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24.04.2015

10:13 Uhr

Schriftsteller

Günter Grass hinterlässt Tagebücher

Der Literaturnobelpreisträger Günter Grass hat unveröffentlichte Tagebücher hinterlassen. Bis zuletzt hatte der Schriftsteller seiner Sekretärin die Tagebücher diktiert. Zur Veröffentlichung blieb ihm keine Zeit.

Jörg-Philipp Thomsa, Leiter des Museums Günter Grass-Haus, zeigt die Grafik „Im Krebsgang“ des verstorbenen Schriftstellers Günter Grass. „Da ist noch Einiges zu erwarten“, sagt Thomsa über den Nachlass. dpa

Günter Grass-Haus in Lübeck

Jörg-Philipp Thomsa, Leiter des Museums Günter Grass-Haus, zeigt die Grafik „Im Krebsgang“ des verstorbenen Schriftstellers Günter Grass. „Da ist noch Einiges zu erwarten“, sagt Thomsa über den Nachlass.

LübeckLiteraturnobelpreisträger Günter Grass hat bislang unveröffentlichte Tagebücher hinterlassen. „Da ist noch Einiges zu erwarten“, sagte der Leiter des Günter Grass-Hauses in Lübeck, Jörg-Philipp Thomsa in einem dpa-Interview. Bis zuletzt habe Grass seiner Sekretärin aus Tagebüchern diktiert, die aus der Zeit um 1995 stammten. Damals war Grass von Berlin nach Lübeck gezogen. Diese Tagebücher habe Grass, der am 13. April im Alter von 87 Jahren starb, wohl noch veröffentlichen wollen, sagte der Museumschef. Die Nachlassverwalter müssten entscheiden ob sie alle Tagebücher veröffentlichen. „Ich weiß nicht, ob Grass Sperrfristen vorgegeben hat“, fügte Thomsa hinzu.

Bekannte Künstler und Schriftsteller

Zeitzeugen

Bekannte Künstler und Schriftsteller nahmen am Ersten Weltkrieg teil. Ein Überblick:

Max Beckmann

Er meldet sich freiwillig zum Sanitätsdienst. Im Sommer 1915 erleidet Beckmann aufgrund seiner Erlebnisse mit Kriegsopfern einen Nervenzusammenbruch.

Otto Dix

Der Kriegsfreiwillige war 1914 bis 1918 Soldat bei der Feldartillerie sowie als MG-Schütze in Frankreich und Russland. Als Unteroffizier meldet er sich gegen Kriegsende noch zu einer Fliegerausbildung. Das Grauen des Krieges wird zum Grundbestandteil seiner Bilder.

Alfred Döblin

Der Kriegsfreiwillige war 1914 bis 1918 Soldat bei der Feldartillerie sowie als MG-Schütze in Frankreich und Russland. Als Unteroffizier meldet er sich gegen Kriegsende noch zu einer Fliegerausbildung. Das Grauen des Krieges wird zum Grundbestandteil seiner Bilder.

Georg Grosz

Er versucht, seine Kriegserlebnisse mit düsteren Zeichnungen von mit Leichen übersäten Schlachtfeldern zu verarbeiten. Wegen einer Krankheit wird er 1915 als dienstuntauglich aus der Armee entlassen.

Ernst Ludwig Kirchner

Er wird im Oktober 1915 wegen einer Lungeninfektion und allgemeiner Schwäche krankgeschrieben. Kirchner erholt sich nie von seinen Kriegserlebnissen.

Oskar Koroschka

Der Kriegsfreiwillige beim 15. österreichisch- ungarischen Dragonerregiment wird 1915 an der ukrainischen Front durch Kopfschuss und Bajonettstich in die Brust schwer verwundet. 1916 wird er beim Einsatz an der Italien-Front erneut verletzt.

Wilhelm Lehmbrück

Der Bildhauer meldet sich freiwillig zum Dienst als Sanitätsgehilfe in einem Militärhospital. Gezeichnet von den Schrecken des Krieges, flieht er in die Schweiz. 1919 begeht er in Berlin Selbstmord.

August Macke

Er wird am 3. August 1914 zum Militärdienst eingezogen und fällt nur wenige Wochen später am 26. September in einem Gefecht in der französischen Champagne.

Max Pechstein

Der Maler wird vom Ausbruch des Krieges in der deutschen Kolonie Palau-Inseln im Pazifik überrascht und gerät in japanische Gefangenschaft. 1915 freigelassen, kehrt er nach Deutschland zurück. In Berlin findet er seine Wohnung besetzt und sein Atelier geräumt. Bis 1916 leistet Pechstein dann Militärdienst an der Westfront in Flandern.

Georg Trakl

Der Lyriker meldet sich im August 1914 als Freiwilliger Sanitäter und erlebt an der Ostfront den Krieg zwischen Österreich-Ungarn und Russland. Als Sanitätsoffizier hat er zeitweise rund 100 Menschen allein zu versorgen und erleidet in der Folge einen Nervenzusammenbruch. Im Militärlazarett Krakaus stirbt Trakl am 3. November 1914 an einer Überdosis Kokain.

Rund 70 unbekannte Graphiken von Grass werden im Herbst in Lübeck erstmals öffentlich gezeigt. „Es handelt sich um Anfang der 1950er Jahre entstandene Arbeiten, die 2014 in einem früheren Haus von Grass in Düsseldorf entdeckt wurden“, sagte Thomsa. Die Graphiken sind Thema einer Sonderausstellung, die am 4. Oktober in dem von der Kulturstiftung der Stadt Lübeck getragenen Grass-Haus - einem Forum für Literatur und bildende Kunst - startet.

Von

dpa

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