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03.01.2011

02:24 Uhr

Robert Duvall

Der Meister der Apokalypse wird 80 Jahre alt

Ein ganz Großer der Traumfabrik Hollywood feiert seinen 80. Geburtstag: Robert Duvall. Mit dem Streifen "Apocalypse Now" begründete er seinen Ruhm - und zu seinen Vorbildern zählte sein kongenialer Filmpartner Marlon Brando.

Die begehrte Oscar-Trophäe bekam auch Robert Duvall im Jahr 1984 Quelle: Reuters

Die begehrte Oscar-Trophäe bekam auch Robert Duvall im Jahr 1984

HB FRANKFURT. Wer das Filmzitat "Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen!" kennt, gehört wahrscheinlich einer reiferen Generation an. Den Urheber des Spruchs kennt er aber vermutlich nicht: Es ist Hollywood-Urgestein Robert Duvall, der in Francis Ford Coppolas Vietnamkriegsspektakel "Apocalypse Now" von 1979 einen durchgeknallten General spielt. Der Schauspieler, der am 5. Januar 80 Jahre alt wird, beherrscht besser als jeder andere die Kunst, hinter seinen Rollen zu verschwinden.

In Konkurrenz zu Al Pacino und Robert De Niro, mit denen er in den 70ern in Coppolas ersten beiden "Der Pate"-Filmen vor der Kamera stand, wird Duvall als "größter Schauspieler seiner Generation" bezeichnet. Auf sich aufmerksam machte er bereits mit seinem Kinodebüt 1962 "Wen die Nachtigall stört" in der Rolle des schwachsinnigen Boo Radley. Weil ihm früh die Haare ausfielen, wurde er als "Charakterkopf" gebucht. Bis heute ist Duvall, angefangen von "Bullitt" 1968 bis zum letzten Oscar-Gewinner "Crazy Heart" 2009 ununterbrochen als raumgreifender Nebendarsteller präsent - und dennoch fast ein Unbekannter.

Dabei teilte er einst die legendäre WG mit Gene Hackman und Dustin Hoffman. Die drei galten als die Gesichter der "New Hollywood"-Ära, in der innovative Regisseure mit authentizitätsbeflissenen Dramen das überkommene Studiosystem der Traumfabrik umkrempelten. Duvall, der zuvor oft den Westernschurken spielte, gelang der Übergang zu Gangster- und Cop-Rollen mit Hang zum Wahnsinn, etwa in "Wie ein Panther in der Nacht", "Der Adler ist gelandet" oder Sam Pekinpahs "Die Killer-Elite". Neben Coppola war sein Lieblingsregisseur Robert Altman, mit dem er die Militärsatire "M.A.S.H" drehte und 1998 in "Gingerbread Man" seine Boo-Radley-Rolle zitierte.

Ich habe immer wieder Machos gespielt, in Polizei-Uniformen oder Blue Jeans", sagt Duvall, der aus einer Südstaaten- und Offiziersfamilie stammt, die ihre Ahnenreihe bis zu George Washington zurückverfolgt. Entgegen landläufiger Vorurteile aber musste Duvall, für den eine Militärkarriere vorgesehen war, seine unsolide Berufswahl nicht gegen seinem Vater, einen Admiral, durchsetzen. Dieser nämlich zwang seinen rastlosen Filius dazu, Schauspielkurse zu besuchen, um dessen Energie zu bändigen. Die Therapie schlug nur zu gut an: "Da war es dann sehr schnell um mich geschehen. Ich wusste plötzlich, dass ich eine Gabe hatte."

In späteren Jahren erspielte sich "Don Cool" eine Aura von Unbeugsamkeit und abgründigem Galgenhumor. Sein Gott ist Marlon Brando, doch anders als das 2004 verstorbene Idol hat Duvall nie Fett angesetzt.

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