Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.06.2015

13:50 Uhr

Schiffsunglück in China

Kaum noch Hoffnung für 360 Vermisste

Drei Tage nach dem Unglück auf dem Jangtse schwindet die Hoffnung für mehr als 360 immer noch vermisste Schiffsinsassen. Das gekenterte Boot war vor zwei Jahren wegen Missachtung der Sicherheitsstandards aufgefallen.

Schiffskatastrophe in China

Angehörige drängen zur Unglücksstelle am Jangtse

Schiffskatastrophe in China: Angehörige drängen zur Unglücksstelle am Jangtse

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

PekingDrei Tage nach dem Schiffsunglück auf dem Jangtse in China sind zehn weitere Leichen geborgen worden. Die Zahl der offiziell registrierten Todesopfer stieg auf 75, wie der Bezirkschef von Jianli, Huang Zhen, am Donnerstag mitteilte. Mehr als 360 weitere Menschen gelten als vermisst. Das Schiff war am Montag mit 456 Menschen an Bord bei Sturm gekentert und liegt seither mit dem Kiel nach oben am Ufer des mächtigen Stroms.

Leichen wurden zu einem Krematorium in Jianli gebracht, wo Verwandte darauf warteten, sie zu identifizieren. Die Behörden hätten erklärt, die Opfer würden erst später gezeigt, sagte eine Frau, die ihre Mutter auf dem gekenterten Kreuzfahrtschiff vermutet.

Das Schiff war am Montag nahe Damazhou in der Provinz Hubei in einen Zyklon geraten und daraufhin umgekippt. Der staatliche Fernsehsender CCTV berichtete, dass die Einsatzkräfte das umgedrehte Boot mit Hilfe eines Krans stabilisiert hätten, so dass es nicht auf den Grund des Jangtse sinken könne. In der Hoffnung, doch noch Überlebende zu finden, werde mindestens ein weiteres Loch in den Schiffsrumpf geschnitten.

Bislang gibt es lediglich 14 bekannte Überlebende. Einige von ihnen sprangen laut Behördenangaben von dem Schiff, bevor es unterging, und schwammen anschließend ans Ufer. Drei Personen wurden von Tauchern aus Luftkammern innerhalb des Rumpfes gerettet, nachdem die Rettungskräfte Rufe aus dem Inneren des Schiffes gehört hatten.

Fährunglücke

August 2013

Eine Fähre mit etwa 870 Passagieren an Bord stößt in der philippinischen Provinz Cebu mit einem Frachter zusammen und sinkt. Mindestens 55 Menschen kommen ums Leben, 65 werden vermisst.

Oktober 2012

Bei einer Schiffskollision in Hongkong sterben mindestens 37 Menschen. Von einem Ausflugsboot aus wollten Firmenmitarbeiter und deren Familien das Feuerwerk zum chinesischen Nationalfeiertag im Hafen ansehen. Aus unbekannter Ursache stößt das Boot mit gut 120 Menschen an Bord mit einer Fähre zusammen.

Februar 2012

Eine überladene Fähre reißt in Bangladesch auf dem Fluss Meghna viele Passagiere nach einer Kollision mit einem Frachter in die Tiefe. Von den etwa 250 Menschen an Bord können sich nur rund 40 ans Ufer retten. Erst im April 2011 waren auf dem Fluss Dutzende Menschen ertrunken, als eine Fähre auf ein Wrack auffuhr und sank. Ende 2010 waren bei drei Fährunglücken in Bangladesch binnen eines Monats mehr als 160 Menschen gestorben.

Juni 2008

Vor der philippinischen Insel Sibuyan läuft eine Fähre mit mehr als 800 Menschen an Bord während eines Taifuns nach einem Maschinenschaden auf Grund und sinkt. In den folgenden Tagen werden etwa 250 Leichen an umliegende Strände geschwemmt, mehr als 550 Menschen gelten als vermisst.

Dezember 2006

Bei stürmischem Wetter sinkt eine Fähre zwischen den indonesischen Inseln Java und Kalimantan. Mehr als 380 der 628 registrierten Menschen an Bord werden vermisst. Helfer bergen etwa 230 Überlebende aus der Javasee.

Februar 2006

Im Roten Meer sinkt eine Fähre zwischen Saudi-Arabien und Ägypten. Mindestens 1027 der 1400 Menschen an Bord sterben. Bei einem Brand des Schiffes hatte die Mannschaft vermutlich Meerwasser zum Löschen an Bord geholt und es so zum Kentern gebracht.

In Peking erließ der Ständige Ausschuss des Politbüros eine Anordnung zum Umgang mit den Reaktionen auf die Tragödie. Darin hieß es, bei allem Verständnis für die Trauer der Angehörigen müsse die soziale Stabilität gesichert werden. Nach dem Unglück hatte es Kritik und Gerangel mit Angehörigen der Opfer gegeben, die sich schlecht informiert fühlten und Hilfe der Behörden erbaten.

Das plötzliche Unglück dürfte die folgenschwerste maritime Katastrophe in China seit sieben Jahrzehnten sein. An Bord des Schiffes waren überwiegend ältere Chinesen im Alter zwischen 50 und 80 Jahren. Sie waren auf dem Jangtse von der Stadt Nanjing in die Millionenmetropole Chongqing unterwegs.

Unterlagen der Seefahrtsbehörde von Nanjing zeigten, dass vor zwei Jahren Sicherheitsmängel an dem Schiff festgestellt worden waren. Die Behörden setzten es gemeinsam mit fünf anderen auf dem Jangtse fahrenden Schiffen fest, nachdem sie während einer Sicherheitsüberprüfung 2013 zu dem Schluss gekommen waren, dass sie gegen die Standards verstießen.

Von

ap

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×