Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.01.2006

11:35 Uhr

Schadstoffwelle erreicht Mitternacht deutsche Grenze

Tschechische Blausäure hat die Elbe verseucht

Die Elbe ist nach einem Chemieunfall in Tschechien mit Blausäure kontaminiert.

HB DRESDEN. Wie das sächsische Umweltministerium am Dienstag mitteilte, wird die Schadstoffwelle gegen Mitternacht an der deutschen Grenze erwartet. Die zuständigen Behörden erließen ein Angelverbot. Eine Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung bestehe aber nicht, weil aus der Elbe weder Trinkwasser gewonnen wird, noch der Strom für professionelle Fischerei freigeben ist. Zudem ist die Blausäure nach dem Unfall vom Donnerstag letzter Woche mittlerweile in dem Wasser sehr stark verdünnt worden.

Wie Katrin Schöne vom Dresdner Umweltministerium sagte, wurde die Landesregierung erst am Montagnachmittag von den tschechischen Behörden informiert. Die Sprecherin zeigte sich verwundert über die späte Unterrichtung und äußerte die Hoffnung, dass es bei etwaigen künftigen Vorfällen schneller gehen werde.

Nach ihren Angaben ereignete sich der Chemieunfall am Donnerstag in einer Cyanid (Blausäure) produzierenden Fabrik im tschechischen Nymburk, das etwa 160 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt ist. Dabei sei eine unbekannte Menge der Blausäure ins Flusswasser gelangt, der Anteil betrug an der Unfallstelle 0,5 Milligramm pro Liter, wie die Sprecherin sagte. Es kam zu einem Fischsterben. Die Chemikalie trat aber oberhalb der Moldau-Mündung ins Elbewasser ein, so dass sie später durch das einfließende Moldau-Wasser und die weitere Entfernung stark verdünnt wurde.

Beim Eintreffen in Sachsen werde der Cyanidanteil den Berechnungen zufolge noch 0,09 Milligramm pro Liter betragen. Das liege noch unter dem in Deutschland zulässigen Höchstwert für Abwasser von 0,2 Milligramm, aber über dem Grenzwert für Trinkwasser von 0,05 Milligramm pro Liter. Trinkwasser werde aber aus der Elbe nicht gewonnen, sondern in Sachsen nur aus Talsperren. In Deutschland sei auch kein Fischsterben mehr zu erwarten, wohl aber könnten noch tote Fische aus Tschechien angeschwemmt werden. Das Angelverbot wurde vor allem mit Blick auf die Hobbyangler erlassen, denen normalerweise der Verzehr von bis zu einem Kilogramm Elbfischen pro Monat gestattet ist.

Die Information über den Chemieunfall erreichte die sächsischen Behörden über das vor noch nicht allzu langer Zeit installierte Warnsystem Elbe, dem die Anrainerstaaten des Stroms angeschlossen sind. Die Welle des mit Blausäure belasteten Wassers wurde am Dienstag gegen 24.00 Uhr am deutsch-tschechischen Grenzort Schmilka erwartet. Wie Sprecherin Schöne weiter erläuterte, dürfte sie dann gegen Mittwochabend Dresden und am Freitag Sachsen-Anhalt erreichen. Allerdings werde für Magdeburg nur noch ein Anteil von 0,06 Milligramm erwartet, in Hamburg werde es dann noch weniger sein.

Blausäure ist eine sehr giftige, farblose Flüssigkeit, die nach Bittermandeln oder Marzipan riecht. Sie kommt in der Natur in bitteren Mandeln sowie in geringen Mengen auch in Akelei vor, die daher vom Weidevieh gemieden wird. Die für den Menschen tödliche Menge liegt bei etwa einem Milligramm pro Kilo Körpergewicht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×