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04.05.2014

13:52 Uhr

Rolf Deyhle stirbt mit 75

Letzter Vorhang für den Musical-König

Musical-König, Medienmogul, Multiplex-Zar, Milliardär und Mäzen für Kunst und Sport: Der Stuttgarter Rolf Deyhle stand für schwergewichtige Begriffe. Am Freitag starb er im Alter von 75 Jahren.

Unternehmer Rolf Deyhle mit Kopien der Fifa-Trophäen Fair Play und Weltpokal, die er als Anerkennung für seine Verdienste um den Weltfußball erhielt. dpa

Unternehmer Rolf Deyhle mit Kopien der Fifa-Trophäen Fair Play und Weltpokal, die er als Anerkennung für seine Verdienste um den Weltfußball erhielt.

Stuttgart„Cats“, „Phantom der Oper“ und Co. - der Name Rolf Deyhle ist untrennbar mit dem Musical-Boom Ende der 1980er Jahre in Deutschland verbunden. Der umtriebige Schwabe zeichnete auch für die weltweite Fußballvermarktung verantwortlich. Er hat Kunst gesammelt, Kinofilme produziert und Deutschland mit Multiplex-Kinos übersät. „Visionärer Unternehmer“ nannte er sich selbst. Am Freitag starb er im Alter von 75 Jahren, wie seine Unternehmensgruppe am Sonntag bestätigte.
Sein Büro hatte der Multiunternehmer noch lange am Ort seiner glanzvollen Zeit, 17 Stockwerke über Stuttgarts Musical-Theatern. Sein Vermögen wurde in den 1990er Jahren auf vier Milliarden Mark (rund zwei Milliarden Euro) geschätzt.

Deyhle ist längst raus aus diesem Musical-Geschäft, stand aber noch als Berater parat. „Das ist mein Kind“, sagte der gebürtige Stuttgarter, der sich gern im offenen Hemd mit Edelsteinketten zeigte. Mit ihnen dokumentierte er auch seine Verbindung zum Buddhismus und zu Shaolin-Mönchen.

Stage Entertainment hieß noch Stella, als Deyhle Ende der 80er ins Musicalgeschäft einstieg. Für „Cats“, „Phantom der Oper“ oder „Miss Saigon“ hatte Stella die Deutschlandlizenzen und so das Monopol auf den Boom. Doch dann kam die Übersättigung. Stella geriet ins Trudeln - und fiel. Die Finanzmisere der kunstvoll verschachtelten Deyhle-Gruppe wurde offenkundig. Die Insolvenz erreichte Stella aber erst, als Deyhle schon ausgestiegen war.

Die erste Million mit Immobilien

Die Bühnen ließen ihn trotz dieses Rückschlags nie los. Den Stoff für seine Shows oder Show-Ideen lieferten Ben Hur oder die Shaolin-Mönche. In Stuttgart kämpfte er für das Überleben seines Varietés.
Rolf Deyhles Karriere begann als Steuerbeamter in der Stuttgarter Finanzverwaltung.

Mit 24 machte er sich selbstständig, stieg ins Immobiliengeschäft ein und verdiente seine erste Million. Später baute der SPD-Mann Golfplätze, Jachthäfen und Sporthotels, produzierte Kinofilme wie „JFK“ mit Kevin Costner oder „Die unendliche Geschichte“.
1977 entwickelte er das bis heute gültige Emblem des Welt-Fußballbundes FIFA - und wurde zum Pionier der weltweiten Fußballvermarktung. Wo auch immer FIFA-Symbole auftauchen, verdiente der Schwabe mit. Von 1978 bis zur Fußball-WM 1994 in den USA war Deyhle der Inhaber sämtlicher weltweiter Exklusivrechte. Er selbst nahm deshalb für sich in Anspruch, der „kommerzielle Aufbau des gesamten Weltsports“ sei auch seine Leistung.
Als Anerkennung dafür durfte er als einziger Privatmann einen Fifa-Weltpokal sein Eigen nennen. In den Stadien der Welt war er ein gern gesehener Gast. Das Unternehmertum sei für Deyhle bis zuletzt ein Lebenselixier gewesen, schrieb seine Unternehmensgruppe. Deyhle hinterlässt eine Familie mit sechs Kindern.

Von

dpa

Kommentare (1)

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06.05.2014, 10:24 Uhr

In dem Artikel wird der Verstorbene als Pionier des Musicalbooms in Deutschland bezeichnet. Tatsächlich wurde der Boom in Deutschland mit der Premiere von "Cats" in Hamburg im April 86 ausgelöst, mit der Deyhle nichts zu tun hatte. Deyhle holte in den 80ern weder ein Musical nach Deutschland noch war er Auslöser des Booms. Er erkannte rechtzeitig die finanziellen Chancen, die sich ergeben können und übernahm mit Stella, die weltweit effektivste Musicalproduktionsfirma. Produzent des Musicals "Cats" war Friedrich Kurz mit der Stella Theater Produktionsgesellschaft mbH, die 1985 für "Cats" in Hamburg gegründet wurde. Alleiniger Gesellschafter war Friedrich Kurz, Geschäftsführer Bernhard Kurz. Der damals in London ansässige und von den Medien als "Fritz the Cat" bezeichnete Friedrich Kurz war mit Andrew Lloyd-Webber befreundet und hielt für Deutschland die Musicallizenzen für "Cats", "Starlight Express" & "Das Phantom der Oper". Auf Initiative von Kurz baute Bochum für "Starlight Express" eigens ein Theater. Produzent war ebenfalls Friedrich Kurz, Produktionsgesellschaft war die Stella Musical GmbH, Geschäftsführer Bernhard Kurz. Premiere von "Starlight Express" war im Juni 1988. Bereits 1987 begannen die Vorbereitungen für „Phantom der Oper“ in Hamburg. Zu einer ersten Begegnung Kurz/Deyhle kam es erst im Sommer 1988 - sechs Wochen nach der Deutschland-Premiere von "Starlight Express". Kurz konnte Deyhle als Investor für "Starlight Express" und " Phantom der Oper" gewinnen. Als Gegenleistung bot Kurz Deyhle eine Beteiligung als Gesellschafter bei "Starlight Express" & "Das Phantom der Oper" an. Erst 1990 wurde Deyhle finanziell an "Cats" beteiligt. 1990 kam es zu Auseinandersetzungen, die dazu führten, dass Kurz sämtliche Firmenanteile an diesen Musicals 1991 an Deyhle veräußerte. Vertraglich sicherte Deyhle zu, "F. Kurz für die Musicals "Cats", "Starlight Express" & " Phantom der Oper" weiterhin im Programmheft als Produzent der deutschen Originalproduktion nennen.

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