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10.07.2012

19:54 Uhr

Satire-Magazin

„Titanic“ fügt sich dem Willen des Papstes

Im Streit mit Papst Benedikt hat die „Titanic“ beschlossen, das umstrittene Titelbild nicht mehr zu zeigen. Dennoch hofft das Satiremagazin auf eine Einigung mit dem Kirchenoberhaupt. Alles sei nur ein Missverständnis.

Papst Benedikt XVI. dapd

Papst Benedikt XVI.

Frankfurt/Hamburg/BonnDas Frankfurter Satire-Magazin „Titanic“ verbreitet sein umstrittenes Titelbild mit dem Bild von Papst Benedikt nicht mehr. Damit werde eine einstweilige Verfügung des Landgerichts Hamburg befolgt, sagte Chefredakteur Leo Fischer.

Die katholische Kirche war gegen die aktuelle Ausgabe vorgegangen, auf deren Cover man den Papst sieht, auf dessen Soutane ein großer gelber Fleck ist. Auf dem Titel heißt es dazu in Anspielung an den "Vatileaks"-Skandal um den Verrat von Interna aus dem Vatikan: "Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden!". Zudem wird auf der Rückseite des Heftes der Papst von hinten mit einem großen braunen Fleck und dem Kommentar "Noch eine undichte Stelle gefunden!" gezeigt.

In der einstweiligen Verfügung werde ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro angedroht, sagte Fischer. Das bedeutet aber nicht, dass die sich bereits im Handel befindlichen Hefte zurückgezogen werden müssen. Das Magazin hoffe immer noch auf eine Einigung mit Benedikt XVI. Sollte sie nicht zustande kommen, werde das Heft möglicherweise ohne Titel verkauft. Im Internet wurden die Seiten bereits geschwärzt.

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Das Oberhaupt der katholischen Kirche fühlte sich durch das aktuelle Titelbild des Satiremagazins in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt und verfügte eine einstweilige Verfügung gegen die Zeitschrift. Das Landgericht Hamburg untersagte der Zeitschrift am Dienstag, die Titelseite und die letzte Seite der Juli-Ausgabe abzudrucken, wie eine Gerichtssprecherin sagte.

Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, dadurch werde Benedikt XVI. in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt. Die "Titanic" überschreite "jedes Maß an Zumutbarem". Kurienerzbischof Angelo Becciu aus dem Vatikanischen Staatssekretariat hatte im Namen von Benedikt XVI. eine Bonner Kanzlei mit der Durchsetzung einer Unterlassungserklärung beauftragt. Das Magazin kündigte noch am Dienstag an, diese zunächst nicht zu unterzeichnen.

"Titanic"-Chefredakteur Fischer zeigte sich von der Entscheidung des Landgerichts enttäuscht. "Das ist ein großer Irrtum. Wir setzen nach wie vor auf das persönliche Gespräch mit dem Heiligen Vater", sagte Fischer der Nachrichtenagentur dapd. Der Spielraum für Satire in Deutschland sei sehr groß. Er sei bereit - sofern der Papst an seiner Meinung festhalte - durch alle juristischen Instanzen zu gehen.

In einer Mitteilung hatte das Magazin zuvor erwartungsgemäß ironisch reagiert. "Benedikt muss uns missverstanden haben", erklärte Fischer. Der Titel zeige einen Papst, "der nach der Aufklärung der Spitzelaffäre ('Vatileaks') feiert und im Überschwang ein Glas Limonade über seine Soutane verschüttet" habe. "Es ist allgemein bekannt, dass der Papst ein großer Freund des Erfrischungsgetränks 'Fanta' ist." Man hoffe nun auf ein persönliches Gespräch mit dem Heiligen Vater, "um das Missverständnis auszuräumen", hieß es weiter. Nach Angaben des Blattes ist es das erste Mal, dass ein Papst zivilrechtlich gegen die "Titanic" vorgeht.

Kommentare (7)

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Peterle

10.07.2012, 21:26 Uhr

Egal, um wen es sich handelt, man soll einen alten Menschen
nicht so zeigen, als sei er/sie inkontinent. Das ist schlicht geschmacklos! Wir werden alle einmal alt.

J-P-II

10.07.2012, 21:30 Uhr

Dem Willen des Papstes hat sich Gallielo G. auch gebeugt.
Sie dreht sich. aber doch.

Account gelöscht!

11.07.2012, 08:33 Uhr

Es gibt sie also doch noch, diejenigen, die meinen, Geschmacklosigkeit mit Satire gleichsetzen zu müssen und sich dann so billig rausreden ... schade eigentlich. Etwas mehr Bissigkeit an der richtigen Stelle tut hier wohl dringend not.

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