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23.07.2013

15:18 Uhr

Royal Baby

Prinz Namenlos von Cambridge

VonMatthias Thibaut

Er hat noch nicht einmal einen Namen und steht trotzdem schon im Interesse der Öffentlichkeit: der Sohn von William und Kate. Seine Eltern versuchen noch, ihn zu schützen. Doch lange wird das wohl nicht gelingen.

LondonKurz vor elf Uhr gestern morgen kam der Friseur der Herzogin – und wurde als untrügliches Zeichen genommen, dass der Höhepunkt der Royalen Geburt bevorstehen würde. Der erste Fototermin des Paares vor dem Krankenhaus, sozusagen die erste Preisgabe des kleinen Prinzen an die Öffentlichkeit. Aber dann wurden die Fotografen und Patrioten, die sich auf den Termin gefreut hatten, erst einmal enttäuscht: Vorerst, wurde verbreitet, sei mit dem Erscheinen des Paares nicht zu rechnen. Aus dem Krankenhaus hörte man nur, dass das Paar „nicht glücklicher sein könnte“ und dem Krankenhauspersonal für seine „wunderbare Pflege“ danke.

Vor dem Lindo Wing und seiner weltberühmten Backsteinfassade stellten sich Hunderte auf weiteres Warten ein. Zum Glück hatten die Temperaturen nachgelassen und man spannte die Regenschirme nun nicht gegen die Sonne, sondern wie gewohnt gegen den Regen auf. Am Montag war eine über Sechzigjährige in Ohnmacht gefallen, weil sie fünf Stunden in glühender Hitze auf Nachrichten von dem Baby gewartet hatte.

Dies ist die Doppelrolle, die der junge Prinz nun ausfüllen muss: Als Thronfolger und nationales Symbol ist er Eigentum einer begeisterten und neugierigen Öffentlichkeit. Als erster Sohn von William und Kate ist er aber auch Teil einer Kleinfamilie, die ein Recht auf Privatsphäre einfordert. Auch deshalb hat der Prinz wohl noch keinen Namen und nur einen Titel: „Seine Königliche Hoheit, der Prinz von Cambridge“. Auch Royals haben in Großbritannien 42 Tage Zeit, ein Kind amtlich zu registrieren. Wie mit dem Fototermin und der Benachrichtigung von der Geburt verlangsamen Prinz William und seine Presseberater den Informationsfluss. Auch die Ankunft des neuen Prinzen wurde ja erst vier Stunden nach der Geburt bekannt gegeben, um William und Kate Zeit zum „Baby Bonding“ zu geben.

Alles steht zunächst also im Zeichen der neuen Kleinfamilie. Catherine und Prinz William verbrachten die Nacht gemeinsam mit dem Baby im Krankenhaus und kümmerten sich wenig um das, was die weite Welt an Freudenfeiern und Gratulationen zu bieten hatte. Auch die ersten Gratulanten und Kommentare zielten aufs Familiäre. Der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, sprach von den „Millionen hier und rund um die Welt“, mit denen er die Freude dieser „besonderen Stunde“ teile. „Möge Gott diese Familie in ihrem gemeinsamen Leben mit Liebe, Gesundheit und Glück segnen“ – das hätte auch ein Republikaner sagen können. Prinz Charles, frischgebackener Großvater, strahlte bei seiner Tour durch York übers ganze Gesicht. Auf die Frage eines Gratulanten, ob er die Geburt auch mit Champagner begossen habe, antwortete er: „Ja, aber nur ganz wenig.“ Seine Frau Camilla, Herzogin von Cornwall, die selber schon mehrfach Großmutter ist, freute sich vor allem für ihren Mann. „Es ist wunderbar für den Großvater – er ist brillant mit Kindern.“ Und fügte hinzu: „Das hebt die Stimmung im ganzen Land.“

Ähnlich hatte Premierminister David Cameron gesprochen, als er noch am Abend der Geburt vor die Downing Street Number 10 trat: „Es ist ein wichtiger Moment im Leben unserer Nation. Aber ich denke, es ist vor allem ein wichtiger Moment für ein warmherziges, liebevolles Paar, das ein brandneues Baby bekommen hat.“ Eine der herzlichsten Gratulationen kam von US-Präsident Obama. Er sprach nicht nur von den „Segen der Elternschaft“, sondern wurde geradezu politisch: „Angesichts unserer speziellen Beziehung freut sich das amerikanische Volk, sich dem Volk des Vereinigten Königreichs bei seinen Feiern zur Geburt des jungen Prinzen anzuschließen.“

Aber die Briten schafften das Feiern auch allein. Überall im Land gab es kleine und größere Zeichen der Freude. In Bucklebury, Kates Wohnort, will man zwei Gedenktafeln aufstellen – eine für die Hochzeit, eine für die Geburt des Kleinen. Der Plan, mit einem echt englischen, melodiösen Glockengeläut zu feiern, scheiterte allerdings. Einer der „Bell Ringers“ in dem kleinen Dorf ist in die Ferien gefahren. Dafür läuteten in London die Glocken von Big Ben, im Green Park gab es 41 Schuss Salut für den Prinzen, an der Tower Bridge schoss die ureigene Armee Einheit des Finanzdistrikts, das „City of London’s Army Reserve Regiment“, gar 62 Schuss Salut ab. Fontänen am Trafalgar Square und anderen Brunnen der Stadt werden nun sieben Tage lang blau angestrahlt – bei einer Prinzessin wäre es rosa gewesen. Beim Wachwechsel vor dem Buckingham Palast, wo Scharen gekommen waren, spielte die Band gestern „Congratulations“. Vor allem amerikanische Touristen sind begeistert. „Meine Freunde werden neidisch sein, wenn sie erfahren, dass wir zur Geburt des Prinzen in London waren“, sagte eine Amerikanerin aus New York, Sarah, die mit ihren zwei Kindern von der BBC interviewt wurde.

Kommentare (1)

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24.07.2013, 08:48 Uhr

Unwahrscheinlich. In der dritten Generation von Einwanderern in Industrieländer fällt die Geburtenrate auf den allgemeinen Durchschnitt, weil mehr Kinder das Säuglingsalter überleben. Und das aufgrund besserer medizinischer Versorgung. Das Aussterben und die Überfremdung sind ein Mythos der nur durch Furcht, Unwissenheit und Zweifel genährt wird.

Sehen sie, die Ostpreußischen Flüchtlinge hatten im Schnitt auch mehr Kinder als heute. Das ist vorbei. Aber auch die wurden damals abgelehnt. Die Zeiten ändern sich, die Feindbilder auch. Die Gründe bleiben gleich.

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