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04.08.2011

15:11 Uhr

Schmerzensgeld für Kindsmörder

Gäfgen-Anwalt: „Signal für die Menschenwürde“

Der Entführer und Mörder des Bankiers-Sohn Jakob von Metzler bekommt ein Schmerzensgeld von 3000 Euro. Seine Menschenwürde sei durch die Ermittler verletzt worden. Polizisten kritisieren das Urteil.

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Empörung über Gäfgen-Urteil

Video: Empörung über Gäfgen-Urteil

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FrankfurtDas Land Hessen muss dem zu lebenslanger Haft verurteilten Kindsmörder Magnus Gäfgen eine Entschädigung von 3.000 Euro zahlen. Das Frankfurter Landgericht sprach dem 36-Jährigen am Donnerstag Schadenersatz zu, wies seine Klage auf Schmerzensgeld jedoch ab. Die Polizeigewerkschaften und der Opferverband Weißer Ring kritisierten das Urteil. Gäfgens Anwalt begrüßte die Entscheidung derweil als „wichtiges Signal für die Menschenrechte“. 

Gäfgens Anwalt Michael Heuchemer sagte dem Fernsehsender n-tv, im Rechtsstaat Deutschland müssten Menschenwürde, Folterverbot und Gleichheit aller auch für Verurteilte gelten. „Das ist das Signal des heutigen Tages.“ Der Heidelberger Strafrechtler Thomas Hillenkamp betonte: „Das Urteil mag nicht dem Rechtsgefühl des Menschen auf der Straße entsprechen“, doch rechtsstaatlich betrachtet müsse Gäfgen eine Entschädigung erhalten.

Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bernhard Witthaut, kritisierte, das Urteil sei emotional nur sehr schwer erträglich. Die Entscheidung dürfe nicht zur Folge haben, dass die Polizei in Vernehmungen nicht mehr intensiv nachfragen dürfe. 

Kommentar: Schmerzliche Entscheidung

Kommentar

Schmerzliche Entscheidung

Mit 3000 Euro Entschädigung wird Kindsmörder Magnus Gäfgen für in der Haft erlittene Repressalien entschädigt. So schmerzlich das Urteil auch ist: Es ist ein Gewinn für den Rechtsstaat.

Auch der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, monierte: „Das Urteil lässt die eigentliche ungeheuerliche Tat - die Ermordung eines Kindes - in den Hintergrund treten.“ Die Justiz sei dem Ansinnen des Täters, sich als Opfer darzustellen nachgekommen. 

Gäfgen hatte das Land verklagt, weil ihm ein Polizist nach seiner Festnahme Gewalt angedroht hatte, um das Versteck des entführten Bankierssohns Jakob von Metzler zu erfahren. Die Polizei dachte damals, der Elfjährige sei noch am Leben, aber in höchster Gefahr. In Wirklichkeit war Jakob von Metzler zu dem Zeitpunkt schon tot. Gäfgen führte die Polizei schließlich zu der Leiche. Der damalige Jurastudent wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt, außerdem stellte der Richter die besondere Schwere der Schuld fest.

Kommentare (38)

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hans

04.08.2011, 11:48 Uhr

...In welcher Welt leben eigentlich unsere Juristen (Verteidigung und Gericht) ? Schmerzensgeld für einen eiskalten Kinder-Mörder !!!

omegalicht

04.08.2011, 12:01 Uhr

Dieser Mensch kann sich nur noch aufhängen.
Sein Leben ist verpfuscht und sinnlos.
Wenn der Mörder vor seinem letzten Richter steht, dann wird es keine Entschädigung geben.

Account gelöscht!

04.08.2011, 12:04 Uhr

mir fehlen die Worte. Einfach nur beschämend. Mein Mitgefühl für die Angehörigen und mein ausdrückliches Verständnis für das Vorgehen der beteiligten Polizisten. Lassen Sie sich nicht unterkriegen von diesem Pseudo-Rechtsstaat.

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