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01.08.2013

15:55 Uhr

Rupert und Wendi

Scheidung könnte Murdochs Imperium gefährden

Es droht schmutzig zu werden im Reiche Murdoch: Seine dritte Noch-Ehefrau Wendi Deng hat einen auf teure Scheidungen spezialisierten Staranwalt engagiert. Murdoch-Biograph Chenoweth sieht das Medienimperium in Gefahr.

Rupert Murdoch und seine 37 Jahre jüngere, dritte Frau Wendi Deng: Das Ehepaar lässt sich scheiden. Reuters

Rupert Murdoch und seine 37 Jahre jüngere, dritte Frau Wendi Deng: Das Ehepaar lässt sich scheiden.

Es geht um Yachten, Häuser, sehr viel Geld und die Macht in einem der größten Medienkonzerne der Welt. Der Fall „Murdoch gegen Murdoch“ – unter diesem Titel ist der Fall beim New York State Supreme Court anhängig – könnte zu einem der folgenreichsten Rosenkriege für ein Wirtschaftsimperium werden. Denn jetzt legt Wendi Deng Murdoch, die dritte Frau des Medientycoons Rupert Murdoch, harte Bandagen an.

Die 44-Jährige hat ihre Anwältin Pamela M. Sloan durch den renommierten New Yorker Scheidungsanwalt William D. Zabel ersetzt. Das berichten die „International Herald Tribune“ und die Agentur Bloomberg.
William D. Zabel ist auf die Scheidungen schwerreicher Geschäftsmänner spezialisiert.

Er hat unter anderem Jane Welch, die ehemalige Ehefrau von General-Electric-CEO Jack Welch, in ihrer Scheidung vertreten. Ebenso wie die Opfer des Anlagebetrügers Bernie Madoff, für die er insgesamt 7,2 Milliarden US-Dollar erstritt.

Ihre frühere Anwältin Pamela M. Sloan soll Wendi Murdoch angeblich für befangen gehalten haben, denn sie soll dem Medienmogul schon beim Aufsetzen des Ehevertrages für die Ehe mit Wendi geholfen haben und die Familie gut kennen. Sollte Wendi Deng nun bezeugen können, dass der Ehevertrag unter Zwang entstanden ist, wäre dieser im Staat New York ungültig. Sollte Murdoch noch während der Scheidung sterben, würde der Großteil seines Vermögens ebenfalls auf seine Noch-Ehefrau übertragen werden.

Das Murdoch-Drama 2011

Dienstag, 5. Juli

Die britische Tageszeitung Guardian berichtet, dass das Murdoch-Boulevardblatt "News of the World" die Handy-Mailbox des entführten und später ermordeten Mädchens abgehört haben soll und sogar Nachrichten gelöscht haben soll. So wollten die Journalisten Platz für weitere Nachrichten schaffen und an neue Informationen rankommen. Damit sind möglicherweise Beweise gelöscht worden. Zudem entstand bei den Angehörigen der Opfer der Eindruck, das Mädchen sei noch am Leben.

Mittwoch, 6. Juli

Der Guardian veröffentlicht den nächsten Vorwurf gegen "News of the World": Journalisten des Boulevardblatts, das zu Rupert Murdochs Medienkonzern News Corporation gehört, sollen auch Handy-Mailboxen von Angehörigen gefallener Soldaten angezapft haben. Zumindest fanden sich persönliche Informationen über die Hinterbliebenen der Soldaten in den Unterlagen eines Privatdetektivs, der für "News of the World" arbeitete.

Donnerstag, 7. Juli

James Murdoch, Sohn des News-Corporation-Chefs Rupert Murdoch und im Konzern für das Europa-Geschäft zuständig, verkündet die Einstellung von "News of the World". Am Wochenende werde die letzte Ausgabe erscheinen, die Anzeigenerlöse würden wohltätigen Organisationen zukommen. "News of the World" war mit einer Auflage von 2,6 Millionen Exemplaren die auflagenstärkste Zeitung in Großbritannien.

Freitag, 8. Juli

Andy Coulson, ehemaliger Chefredakteur von "News of the World", wird verhaftet und nach neunstündigem Verhör auf Kaution freigelassen. Coulson war von 2003 bis 2007 Chefredakteur des Revolverblatt. Danach arbeitete er als Kommunikationschef für den britischen Premier David Cameron. Er trat von diesem Posten Anfang 2010 wegen der Abhöraffäre zurück, behauptete aber stets nichts von illegalen Recherchepraktiken gewusst zu haben.

Sonntag, 10. Juli

Die letzte Ausgabe der "News of the World" erscheint. Mit der Zeile "Thank you & Goodbye" verabschiedet sich die 200 Mann starke Redaktionsmannschaft von ihren Lesern. Die Zeitung war vor 168 Jahren gegründet worden.

Montag, 11. Juli

Die Oppositionspartei im britischen Parlament fordert Rupert Murdoch auf, seinen Antrag auf die vollständige Übernahme des britischen Satellitensenders BSkyB zurückzuziehen. Die Regierung schaltet das Kartellamt in der Sache ein. Es soll Murdochs Übernahmepläne prüfen. Genau das hat der Unternehmer zuvor verhindern wollen, indem er der Regierung einen Kompromissvoranschlag machte. Er wollte die BSkyB-Nachrichtensparte Sky News ausgliedern und so eine schnelle Genehmigung der Übernahme durch die Regierung erreichen. Diesen Kompromissvorschlag zog er am Montag (11. Juli) zurück und machte den Weg für ein langwieriges Kartellamtsverfahren frei.

Dienstag, 12. Juli

Murdoch kündigt einen großzügigen Rückkauf von News-Corporation-Aktien an, um den Kursverfall zu stoppen. Ursprünglich wollte er nur 1,8 Milliarden Dollar für die Kurspflege ausgegeben, jetzt erhöht er die Summe auf fünf Milliarden Dollar. Unterdessen erhöht auch die britische Regierung den Druck auf den Unternehmer und kündigt an: Man werde sich in einer Parlamentsabstimmung am Mittwoch dem Antrag der Opposition anschließen und so Murdoch nahebringen, seine BSkyB-Pläne aufzugeben.

Mittwoch, 13. Juli

Murdoch zieht seinen Antrag auf die Komplettübernahme von BSkyB zurück und kommt der Abstimmung im Parlament zuvor.

Für Mittwoch, 13. Juli

Das britische Parlament hat Murdoch und seinen Sohn James vorgeladen, um am Dienstag über den Abhörskandal bei News of the World vor einem Parlamentsausschuss Rede und Antwort zu stehen. Die beiden Murdochs haben ihr Kommen zugesagt. Zuvor hatten sie sich geweigert, auf freiwilliger Basis vor dem Ausschuss zu reden.

Donnerstag, 14. Juli

Das FBI nimmt Ermittlungen gegen News Corporation auf. Der Verdacht: Journalisten der News-Corporation-Zeitung "News of the World" sollen auch die Handy-Mailboxen von Opfern der Terroranschläge vom 11. September 2001 abgehört haben.

Freitag, 15. Juli

Die Murdoch-Spitzenmanagerin Rebekah Brooks tritt zurück. Brooks war zuletzt Chefin der britischen News-Corporation-Zeitungssparte News International. Sie war Chefredakteurin von "News of the World", als die Abhöraffäre ihren Lauf nahm.

Freitag, 15. Juli

Nicht nur Rebekah Brooks, sondern auch der Murdoch-Spitzenmanager Les Hinton hat seinen Rücktritt erklärt. Hinton war News-Corp-Europachef, als die Abhöraffäre ihren Lauf nahm. Zuletzt war er Chef des Dow-Jones-Verlages, der auch zu News Corp. gehört.

Samstag, 16. Juli

Aus offiziellen Unterlagen geht hervor, dass Premierminister David Cameron im vergangenen Jahr häufig mit führenden Vertretern der Medien zusammentraf, davon mehr als 20 Mal mit Beschäftigten Murdochs. Es sei in einem demokratischen Land nicht überraschend, dass es Kontakte zwischen der Führung und ranghohen Medienvertretern gebe, sagte Außenminister William Hague. Rupert Murdoch selbst hat sich in ganzseitigen Zeitungsanzeigen für den Abhörskandal bei seinem Boulevardblatt „News of the World“ entschuldigt. „We are Sorry“ („Es tut uns leid“) lautet die Überschrift des Anzeigentextes, der in allen landesweit erscheinenden Zeitungen Großbritanniens geschaltet worden war.

Sonntag, 17. Juli

Die Polizei nimmt Rebekah Brooks wegen Korruptionsverdachts fest. Sie gilt als enge Vertraute von Medienmogul Rupert Murdoch und war bis 2003 Chefredakteurin der eingestellten Skandalzeitung „News of the World“. Brooks hatte sich vor der Affäre vor allem durch ihre exzellenten Kontakte in die Politik ausgezeichnet. Sie konnte zwölf Stunden später wieder gehen.

Sonntag, 17. Juli

Nach Brooks Festnahme hatte Scotland-Yard-Chef Paul Stephenson am Abend überraschend seinen Rücktritt bekanntgegeben. Er war in die Kritik geraten, weil er sich einen Kur-Aufenthalt teilweise hatte bezahlen lassen.

Montag, 18. Juli

Die Nachfolgediskussion um den angeschlagenen Medienmogul Rupert Murdoch bekommt neues Futter. Nach einem Bericht der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg könnte der fürs Tagesgeschäft von Murdochs News Corp. zuständige Chase Carey den 80-jährigen Firmenchef beerben. Es sei aber noch nichts entschieden, hieß es am späten Montag (Ortszeit) unter Berufung auf eingeweihte Personen.

Doch bei der Trennung geht es nicht nur um das auf 11,7 Milliarden US-Dollar geschätzte Vermögen des Geschäftsmanns. Es geht auch um die Zukunft des Konzerns. Murdoch zählt mit seinen Filmstudios 20th Century Fox, diversen TV-Stationen und Zeitungen wie dem „Wall Street Journal“ und dem Boulevardblatt „The Sun“ zu den mächtigsten Männern im Mediengeschäft. Die Trennung fällt mitten in den Konzernumbau, den Murdoch seit mehr als einem Jahr vorbereitet hatte.

Das Imperium wird künftig in das erfolgreiche Unterhaltungsbusiness 21st Century Fox und das weniger lukrative Verlags-und Zeitungsgeschäft separiert. Murdoch selbst übernimmt den Vorsitz beider Unternehmen. Hintergrund der Aufteilung sind die schlechten Aussichten der Printpublikationen sowie der Abhörskandal um die eingestellte britische Sonntagszeitung „News of the World“. Murdoch erhofft sich durch die Aufteilung mehr Investoren für seine Film- und Fernsehlandschaft, da diese durch den mangelnden Erfolg der Zeitungen nicht mehr abgeschreckt würden.

Murdoch-Biograph Neil Chenoweth spricht nun von „einer existenziellen Bedrohung des globalen Medienmonolithen“ durch einen zu erwartenden Scheidungskrieg mit Wendi.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

01.08.2013, 16:15 Uhr

Ist doch schön, wenn die ultrarechte, kriegshetzende Republikanische Gehirn-Waschstation 'News Corp' einmal einer belebenden Generalsanierung unterzogen wird...

Account gelöscht!

01.08.2013, 17:02 Uhr

So schlau kann Murdoch nicht sein, wenn er sich einer Frau ausliefert und heiratet.

pimp

01.08.2013, 21:54 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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