte ein Kollege, der draußen gewartet hatte, die Retter.

Juni 2014

In der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden haben Ärzte mit der Versorgung des schwer verletzten Höhlenforschers Johann Westhauser begonnen. In der Nacht zum Donnerstag traf auch der zweite entsandte Arzt, ein Italiener, bei dem verletzten Stuttgarter ein, wie ein Sprecher der Bergwacht Bayern mitteilte. Der Schwerverletzte sei transportfähig, müsse jedoch zuvor behandelt werden.

In welches Krankenhaus Westhauser kommen wird, ist bisher nicht bekannt. Salzburg läge am nächsten. Aber es könnte auch ein Krankenhaus in Süddeutschland sein, in Bayern oder in Baden-Württemberg, wo Westhauser herkommt. „Die Ärzte müssen entscheiden, in welche Klinik er geht“, sagt Ampenberger. „Die wichtigen Kliniken, die infrage kommen, werden darauf eingerichtet sein, dass sie einen weiteren Patienten aufnehmen können.“

Westhausers Zustand sei unverändert stabil, heißt es derzeit nur. Er hat seine Arme in die Ärmel des Schlafsackes gestreckt, damit er sie bewegen kann - und helfen, wenn es um das Bugsieren der Trage geht.

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