Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.04.2011

08:26 Uhr

Schatzkammern voller Saatgut

Deutsche Förster hüten den Wald der Zukunft

Förster mussten schon vor Jahrhunderten überlegen, was sie für die Zukunft pflanzen. In einem Wald in Niedersachsen lagert Saatgut für Millionen Bäume. Wie wird der Wald dort aussehen, wenn es wärmer und trockener wird?

Einheimische Arten stehen bei der Lagerung von Saatgut im Mittelpunkt. Quelle: dpa

Einheimische Arten stehen bei der Lagerung von Saatgut im Mittelpunkt.

OerrelEs riecht so wunderbar nach Wald und edlen Hölzern. Mehr ein betörender Duft als ein schnöder Geruch, denn es fehlt die modrige Note vom Forst da draußen mit Humus, Moos und Pilzen. Hier drinnen hüten sie Wälder, die erst noch kommen werden, im Niedersächsischen Forstamt Oerrel, auf halbem Weg zwischen Lüneburg und Celle. Hier lagert Saatgut von Bäumen und Sträuchern, von hier werden die Bucheckern, Douglasiensamen oder Wildkirschenkerne an Forstämter, Waldbesitzer, Baumschulen und Wissenschaftler verkauft.

„Bei vollen Lagern könnten wir mit unseren Vorräten zehn Prozent des niedersächsischen Waldes neu pflanzen“, sagt Günter Reichwaldt nicht ohne Stolz. „Selbst für Katastrophenfälle wie Stürme und Waldbrände sind wir damit gut vorbereitet.“ Reichwaldt ist Leiter der ganz profan „Forstsaatgut-Beratungsstelle“ (FSB) genannten Schatzkammer. Sein Arbeitgeber sind die Niedersächsischen Landesforsten. „Die Versorgung mit hochwertigem Saatgut sicherzustellen, das ist unsere wichtigste Aufgabe!“ Der Schwerpunkt liege in Oerrel bei den heimischen Arten.

Wie wird sich das Klima entwickeln? Mehr als fünf bis sechs Jahre könne niemand mit Sicherheit vorausschauen, meint Reichwaldt. „Aber auf jeden Fall wollen wir vorbereitet sein. Da setzen wir zunehmend auf die Douglasie in Mischung mit Laubhölzern wie der Buche.“ Auch die einst ebenfalls aus Nordamerika geholte Große Küstentanne sei an trockenen Standorten resistenter als die meisten einheimischen Bäume.

Gewaschene Bucheckern: Im niedersächsischen Oerrel lagert Saatgut für Millionen Bäume. Quelle: dpa

Gewaschene Bucheckern: Im niedersächsischen Oerrel lagert Saatgut für Millionen Bäume.

„Unser Grundsatz ist aber, heimisches Material zu verwenden, das vital, gesund und für den jeweiligen Standort mit seinen spezifischen Umweltbedingungen geeignet ist“, fasst Reichwaldt zusammen. Seine Beratungsstelle verdankt ihre Entstehung im  Jahre1985 einem folgenschweren Verstoß gegen diesen Grundsatz: Damals hatten Betrüger minderwertige Futtereicheln als Saatgut verkauft, die Folge war ein Millionenschaden für die getäuschten Waldbesitzer. Strenge Kontrollen sollen seitdem verhindern, dass sich so etwas wiederholen kann.  

Schon Ende der 1880er Jahre hätten die Ostpreußen verheerende Erfahrungen gemacht, als sie Kiefern aus Südosteuropa pflanzten, berichtet Reichwaldt. „Ein später schwerer Frost und die an ein ganz anderes Klima gewöhnten Bäume starben.“ Die Lehre sei eindeutig, folgert er: „Die genetische Anpassung sollte tunlichst erhalten bleiben. Gleichzeitig versuchen wir Artenvielfalt und genetische Vielfalt auch innerhalb der Arten zu garantieren.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×