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07.10.2013

22:11 Uhr

Schas-Partei-Gründer tot

500.000 bei Rabbi-Beerdigung in Israel

Der Rabbiner Owadia Josef, der einflussreichste Geistliche Israels, ist am Montag im Alter von 93 Jahren gestorben. An der Beerdigung des Rabbiners und Gründer Schas-Partei nahmen mehr als 500.000 Menschen teil.

Letzte Ehre für „Israels Ajatollah“

500.000 Juden kommen zur Rabbi-Beerdigung

Letzte Ehre für „Israels Ajatollah“: 500.000 Juden kommen zur Rabbi-Beerdigung

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JerusalemNahezu zehn Prozent der sechs Millionen Israelis haben am Montag in Jerusalem dem orthodoxen Rabbiner Owadia Josef die letzte Ehre erwiesen. Der Gründer der ultra-orthodoxen Schas-Partei war am selben Tag im Alter von 93 Jahren gestorben. Unter der Führung des im Irak geborenen Geistlichen setzte der Aufstieg der aus dem arabischen Raum stammenden orientalischen Juden zu einer einflussreichen politischen Kraft ein.

Nach Angaben der Polizei beteiligten sich mehr 500.000 Menschen an dem Trauerzug. Es habe sich um das größte Begräbnis in der Geschichte der Heiligen Stadt gehandelt, sagte ein leitender Beamter. Orthodoxe Juden verwandelten die Straßen der Stadt in ein Meer aus ihren traditionellen schwarzen Mänteln und Hüten. Der mehrere Kilometer lange Zug erstreckte sich von einem hochmodernen Industriegebiet bis in eine Wohngegend orthodoxer Juden.

"Das israelische Volk hat einen seiner größten Weisen verloren", würdigte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den mächtigen Rabbiner. Präsident Schimon Peres unterbrach spontan ein Treffen mit dem tschechischen Staatschef Milos Zeman, um sich an Josefs Sterbebett im Jerusalemer Vorort Ein Kerem zu begeben. Unter Tränen gab der politische Vorsitzende der Schas-Partei, Arje Deri, den Radiosendern Interviews. "Wir sind alleine ohne ihn, er war unser Vater", sagte er.

Josef galt jahrelang als Königsmacher in der israelischen Politik. Auf dem Höhepunkt ihres Einflusses stellte die jetzt auf den Oppositionsbänken sitzende Schas-Partei 17 der 120 Abgeordneten in der Knesset. Josefs politische Haltung war zum Teil widersprüchlich: So sah er in den 1967 eroberten arabischen Gebieten Teile des biblischen Staates Israel. Andererseits setzte er sich für territoriale Zugeständnisse an die Palästinenser ein, um neues Blutvergießen zu verhindern.

Dem Palästinenser-Präsidenten Mahmud Abbas und dessen Landsleute wünschte er alle Plagen, damit sie von der Erde verschwänden. Bei einem Treffen mit israelischen Politikern bat Abbas darum, den Angehörigen Josefs sein Beileid zu übermitteln, wie ein Reuters-Reporter notierte.

Der Geistliche war seit Ende September aufgrund akuter Herz- und Atemprobleme in der Hadassa-Ein-Kerem-Klinik behandelt worden. Sein Gesundheitszustand hatte sich nach einer kurzzeitigen Erholung seit Sonntagabend wieder rapide verschlechtert. Hunderte Anhänger versammelten sich betend und schluchzend vor seinem Wohnhaus im ultraorthodoxen Stadtviertel Har Nof im Norden Jerusalems. Auf dem benachbarten Friedhof Sanhedria wurde der Verstorbene am Montagabend beigesetzt.

Schon am Nachmittag machten sich tausende Ultraorthodoxe auf den Weg dorthin. Zuvor fand im Beisein der Führung des Landes eine Trauerfeier in der Talmudschule statt, in der Jossef bis zu seinem 20. Lebensjahr zum Rabbiner ausgebildet worden war.

Der Einfluss Rabbi Josefs, sephardischer Oberrabbiner von 1973 bis 1983, beschränkte sich nicht auf die Glaubensgemeinschaft der strenggläubigen Sepharden, die von der iberischen Halbinsel sowie aus Nordafrika und Asien nach Israel eingewandert sind. Da die Schas-Partei zur Bildung der meisten israelischen Regierungskoalitionen benötigt wurde, galt Josef als der "Königsmacher" in der israelischen Politik, von dem in den letzten drei Jahrzehnten häufig die Wahl des Ministerpräsidenten abhing.

Trotz seiner angeschlagenen Gesundheit empfing der Rabbiner, dessen Sohn Jizhak Ende Juli zum sephardischen Großrabbiner gewählt wurde, auch in den letzten Jahren regelmäßig die Spitzenpolitiker aller Lager. Bei den jüngsten israelischen Parlamentswahlen hatte die Schas elf der 120 Knessetsitze erhalten, musste aber erstmals seit vielen Jahren auf den Oppositionsbänken Platz nehmen.

Für seine Kritiker war Josef wegen seiner zum Teil extremen Ansichten "Israels Ajatollah" und ein Rassist. So verglich er die Palästinenser mit Schlangen und lehrte, dass Gott die Ungläubigen auf Erden zu Dienern der Juden bestimmt habe. Unter seinen jüdischen Mitbürgern sorgte Josef für eine Kontroverse, als er die von den Nationalsozialisten ermordeten sechs Millionen Juden als Wiedergeburt von Sündern bezeichnete.

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