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02.08.2012

14:49 Uhr

Russische Punkband

Pussy-Riot-Prozess im Schnellverfahren

Tag vier im Gerichtsverfahren gegen die russische Band Pussy Riot: Die drei angeklagten Kremlgegnerinnen erneuern ihre Kritik an der Justiz. Und die Verteidigung will den Prozess möglichst schnell durchpeitschen.

Die Girl-Punkband „Pussy Riot“ (von links): Yekaterina Samutsevich, Nadezhda Tolokonnikova und Maria Alyokhina. AFP

Die Girl-Punkband „Pussy Riot“ (von links): Yekaterina Samutsevich, Nadezhda Tolokonnikova und Maria Alyokhina.

MoskauDie Moskauer Justiz will den umstrittenen Prozess gegen drei Gegnerinnen von Kremlchef Wladimir Putin nach Ansicht der Verteidigung in großer Eile durchpeitschen. Die stundenlangen Marathonsitzungen ließen ein Urteil gegen die Mitglieder der russischen Skandalband Pussy Riot schon in der kommenden Woche vermuten, sagte Anwalt Nikolai Polosow. Richterin Marina Syrowa lehnte am Donnerstag zum fünften Mal einen gegen sie gerichteten Befangenheitsantrag ab, wie die kremlkritische Zeitung „Nowaja Gaseta“ in einem Internet-Liveticker berichtete.

Maria Aljochina (24), Nadeschda Tolokonnikowa (22) und Jekaterina Samuzewitsch (29) drohen nach einem Punkgebet gegen Putin und Patriarch Kirill in der wichtigsten russisch-orthodoxen Kathedrale sieben Jahre Haft wegen Rowdytums aus religiösem Hass. Bürgerrechtler kritisieren den Prozess als politisch motiviert.

Die inhaftierten Künstlerinnen beklagten am vierten Verhandlungstag, dass die Richterin ihre Anträge ignoriere. Die jungen Frauen, die im Gericht in einem Kasten aus Plexiglas ausharren müssen, beschweren sich seit dem Prozessbeginn am Montag über zu wenig Schlaf und Essen sowie fehlende Pausen.

Kurz vor einem Besuch Putins bei den Olympischen Spielen in London forderten prominente britische Musiker in einem Brief Freiheit für Pussy Riot. Die Vorwürfe gegen die Frauen seien absurd, schrieben Künstler wie Jarvis Cocker, Pete Townshend, Kate Nash und Martha Wainwright in der Zeitung „The Times“. „Eine andere Meinung zu haben, ist in jeder Demokratie ein Grundrecht.“

Der Menschenrechtsbeauftragte des Kreml, Michail Fedotow, sagte, bei der Aktion in der Moskauer Erlöserkathedrale am 21. Februar habe es sich höchstens um Ruhestörung gehandelt.

In Moskau wurde das Gerichtsgebäude wegen einer angeblichen Bombendrohung zeitweise evakuiert. Die Angeklagten berichteten, sie seien nicht in Sicherheit gebracht worden. Vor dem Gebäude demonstrierten Unterstützer der drei Frauen.

Russische Medien kritisierten unterdessen die Zeugenvernehmungen. So habe ein Mann ausgesagt, der bei dem Auftritt in der Kirche selbst gar nicht anwesend gewesen sei, sondern nur eine Videomontage gesehen habe, schrieb die Zeitung „Nowyje Iswestija“. Auf diese Weise gebe es etwa eine halbe Million mögliche Zeugen - so viele Menschen hätten den zusammengeschnittenen Internetclip bisher angeklickt.

Am Donnerstag verhörte das Gericht Zeugen der Verteidigung, darunter den Vater der Angeklagten Samuzewitsch. Er beschrieb seine Tochter als ernsthafte Gläubige.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

02.08.2012, 15:23 Uhr

Das hätten die mal in Deutschland im Kölner Dom probieren sollen, da gäbe es keine Verhandlung - nur Knüppel, Pfefferspray, Inhaftierung und Einstufung als Linke-Terrorzelle.

Nora

02.08.2012, 17:32 Uhr

Super Kommentar, überleg bevor du schreibst! Mal ganz ehrlich, warum ist es angeblich so wie du beschreibst? Jeder Handlung liegt eine Ursache zugrunde oder nicht? Und davon mal abgesehen, in Deutschland wird kein Mensch 1 Jahr lang in U-Haft gesperrt, während der Haft gefoltert, die Rechtssprechung ist hier so geregelt, dass wenn ein Richter nachweislich befangen ist, dieser ausgetauscht wird, die Verteidigung hat die Möglichkeit aktiv am Prozess mitzuwirken, es gibt die Möglichkeit seine Unschuld zu beweisen und 7 Jahre würdest du für so ein Vergehen auch nicht bekommen.
Und so ein Land schimpft sich Demokratie, nur weil der Präsident gewählt werden kann, oder was? Traurig, dass Deutschland so ein Land auch noch wirtschaftlich unterstützen mag...

RDA

02.08.2012, 20:07 Uhr

Die drei Musikerinnen sind zu bedauern und die russische Regierung sollte sich was schämen.

Ich frage mich aber ernsthaft, wann wir in Deutschland auch so weit sein werden. Unsere Regierung entfernt sich in der Eurokrise immer weiter vom Parlament und den Bürgern. Staatsschulden und indirekte Steuern steigen, soziale Leistungen und Infrastruktur werden abgebaut.
Staatsanwälte werden genötigt, insbesondere Steuerstrafverfahren gegen "hochrangige Persönlichkeiten" einzustellen. Ob nun Rot-Grün, große Koalition oder Schwarz-Gelb: Alle haben den gleichen Kurs verfolgt. Was, wenn eines Tages auch die Bevölkerung in Deutschland nicht mehr mitspielt?
Kommen wir dann auch wegen Punk-Gebeten 7 Jahre ins Gefängnis?

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