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12.08.2014

21:18 Uhr

Robin Williams ist tot

„Er war Doktor, Flaschengeist, Peter Pan und alles dazwischen“

VonAxel Postinett

Robin Williams war einer der wenigen, die Millionen Menschen zum Lachen und zum Nachdenken bringen konnten. Nun trauert die Welt um den Oscar-prämierten US-Komiker.

Los Angeles/San Francisco„Gooooooooooood morning Vietnam!“ Ein rebellischer Radiomoderator im kriegserschütterten Saigon, der ewige Junge Peter Pan, die rustikale Miss Doubtfire oder ein gewiefter, inspirierender Englischlehrer im „Club der toten Dichter“: Robin Williams war alles und jeder kannte ihn. Nur wenige, deren Herz er nicht erreicht oder die er mit seinen Späßen nicht irgendwann zu Tränen gerührt hat. Jetzt ist der Oscar-prämierte Schauspieler und Komödiant einer ganzen Generation tot.

Er wurde am Montagmorgen (Ortszeit) in seinem Haus in Tiburon an der Bucht von San Francisco tot aufgefunden, teilte die Polizei mit. Sie geht von einem Selbstmord aus, der Schauspieler sei erstickt. Die toxikologischen Untersuchungen dauerten noch an, aber klar sei, dass sich der Schauspieler erhängt habe. Williams wurde 63 Jahre alt und hatte nach Aussagen eines Sprechers zuletzt an schweren Depressionen gelitten.

Hollywood steht unter Schock. Erst im Februar war Philip Seymour Hoffmann, einer der größten Hollywood-Stars seiner Generation, nach einer Überdosis Drogen tot in seinem Appartement in New York aufgefunden worden.

Williams musste mehr als einmal einen Alkohol- und Drogenentzug hinter sich bringen, galt aber derzeit nicht als rückfällig.

Eine Obduktion ist für Dienstag vorgesehen

Robin Williams' Frau, Susan Schneider, mit der er seit 2011 verheiratet war, erklärte in einer Mitteilung, sie habe ihren „Ehemann und meinen besten Freund verloren“. Sie bat im Namen der Familie um Zurückhaltung während der Trauer. Sie hoffe, dass sich die Erinnerung an ihn nicht auf seinen Tod konzentrieren werde, sondern auf die „zahllosen Momente des Lachens und der Freude, die er Millionen Menschen gebracht hat.“

Neben seiner Frau Susan hinterlässt Williams drei Kinder: Seine 25 Jahre alte Tochter Zelda und die 31 und 19 Jahre alten Söhne Zachary und Cody. Williams' Repräsentant Mara Buxbaum bestätigte die Nachricht. Sein Tod sei ein tragischer Verlust.

Robin Williams größte Auftritte

Energiegeladener Comedystar

Im Laufe seiner schillernden Karriere spielte Robin Williams viele unterschiedliche Rollen. Mag das Energiebündel wohl vor allem als schnell sprechender Comedystar bekannt sein, wusste er aber auch mit ernsteren - und bisweilen auch unheimlichen - Stoffen zu überzeugen. Ein Überblick über die acht prägendsten Rollen des wandlungsfähigen Williams.

„Good will Hunting“ (1997)

Eine seltene, aber willkommene ernste Rolle für Williams: Er spielt den hartnäckigen, aber einfühlsamen Therapeuten Sean Maguire, der es schafft, dem auf die schiefe Bahn geratenen Mathegenie Will Hunting (verkörpert von Matt Damon) bei der Lebensbewältigung zu helfen. Die Rolle brachte ihm einen Oscar als bester Nebendarsteller ein.

„Mrs Doubtfire“ (1991)

Wer konnte den linkischen Vater nicht mögen, der sich mit Hilfe einer Latexmaske und einer Perücke als korpulentes Kindermädchen verkauft, um bei seinen kleinen Kindern sein zu können? Eine Fortsetzung des Films war in Planung.

„Good Morning Vietnam“ (1987)

Williams Schnellsprecherei war perfekt für die Rolle des Radiomoderators Adrian Cronauer, der während des Vietnamkriegs bei einem US-Militärsender in Saigon arbeitet. Die Rolle brachte ihm seine erste Oscar-Nominierung ein.

„Der Club der toten Dichter“ (1989)

In dem Drama verkörpert Williams einen unangepassten Lehrer, der Zöglingen an einer Internatsschule beibringt, eigenständig zu denken und „den Tag zu nutzen“. Die Rolle bescherte ihm seine zweite Oscar-Nominierung.

„One hour Photo“ (2002)

Eine weitere ernste Rolle, und dazu eine umheimliche: Williams spielt einen Foto-Entwickler einer großen Supermarkt-Filiale, der sich etwas zu sehr in das Leben seiner Kunden einmischt, als er feststellt, dass einer von ihnen eine Affäre hat.

„König der Fischer“ (1991)

Williams gibt einen halbverrückten Obdachlosen. Der ist felsenfest davon überzeugt, dass der Heilige Gral sich im Heim eines Milliardärs in der New Yorker Fifth Avenue befindet.

„Mork vom Ork“ (1978 - 1982)

Die TV-Sitcom war für viele die erste Begegnung mit der Williams eigenen Verschrobenheit. In der Show spielt er einen Außerirdischen.

„Moskau in New York“ (1984)

Williams spielt in der Komödie den russischen Zirkus-Saxofonisten Wladimir, der sich während einer Tour in New York einfach absetzt.

Um 11.55 Uhr pazifischer Zeit erreichte die Polizei in Marin County ein Notruf aus dem Haus des Schauspielers über einen leblosen Mann, der ohne Atmung sei. Um zwei Minuten nach 12 Uhr wurde Williams vom Notarzt für tot erklärt. Noch um 10 Uhr, geht aus der Stellungnahme der Polizei hervor, sei er lebend im Haus gesehen worden. Eine Obduktion sei für Dienstag vorgesehen, um die Todesursache endgültig festzustellen.

Seit die Nachricht über seinen Tod bekannt wurde, werden Trauerbekundungen auf seinem Stern auf Hollywoods Walk of Fame hinterlassen, gehen auf sozialen Netzwerken Beileidkundgebungen ein und Nachrichten des blanken Entsetzens. Viele fassen es nicht, dass einer der begnadetsten Komiker seiner Zeit so tragisch enden musste. „Er war Pilot, Doktor, Flaschengeist, Babysitter, Präsident, Professor, ein ‚bangarang‘ Peter Pan und alles dazwischen“, so US-Präsident Barack Obama in einem Statement. Die Obama-Familie übermittle ihr herzlichstes Beileid an Familie und Freunde des Schauspielers.

„Wir betrauern den Verlust unseres Freundes Robin Williams, der uns immer zum Lachen gebracht hat“, heißt es auf Twitter vom Team der Sesame Street. Der freundliche Spaßmacher Williams war gern gesehener Gast bei der Sendung für Kinder und junggebliebene Erwachsene. „Wir werden dich vermissen“, schreibt das Team des lokalen Football-Clubs, der San Francisco 49, deren größter Fan Williams war.

Kommentare (2)

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Frau Baur- Warendorf

12.08.2014, 09:51 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Moritz J. Mueller

12.08.2014, 11:31 Uhr

Man sah ihm an dass er ein gequälter Geist war, der nach Antworten suchte. Sein Drogenkonsum hat ihn sicherlich nicht dabei geholfen diese zu finden...

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