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11.05.2014

18:00 Uhr

Schottland

Lotto-Millionäre finanzieren Unabhängigkeitskampagne

Noch in diesem Jahr wird Schottland ein Referendum über seine Unabhängigkeit abhalten. Die politische Kampagne für die Abspaltung wird zu einem erheblichen Teil von Privatleuten getragen, die im Lotto gewonnen haben.

Schottische Flagge mit der Aufschrift „Yes“: Die Schotten stimmen am 18. September 2014 über ihre Unabhängigkeit von Großbritannien ab. dpa

Schottische Flagge mit der Aufschrift „Yes“: Die Schotten stimmen am 18. September 2014 über ihre Unabhängigkeit von Großbritannien ab.

EdinburghDie Kampagne für eine Unabhängigkeit Schottlands von Großbritannien wird zu einem erheblichen Teil von einem Ehepaar finanziert, das vor knapp drei Jahren den größten Lotteriegewinn in der europäischen Geschichte einstrich. Wie die Organisatoren der Kampagne am Sonntag mitteilten, spendeten Colin und Christine Weir aus der Nähe von Glasgow seit April 2013 2,5 Millionen Pfund (rund drei Millionen Euro). Insgesamt gingen demnach binnen zwölf Monaten 3,15 Millionen Pfund ein.

Das Paar hatte im Juli 2011 185 Millionen Pfund in der Lotterie Euromillions gewonnen. Für die Unabhängigkeitskampagne spendeten die beiden seither bereits mindestens 3,5 Millionen Pfund. Am 18. September soll ein Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands stattfinden. In Umfragen lagen die Befürworter eines Verbleibs bei Großbritannien zuletzt aber gut zehn Prozentpunkte in Führung.

Schottland will unabhängig werden - warum?

Wirtschaft

Vor den Küsten Schottlands lagert der weitaus überwiegende Teil des britischen Nordseeöls. Aus Förderung und Verarbeitung entstehen Milliarden an Steuereinnahmen, die jetzt nach London fließen. Nur ein Teil davon fließt wieder nach Schottland zurück. Schon in den 1970er Jahren hatte es eine Kampagne gegeben unter dem Motto: „It's Scotlands Oil“.

Soziales

Die Schotten gewähren ihren Bürgern weitaus mehr soziale Leistungen als die Engländer. So sind Zuzahlungen im Gesundheitssystem geringer und Studiengebühren gibt es nicht für Einheimische. Innerhalb Großbritanniens stehen sie dafür als „Subventions-Junkies“ in der Kritik.

Verteidigung

Die Schotten fühlen sich von den Engländern in Sachen Verteidigung unfair behandelt. Die ungeliebten britischen Atom-U-Boote mit teils nuklearer Bewaffnung sind in Schottland stationiert. Für viele Schotten ein unnötiges Sicherheitsrisiko. Auch die britische Beteiligung an Kriegen wie im Irak und in Afghanistan lehnen sie ab.

Nationalstolz

Viele der fünf Millionen Schotten fühlen sich nicht als Briten. Sie haben eigene Nationalmannschaften, etwa im Fußball oder im Rugby. Sie haben eine eigene Flagge und spielen „Scotland the Brave“ oder „Flower of Scotland“ wie ihre Nationalhymne.

Internationale Politik

Der schottischen Regierungspartei SNP schmeckt die Haltung Großbritanniens innerhalb der EU nicht. „Wir wären ein konstruktiver Partner in Europa“, hatte Ministerpräsident Alex Salmond schon gesagt, als die Regierung in Westminster auf Konfrontationskurs zu Europa gegangen war.

Von

afp

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