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26.08.2016

07:27 Uhr

Rollentausch

Mein Tag als Zugbegleiter im ICE

VonNoah Gottschalk

Echt abgefahren: Zugbegleiter machen viel mehr als nur Fahrkarten knipsen. Handelsblatt-Reporter Noah Gottschalk von unserem Jugendportal Orange schlüpft einen Tag lang in die Bahn-Uniform. Einsteigen bitte!

Berufe-Check Deutsche Bahn

Mehr als nur Fahrkarten knipsen! Ein Tag als Zugbegleiter

Berufe-Check Deutsche Bahn: Mehr als nur Fahrkarten knipsen! Ein Tag als Zugbegleiter

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KölnSie sind die Sündenböcke der Fahrgäste: Hat ein Zug Verspätung, kriegen Zugbegleiter den Ärger ab. Ihr Image könnte besser sein: Mies gelaunt kontrollieren sie Fahrscheine und kassieren Zuschläge – so das Vorurteil. Ist das wirklich so?

Oder kann dieser Beruf auch glücklich machen? Ich wollte genau das erfahren und war einen Tag lang selbst Zugbegleiter im ICE - als Praktikant bei der Deutschen Bahn.

Ich spüre die Blicke der Reisenden

Treffpunkt neun Uhr morgens. In einem einfachen Büro im Kölner Hauptbahnhof lerne ich Sami Chaouch kennen. Der 32-Jährige ist seit zehn Jahren im Zugbegleitdienst tätig, wie es im Bahn-Jargon heißt. „Ich liebe meinen Job einfach, jeden Tag gibt es etwas neues zu tun, spannende Herausforderungen warten“, sagt er auf dem Weg zum Bahnsteig. Was meint er damit? Ich werde es herausfinden.

Die Ärgernisse bei der Deutschen Bahn

Pünktlichkeit

Jeder vierte Fernzug fährt heute mindestens sechs Minuten zu spät in den Bahnhof und ist damit nach Konzerndefinition verspätet. 2016 soll die Quote der pünktlichen Züge von 74 auf 80 Prozent steigen, langfristig auf 85 Prozent - was einen Kraftakt erfordert. 30 000 von 70 000 Weichen sollen Sensoren erhalten, die vor Störungen warnen - denn diese sind oft für Verspätungen verantwortlich. Störungen sind häufig auch die Ursache, wenn Züge in umgekehrter Wagenreihung ankommen - wenn sie umgeleitet werden und aus anderer Richtung in die Bahnhöfe kommen.

Verschwindende Züge

Jeder Kunde kennt das: Kommt sein Zug zu spät und ein anderer fährt vorher auf dem Gleis ein, verschwindet der eigene Zug von der Anzeigetafel. Gibt es dann einen Gleiswechsel und Bremslärm übertönt die Durchsage, wartet man vielleicht sogar vergeblich. Lösung: Die Tafeln sollen die nächsten drei Züge anzeigen. 10 000 Anzeigetafeln sollen dafür im nächsten Jahr umprogrammiert werden. Grubes Ziel: „Die größten Ärgernisse über falsche und verspätete Informationen werden 2016 abgestellt.“

Gesperrte Toiletten

Auch das gibt es immer wieder: Das Wasser geht aus, Bordtoiletten müssen gesperrt werden. Hier soll die Instandhaltung besser werden. Noch geht morgens jeder zweite Fernzug mit einem Mangel ins Netz, die Toiletten sind nur ein Beispiel. Ein mobiler Service soll dafür sorgen, dass die Zugflotte immer zu 100 Prozent intakt ist.

Service im Zug

Die Zugbegleiter sollen sich wieder mehr um die Kunden kümmern. Zusatzaufgaben, wie Fahrgäste zu zählen, fallen weg. Dafür gibt es Überlegungen für eine Art Am-Platz-Service in der zweiten Klasse, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Mittwoch) berichtet. So etwas gibt es bisher nur in der ersten, wo etwa Speisen und Getränke gebracht werden. Die harte Fernverkehrswettbewerb mit Billigfliegern und Fernbussen hat die Bahn gelehrt, dass sie an der Qualität arbeiten muss. Grube hofft auf „Leistung, die begeistert“.

WLan

Seit einem Jahr ist der drahtlose Internetzugang in der ersten Klasse des ICE inklusive, die zweite Klasse soll möglichst noch nächstes Jahr folgen. Bis zum Sommer dauert es aber mindestens noch, bis die Technik in den Zügen ist. Zudem soll es WLAN im ganzen Zug nur geben, wenn es für alle Passagiere in guter Qualität verfügbar ist.

Preissystem

Vielen Kunden halten es für schwer zu durchschauen, gar willkürlich, wie jetzt eine Umfrage ergab. Nur noch jeder zehnte Reisende zahlt nach Bahnangaben den Normalpreis ohne Rabatt. Der neue Personenverkehrschef Berthold Huber geht verstärkt mit 19-Euro-Tickets ins Rennen mit der Konkurrenz auf der Straße und in der Luft, macht die Bahn damit billiger. Eine „Riesen-Preisreform“ hat er jedoch ausgeschlossen. In der Konzernzentrale erinnert man noch sich gut an das Jahr 2002, als man ein neues Preissystem nach einem halben Jahr zurücknehmen musste.

Die Bilanz...

...ist eine der größten Baustellen. In diesem Jahr wird es wohl erstmals nach über einem Jahrzehnt tiefrote Zahlen geben. Mehr Qualität soll mehr Kunden und dann auch wieder mehr Erfolg bringen, so der Dreiklang für Grubes Umbaupläne. Bis dahin kostet der Umbau erstmal Geld, 700 Millionen Euro in diesem Jahr. Zudem werden 1,3 Milliarden Euro bei der Gütersparte abgeschrieben, was zusammen mit einer Dividenden-Zahlung an den Bund das Ergebnis um mehr als eine Milliarde Euro ins Minus drückt - trotz eines Rekordumsatzes von gut 40 Milliarden Euro und eines Gewinns (Ebit) von voraussichtlich 1,75 Milliarden Euro im laufenden Geschäft.

Am Gleis angekommen, legt Sami mir die rote DB-Krawatte um und steckt mir ein kleines Namensschild an mein Jackett. Sofort spüre ich die Blicke der Reisenden auf dem Bahnsteig. Oder bilde ich mir das nur ein?

Reporter Noah Gottschalk, Silvia Willert und Sami Chaouch (r.) am Bahnhof in Hamm. Noah Gottschalk

Das ICE-Team in Hamm

Reporter Noah Gottschalk, Silvia Willert und Sami Chaouch (r.) am Bahnhof in Hamm.

Sami kennt das Gefühl. „Ich weiß noch genau wie das war, als ich das erste Mal meine Uniform angezogen habe. Man ist als Mitarbeiter der Bahn zu erkennen und wird angesprochen.“ Am Anfang sei das noch komisch gewesen, erzählt er, „denn ich hatte auf viele Fragen keine Antwort parat.“ Heute ist er glücklich und stolz auf seinen Job.

Mit "Chance Plus" in die Ausbildung

Sami ist über ein ganz besonderes Projekt zur Bahn gekommen: "Chance Plus" gibt jungen Menschen, die auf dem Papier keine großen Qualifikationen haben, eine Chance. Im Rahmen eines langen Praktikums dürfen sie sich beweisen, können zeigen, was sie drauf haben. Wenn es gut läuft, bekommen sie danach einen Ausbildungsvertrag und später eine Festanstellung.

Kommentare (1)

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26.08.2016, 15:37 Uhr

ROLLENTAUSCH
Mein Tag als Zugbegleiter im ICE
von:
Noah Gottschalk
Datum:
26.08.2016 07:27 Uhr
Echt abgefahren: Zugbegleiter machen viel mehr als nur Fahrkarten knipsen. Handelsblatt-Reporter Noah Gottschalk von unserem Jugendportal Orange schlüpft einen Tag lang in die Bahn-Uniform. Einsteigen bitte!


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SOLLTEN diese EU-POLITIKER aus BRÜSSEL auch mal machen...

aber dann würden die endlich die Realität beim Europäischen Volk erfahren...

wie die menschen Europa-Weit sich über diese EU beklagen und mittlerweile sogar Europa Hassen !

Und es sind Europäer die Europa wegen denen in Brüssel schon hassen, es sind keine Flüchtlinge und keine terroristen !


Hallo brüssel...fahrt mal ein Tag Bahn...aber dann benötigt Ihr richtig Security für euch als Schutz und bei solchen hohen bedarf an Security kräfte da hätten im gleichen Zug keine EU-Bürger mehr Platz zum mitfahren !



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