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05.06.2016

13:07 Uhr

„Rock am Ring“

Musikfestival kapituliert vor den Unwettern

Schwere Gewitter machen dem Musikfestival „Rock am Ring“ den Garaus. Zehntausende Fans treten vorzeitig den Heimweg an. In Bayern setzen Blitze zwei Häuser in Flammen, Bonn bildet einen Krisenstab.

Erneute Unwetterwarnung

80 Verletzte: Rock am Ring abgebrochen

Erneute Unwetterwarnung: 80 Verletzte: Rock am Ring abgebrochen

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MendigNach Unwettern und Blitzeinschlägen mit mehr als 80 Verletzten ist in der Eifel das Festival „Rock am Ring“ abgebrochen worden. Die Verbandsgemeinde Mendig in Rheinland-Pfalz entzog die Genehmigung für die Fortsetzung der Veranstaltung mit rund 90.000 Besuchern. In Bayern erklärte das Landratsamt Weilheim-Schongau am Sonntagmorgen für ein Hochwasser-Gebiet rund um Polling den Katastrophenfall. In Bayern setzten Blitze auch zwei Häuser in Brand. Die Stadt Bonn richtete einen Krisenstab ein, nachdem am Samstagabend Bäche über die Ufer getreten, Keller vollgelaufen und Straßen überflutet worden waren.

Bei „Rock am Ring“ auf völlig verschlammtem Gelände hatte es am Samstagabend nach zwischenzeitlicher Unterbrechung noch einmal ein Konzert auf zwei Bühnen gegeben. Dabei jubelten Zehntausende Rock-Fans der US-Band Red Hot Chili Peppers zu. Zwei Stunden nach Mitternacht trat auch noch die Berliner Rockband The BossHoss auf. Am Samstagvormittag machten sich die Besucher auf den Heimweg. Bis 12 Uhr sollten sie auf Anordnung der Behörden auch die Campingplätze geräumt haben, da gegen 13 Uhr neue Gewitter vorhergesagt waren.

Unwetter beim Musikfestival: Bis zu 82 Verletzte nach Blitzeinschlag bei „Rock am Ring“

Unwetter beim Musikfestival

Bis zu 82 Verletzte nach Blitzeinschlag bei „Rock am Ring“

Nicht zum ersten Mal wird das Festival „Rock am Ring“ in der Eifel von Blitzen heimgesucht: Dutzende Menschen werden verletzt. In Süddeutschland gehen die Aufräumarbeiten weiter. Die Wetteraussichten bleiben schlecht.

In der oberbayerischen Gemeinde Polling gab es am Sonntag großflächige Überschwemmungen, Straßen seien überflutet, Keller vollgelaufen, hieß es von den Behörden. Teilweise stehe das Wasser kniehoch in den Straßen. Im unterfränkischen Steinmark fuhr ein Blitz in ein Wohnhaus und entfachte einen Brand. Vier Bewohner wurden bei der Flucht aus dem Gebäude leicht verletzt, auch ein Feuerwehrmann wurde beim Löschen leicht verletzt. Bei einem Wohnhausbrand nach Blitzeinschlag im niederbayerischen Kurort Bad Abbach entstand dagegen nur Sachschaden.

Im niederbayerischen Krisengebiet um Simbach am Inn blieb es Sonntag zunächst vergleichsweise ruhig. Die Gewitter waren diesmal dort vorbeigezogen, die Aufräumarbeiten gingen weiter. In den Hochwassergebieten in Niederbayern, wo die Flutwelle sieben Tote gefordert und nach Schätzungen des Landratsamtes mehr als eine Milliarde Euro Schaden verursacht hat, soll jetzt auch die Bundeswehr vermehrt helfen. „Es sind Truppen angefordert. Wir erwarten für Sonntag oder Montag etwa 100 Mann“, sagte der Sprecher des Landratsamtes Rottal-Inn, Robert Kubitschek.

Krise, Katastrophe, Katastrophenalarm – wann gilt was?

Begriffserklärung

Die Begriffe Krisen und Katastrophen nach verheerenden Unwettern oder anderen Notsituationen werden in der öffentlichen Wahrnehmung oft gleichgesetzt. Eine Begriffserklärung.

Krise

Im Bevölkerungsschutz und der Katastrophenhilfe wird mit dem Begriff Krise eine Lage bezeichnet, bei der Sachschäden drohen oder bereits entstanden sind, und Hilfsorganisationen wie die Feuerwehr diese Lage nicht mehr allein bewältigen können. Eine Krisenlage kann durch Naturereignisse (Stürme, Starkniederschläge, Hochwasser, Waldbrände, Epidemien) ausgelöst werden oder zivilisatorische Ursachen haben – diese reichen von technischem Versagen oder Fahrlässigkeit bei Unfällen und Havarien bis zu Terroranschlägen.

Katastrophe

Sind Gesundheit oder Leben vieler Menschen, deren natürliche Lebensgrundlagen und bedeutende Sachwerte in ungewöhnlichem Ausmaß bedroht, sprechen die Behörden von einer Katastrophe. Für die Bewältigung dieses „Großschadensereignisses“ reichen die normalen technischen und finanziellen Mittel oder rechtlichen Befugnisse der betroffenen Gemeinden oder Kreise nicht aus. Zudem erfordert die Abwehr und Bekämpfung die einheitliche Leitung durch die zuständige (Katastrophenschutz-)Behörde.

Katastrophenalarm

Ein Katastrophenalarm (Katal) wird ausgelöst, wenn ein Notfall die besondere Koordination der Hilfskräfte verlangt beziehungsweise für dessen Bewältigung die technischen und finanziellen Mittel oder rechtlichen Befugnisse der normalerweise zuständigen Gemeinden nicht ausreichen. Die Bewältigung von Katastrophen und das Krisenmanagement liegen in Deutschland grundsätzlich in der Verantwortung der 16 Bundesländer. Der Katastrophenfall wird demzufolge entsprechend dem Katastrophenschutzgesetz des jeweiligen Landes festgestellt. Dies war auch im niederrheinischen Hamminkeln der Fall, wo ein Dammbruch am Fluss Issel befürchtet wurde.

In Schwäbisch Gmünd, wo es vor knapp einer Woche zur Katastrophe gekommen war, sagte ein Stadtsprecher am Sonntag, es gebe eine enorme Spendenbereitschaft. Mittlerweile liege die Summe im fünfstelligen Bereich. Der Oberbürgermeister erhalte spontane Zuwendungen auf der Straße. Leute steckten ihm sogar 100-Euro-Scheine für Betroffene zu. Eine konkrete Spendensumme will der Landkreis am Montag bekanntgeben.

Auch für Einwohner und freiwillige Helfer in Braunsbach - ebenfalls in Baden-Württemberg - ging der Wiederaufbau weiter. Das Dorf, durch das vor rund einer Woche eine Welle aus Schlamm und Flusswasser rauschte, war am Wochenende nach Behördenangaben mit Tausenden Sandsäcken gesichert. Baumaschinen räumten Schutt und Geröll von den Straßen.

Am Sonntag war laut DWD weiter mit lokalen Unwettern zu rechnen.

Von

dpa

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