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24.09.2013

14:29 Uhr

Schluss mit „ewigem Sommer“

Russland will zurück zur „Winterzeit“

Russland dreht einmal mehr am Uhrzeiger. Nach nur zwei Jahren will das Riesenreich im Winter die Normalzeit wieder einführen. Vor allem die langen dunklen Wintermorgen schlagen vielen Menschen aufs Gemüt.

Der Zeitunterschied hat Nachteile: „Wissenschaftlich ist bewiesen, dass die Effektivität Erwachsener und die Aufnahmefähigkeit von Schülern um 10 Prozent reduziert werden.“ dpa

Der Zeitunterschied hat Nachteile: „Wissenschaftlich ist bewiesen, dass die Effektivität Erwachsener und die Aufnahmefähigkeit von Schülern um 10 Prozent reduziert werden.“

MoskauDem „ewigen Sommer“ droht in Russland das Aus. Massenweise fordern Bürger die Staatsduma auf, doch bitte die sogenannte Winterzeit wieder einzuführen. „Mit Schrecken warten viele Menschen auf den Wintereinbruch“, erzählt der Abgeordnete Sergej Kalaschnikow. Denn schon im November, wenn im Westen soeben die Uhren zurückgedreht wurden, drohen wieder lange dunkle Morgen. Um die Wintersonnenwende herum sehen viele Angestellte überhaupt kein Tageslicht: In der Hauptstadt Moskau bricht die Sonne erst gegen 9.30 Uhr langsam durch, lange vor 18 Uhr ist sie bereits wieder verschwunden.

„Dieses Experiment hat uns normalen Leuten von Anfang an nicht gefallen - das ist ein absoluter Schwachsinn“, schimpft der Moskauer Roman in einer E-Mail an den Radiosender Echo Moskwy. Kalaschnikow von der rechtspopulistischen Liberaldemokratischen Partei hat bereits zum zweiten Mal einen Gesetzentwurf in der Duma eingebracht, die „ewige Sommerzeit“ nach nur zwei Jahren wieder abzuschaffen. Die Chancen stehen gut: Denn auch Wladimir Gutenjow von der Regierungspartei Geeintes Russland fordert im Parlament die Rückkehr zur Normalzeit im Winter.

Putins neue Gesetze gegen die Opposition

Versammlungsgesetz

Auf Verstöße bei Demonstrationen stehen deutlich drastischere Geldstrafen – für Privatpersonen sind das bis zu 300 000 Rubel (rund 7500 Euro). Das Gesetz trage zu Sicherheit und Ordnung bei, sagen Befürworter. Nach Ansicht von Bürgerrechtlern soll es zusammen mit älteren Gesetzen Aktionen der Opposition erschweren.

„Agenten“-Gesetz

Stiftungen und Organisationen, die für politische Arbeit in Russland Geld aus Deutschland und anderen Ländern erhalten, müssen sich als „ausländische Agenten“ kennzeichnen. Legen Mitarbeiter die Finanzströme nicht offen, drohen ihnen Geld- oder Haftstrafen. Das Gesetz stärkt angeblich die Zivilgesellschaft. Menschenrechtler aber fürchten, als Spione verunglimpft zu werden.

Verleumdungsgesetz

Der Tatbestand der Verleumdung steht wieder im Strafgesetzbuch. Journalisten fürchten nun einen Maulkorb. Zudem solle die Opposition mundtot gemacht werden, meinen Kritiker. So könne jeder wegen Kritik an der Führung vor Gericht landen.

Internetgesetz

Behörden können unter Verweis auf den Kinderschutz ohne gerichtliche Entscheidung Internetseiten sperren lassen. Gegner des umstrittenen Gesetzes sehen die Gefahr eines Missbrauchs für politische Zwecke und der Zensur im größten Land der Erde. Das Gesetz solle die über das Internet mobilisierte Protestbewegung behindern.

Selbst Kremlchef Wladimir Putin falle das Aufstehen wegen der langen Dunkelheit schwer, betont Gutenjow. In der Tat hat sich der Präsident selbst schon kritisch über das Reformprojekt seines politischen Ziehsohns Dmitri Medwedew geäußert und Probleme eingeräumt. Die Zustimmung in der Bevölkerung zur derzeitigen Zeitregelung ist einer Umfrage des staatlichen Meinungsforschungsinstituts Wziom zufolge von 73 Prozent vor zwei Jahren auf 34 Prozent abgesackt.

Wissenschaftler warnten von Anfang an, dass Russland nun seiner natürlichen - astronomischen - Zeit zwei Stunden voraus sei. „Unsere innerliche biologische und äußere gesellschaftliche Uhr ist aus dem Gleichgewicht gebracht“, betont die Psychologin Viktoria Arschinowa.

Kommentare (3)

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Freidenker

24.09.2013, 14:45 Uhr

Ich will auch wieder zum normalen Leben zurück. Zu Gelassenheit, Einklang mit der Natur, liebevollen Mitmenschen, die sich gerne mit anderen zusammen tun.

Diese egoistische NEIDGESELLSCHAFT, in der es nur noch höher, schneller, weiter geht, produziert im Prinzip nur noch Psychopathen. Die die Krankenkassen belasten und Irrsin in einem Land verbreiten lassen.

Fehrmann

24.09.2013, 17:21 Uhr

Heute weiß jeder,das die Sommer/Winterzeit keine Energieeinsparung bringt.

Warum kommen wir nicht zur unserer uralten Zeit zurück?

GregorScharf

24.09.2013, 19:03 Uhr

Es ist wie mit so vielen Dingen, die durch Politiker erst ins Leben gerufen wurden. Man wird sie einfach nicht wieder los. Und doch stellt sich die Frage, wer tatsächlich einen Nutzen davon hat, dass trotz erwiesener Nachteile am Sommerzeitsystem festgehalten wird? Die Antwort ist naheliegend. Während sich Menschen und Tiere mit dem unnatürlichen Rhythmus herumplagen müssen und dadurch nicht selten erkranken, reibt sich die Pharmaindustrie die Hände, um all ihre Wunderdrogen und Muntermacher gewinnbringend zu vertreiben. Auch wenn das nur eine These ist, wäre es doch eine Überlegung wert. Denn anderen Nutzen kann man aus dem Quatsch, sich fernab der Naturgesetze zu bewegen nicht ableiten.

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