Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.03.2012

16:06 Uhr

Schiffs-Havarie

Neue Anschuldigungen gegen Concordia-Kapitän

Der Kapitän des Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ soll vor knapp zwei Jahren in Warnemünde einem Aida-Schiff gefährlich nahe gekommen sein. Aida Cruises, ein Tochter-Unternehmen der Costa-Reederei, widerspricht.

Die „Costa Concordia" war Mitte Januar vor der italienischen Toskana-Küste auf einen Felsen aufgelaufen und gekentert. Bei dem Unglück starben 32 Menschen. Gegen Schettino läuft ein Verfahren. AFP

Die „Costa Concordia" war Mitte Januar vor der italienischen Toskana-Küste auf einen Felsen aufgelaufen und gekentert. Bei dem Unglück starben 32 Menschen. Gegen Schettino läuft ein Verfahren.

Der „Costa Concordia“-Kapitän Francesco Schettino soll bereits vor knapp zwei Jahren in Warnemünde ein gefährliches Manöver gefahren sein. Das berichtet die Turiner Zeitung „La Stampa“ am Freitag.

Den Ermittlungsprotokollen zur Havarie der „Costa Concordia“ sei zu entnehmen, dass Schettino am 4. Juni 2010 als Kommandant des Kreuzfahrtschiffes „Costa Atlantica“ bei der Einfahrt in den Hafen des Ostseebades die dort vertäute „Aida Blu“ beschädigt und sich dem Kapitän des Schiffes gegenüber dann in „unangemessenem Ton“ geäußert habe, berichtet das Blatt.

Der Geschäftsführer der Reederei Aida Cruises in Rostock, Hans-Jörg Kunze, widersprach der Darstellung. Es habe keine Schiffsberührung gegeben. Auch von einem Streit wisse er nichts. Die „Aida Blu“ sei an ihrem Liegeplatz bereits fest vertäut gewesen, als die „Costa Atlantica“ an dem Schiff vorbeifuhr.

Dabei sei eine Sogwirkung entstanden, so dass sich die „Aida Blu“ bewegte. Die ausgefahrene Laderampe sei dabei leicht beschädigt worden, es habe Kratzer im Metall gegeben. So etwas passiere im Alltag. „Der Vorfall wird nicht angemessen dargestellt“, meinte Geschäftsführer Kunze. Aida Cruises mit Sitz in Rostock ist eine Tochtergesellschaft der Reederei Costa Crociere.

„Costa Crociere" - die traurige Chronologie

13. Januar 2012

Die „Costa Concordia“ rammt vor der italienischen Insel Giglio einen Felsen und kentert. An Bord sind mehr als 4200 Passagiere und Besatzungsmitglieder.

17. Januar 2012

Der Kapitän, Francesco Schettino, wird unter Hausarrest gestellt. Aus Sicht der Untersuchungsrichterin hat er schwere Fehler gemacht.

12. Februar 2012

Einen Monat nach der Havarie wird mit dem Abpumpen des Öls aus den Tanks des Schiffes begonnen. Sieben Passagiere sind noch immer vermisst.

27. Februar 2012

Gut sechs Wochen nach der Havarie der „Costa Concordia“ bricht im Maschinenraum der „Costa Allegra“ ein Brand aus.

28. Februar 2012

Die manövrierunfähige „Costa Allegra“ wird in Richtung Mahé (Seychellen) geschleppt. Helikopter bringen Nahrung, Taschenlampen und andere Ausrüstung.

1. März 2012

Die „Costa Allegra“ dockt am Donnerstagmorgen im Hafen der Seychellen-Hauptinsel Mahé an, die Passagiere werden in Hotels gebracht.

Dem Zeitungsbericht zufolge ist das Kreuzfahrtschiff „Costa Atlantica“ fast acht Knoten schnell in den Hafen gefahren. Auf Nachfrage seiner Reederei Costa Crociere habe Schettino zu Protokoll gegeben, von einer Geschwindigkeitsbegrenzung nichts gewusst zu haben und dafür auch nicht belangt worden zu sein. Kunze konnte zu einer möglichen Geschwindigkeitsüberschreitung nichts sagen.

Aber auch das Kreuzfahrtunternehmen Costa Crociere selbst, steht zur Zeit scharf in der Kritik. So berichtet ein Besatzungsmitglied, das 2010 zwei Monate lang auf der „Costa Concordia" arbeitete, in den Unterlagen der Ermittlungen zur Havarie des Kreuzfahrtschiffes vor der italienischen Küste: „Die Offiziere und Besatzungsmitglieder waren sehr oft betrunken."

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×