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18.06.2016

04:45 Uhr

Scharfe Kritik an buddistischen Klöstern

Von Luxus-Mönchen und Sex-Skandalen

Der Fund löste Entsetzen aus: 40 tote Tigerbabys stellte die Polizei in einem buddhistischen Tempel in Thailand sicher. Fast täglich kommen derzeit in Thailand neue Tempel-Skandale ans Licht.

Einsatzkräfte der Department of Special Investigation (DSI) durchsuchen nach langen Verhandlungen am Donnerstag den Dhammakaya Tempel in der Pathum Thani Rrovinz in Thailand. Der Vorwurf lautet auf Geldwäsche in riesigem Ausmaß. Der Abt erklärte, er könne sich nicht mit der Polizei treffen, weil er zu alt und krank sei. Mönche stehen in Thailand praktisch über dem Recht und die Skandale und Vorwürfe bis zu sexuellem Missbrauch von Kindern häufen sich mittlerweile. dpa

Großrazzia in buddhistischem Tempel

Einsatzkräfte der Department of Special Investigation (DSI) durchsuchen nach langen Verhandlungen am Donnerstag den Dhammakaya Tempel in der Pathum Thani Rrovinz in Thailand. Der Vorwurf lautet auf Geldwäsche in riesigem Ausmaß. Der Abt erklärte, er könne sich nicht mit der Polizei treffen, weil er zu alt und krank sei. Mönche stehen in Thailand praktisch über dem Recht und die Skandale und Vorwürfe bis zu sexuellem Missbrauch von Kindern häufen sich mittlerweile.

BankgkokDer Fund in einer Kühltruhe löste Entsetzen aus: 40 tote Tigerbabys stellte die Polizei in einem buddhistischen Tempel in Thailand sicher. In einem anderen Kloster suchten Ermittler bei einer live im Fernsehen übertragenen Razzia nach einem bekannten Abt, der 40 Millionen Dollar (35 Millionen Euro) unterschlagen haben soll. Fast täglich kommen derzeit in Thailand neue Tempel-Skandale ans Licht - eine Tatsache, die zwar viele schockiert, aber nur wenige überrascht. Der Abt des nördlich von Bangkok gelegenen Klosters Wat Dhammakaya, wo die Razzia vom Donnerstag stattfand, wird der Geldwäsche und Hehlerei beschuldigt. Die Polizei betrat den Tempel am frühen Morgen und verließ ihn nach neun Stunden mit leeren Händen: Abt Phra Dhammachayo konnte nicht festgenommen werden. Der dramatische Einsatz wurde den ganzen Tag im Fernsehen übertragen. Tausende Anhänger drängten sich auf das Gelände, um gegen die versuchte Festnahme zu protestieren. Sie hinderten mit der Aktion die Polizei an der Durchsuchung.

Der Abt hat drei Vorladungen zur Vernehmung und einen Haftbefehl ignoriert und verschanzt sich seit zwei Monaten im Tempel. Die Leitung der für ihren Reichtum und ihren riesigen goldenen Stupa berühmten Anlage erklärte, der 72-jährige Abt sei zu krank für ein Treffen mit der Polizei.

Die Skandale warfen ein Schlaglicht auf Fehlverhalten unter den Mönchen und stießen eine Debatte über den Zustand der dominierenden Religion des Landes an. Zwar gab es bereits in den vergangenen Jahren immer wieder Fälle, in denen Ordensmänner ihre Macht missbrauchten. Doch nur selten bestimmten zwei so hochkarätige Skandale die Titelseiten der Zeitungen und die Diskussion in den sozialen Medien.

Das Nationale Buddhismusbüro zeigte sich davon unbeeindruckt. „So etwas passiert seit Hunderten Jahren, so lange ich denken kann“, erklärte der Sprecher der staatlich finanzierten Lobbyorganisation, Somchai Surachatri. „Es wird immer Mönche geben, die schlechte Dinge tun. Es gibt 200 000 Mönche. Einige sind vom rechten Weg abgekommen. Das ist ganz normal.“

Die Zutaten der beiden jüngsten Skandale klingen indes besonders filmreif. In einem Fall ist es der Abt, der einerseits für die Abkehr von weltlichem Besitz wirbt und andererseits gestohlene Millionen von einer Kreditgenossenschaft annimmt und diese in die Insolvenz treibt. Im anderen Fall ist es der Tiger-Tempel, der vorgibt, sich für den Schutz der Raubkatzen einzusetzen, und diese vermutlich in Wahrheit einem Tierhändler-Netzwerk zuführte. In dem umstrittenen Tempel konnten Touristen gegen Geld Fotos mit den Tigern machen und sie an der Leine führen. In den vergangenen zwei Wochen beschlagnahmten die Behörden auf dem Gelände 137 lebende, ausgewachsene Tiere. Der Abt des Tempels, Phra Wisutthi Sarathera, bestreitet jede Schuld und rief die Polizei auf, die Verantwortlichen zu finden.

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