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09.12.2012

17:04 Uhr

Schnee, Eis und Frost

Winterwetter setzt Deutschland zu

Zum zweiten Advent versinkt Deutschland im Schnee. Im Bahn und Flugverkehr kommt es zu Verspätungen. Schlimmer sieht es jedoch in anderen Ländern aus.

Eine Schneefräse an einem Räumfahrzeug wirbelt den Schnee in die Luft, um einen Bürgersteig in Berlin im Stadtteil Lichterfelde West zu räumen. In der Hauptstadt schneite es am Sonntag fast den ganzen Tag. dpa

Eine Schneefräse an einem Räumfahrzeug wirbelt den Schnee in die Luft, um einen Bürgersteig in Berlin im Stadtteil Lichterfelde West zu räumen. In der Hauptstadt schneite es am Sonntag fast den ganzen Tag.

Berlin/Hamburg/Offenbach Zum zweiten Advent haben Eis, Schnee und Sturm den Deutschen ein extrem winterliches Wochenende beschert. Wegen des Wetters musste die Deutsche Bahn am Sonntag die Geschwindigkeit für den bundesweiten Fernverkehr auf 200 Stundenkilometer drosseln. Dies sei eine Vorsichtsmaßnahme, um Betriebsschäden zu verhindern, sagte eine Unternehmenssprecherin der Nachrichtenagentur dpa. Reisende mussten dadurch zeitweise im Fernverkehr mit Verspätungen von bis zu 30 Minuten rechnen. Zugausfälle habe es aber bislang aufgrund der Kälte noch nicht gegeben, sagte die Bahn-Sprecherin.
Auch im Flugverkehr kam es zu Beeinträchtigungen. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt wurden 170 Flüge gestrichen, wie der Flughafenbetreiber Fraport mitteilte. Die Räumfahrzeuge waren pausenlos im Einsatz. Das Unternehmen bat Flugreisende, sich auf den Internetportalen der Fluggesellschaften zu informieren. Schon am Freitag und für die frühen Morgenstunden am Samstag hatte die Lufthansa nach früheren Angaben rund 100 Flüge vorsorglich gestrichen.

Was die Bahn bei Verspätungen zahlt

Rechtliche Grundlage

Wer bei Verspätungen eine Entschädigung in Anspruch nehmen möchte, kann sich auf die so genannten Fahrgastrechte im Eisenbahnverkehr berufen, die Entschädigungen gesetzlich geregelt.

Moderate Verspätungen

Bei einer Verspätung von 60 Minuten können Bahnkunden den vollen Fahrpreis für den Teil verlangen, den sie nicht zurückgelegt haben. Wenn die Fahrt nach dem ursprünglichen Reiseplan keinen Sinn mehr macht, kann der gesamte Fahrpreis erstattet werden.

Lange Verspätungen

Ab 60 Minuten Verspätung beträgt die Mindestentschädigung 25 Prozent des Fahrkartenpreises. Ab 120 Minuten fallen 50 Prozent an. Die Verspätung muss am Ziel der Reise vorliegen. Die Bahnkunden können sich die Entschädigung auch in bar ausbezahlen lassen. Die Eisenbahnunternehmen dürften einen Mindestbetrag festlegen, bei dessen Unterschreiten keine Entschädigung gezahlt wird. Diese liegt bei vier Euro.

Sonderfall Sprinter

Wer einen ICE-Sprinter gebucht hat, hat bereits ab einer Verspätung von 30 Minuten Anspruch auf Rückzahlung des ICE-Sprinter-Aufpreises.

Übernachtungskosten

Ab einer Verspätung von 60 Minuten können Hilfsleistungen in Anspruch genommen werden. Wenn wegen der Verspätung eine Übernachtung erforderlich wird, muss das Unternehmern eine Hotelübernachtung oder eine Unterkunft anbieten. Dabei übernehmen die Eisenbahn-Gesellschaften "angemessene Übernachtungskosten". Ein Luxushotel ist also nicht drin.

Bus- und Taxikosten

Bei einer zu erwartenden Verspätung am Zielort von mindestens 60 Minuten und einer planmäßigen Ankunftszeit zwischen 0 und 5 Uhr, hat der Fahrgast das Recht, ein anderes Verkehrsmittel zu nutzen wie zum Beispiel Bus oder Taxi. Die Kosten hierfür werden bis maximal 80 EUR erstattet. Wenn sich fünf Fahrgäste ein Taxi teilen, übernimmt die Bahn Kosten von insgesamt 400 Euro.

Streik und höhere Gewalt

Achtung: Die Eisenbahn-Gesellschaften müssen keine Entschädigung bezahlen, wenn die Verspätung auf höhere Gewalt zurückgeht. Dazu gehört zum Beispiel ein Sturm oder ein unvorhergesehener Streik.

Was Kunden beachten sollten

Kunden wenden sich an das Servicecenter Fahrgastrechte, eine gemeinsame Servicestelle der Deutschen Bahn sowie 44 Privatbahnen. Dort müssen sie die Fahrkarte und das "Fahrgastrechte-Formular" einreichen. Die Verspätung muss dabei nicht gesondert vorab bestätigt worden sein. Für das Einreichen von Belegen gilt eine Frist von zwölf Monaten. Wer dagegen direkt bei den Servicecentern die Entschädigung geltend machen möchte, muss sich die Verspätung vom Bahnpersonal bestätigen lassen. Wird eine Übernachtung notwendig, fragen die Kunden beim Service Point im Bahnhof nach. Auch bei Verspätungen, die unterhalb von 60 Minuten liegen oder anderen Kritikpunkten, können sich Kunden beschweren und auf eine Kulanzregelung hoffen. Servicecenter Fahrgastrechte, 60647 Frankfurt am Main, www.fahrgastrechte.info.

Auch in anderen Ländern zeigt der Winter seine Wirkung. In den Niederlanden gab es am Wochenende auf vereisten Straßen viele Unfälle. In der Provinz Friesland starb ein 45-Jähriger, dessen Wagen auf der Autobahn ins Schlittern geriet und sich überschlug.

In Moskau fielen wegen Schnee und Eisregen etliche Flüge auf den internationalen Flughäfen aus. „In diesem härtesten Winter seit 20 Jahren in Russland sind in Moskau bereits mindestens sechs Menschen erfroren“, sagte ein Sprecher des Zivilschutzministeriums der Agentur Interfax.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

09.12.2012, 19:10 Uhr

Verdammt! Und statt Streusalz habe ich CO2-Klimazertifikate gekauft - in Erwartung eines warmen Geldregens statt kaltem Schnee und Eis.

Thomas

09.12.2012, 21:17 Uhr

@hafnersp

Die CO2-Klimazertifikate Solltest Du aber bei der nächsten Gelegenheit losswerden.
Befor das Volk merkt das nur 37 länder am Kyoto Klimauntergang pardon Protokoll weitermachen.
MFG
PS: Die Schneefräse erschien mir diesen Sommer schon als die bessere Investition.
Der Daten halber.

Account gelöscht!

09.12.2012, 21:39 Uhr

@Thomas

Aber nein doch, die CO2-Zertifikate sind ein totsicherer Tip. Ich habe das aus dem ehemaligen Nachrichtenmagazin Spiegel, da muß es doch stimmen:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/winter-ade-nie-wieder-schnee-a-71456.html
Der Artikel ist aus dem Jahr 2000 und wurde nie widerrufen, hat also 12 Jahr Prognose-Sicherheit!

Zitat: ... In Deutschland gehören klirrend kalte Winter der Vergangenheit an: "Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben", sagt der Wissenschaftler Mojib Latif

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