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03.02.2014

15:26 Uhr

Schüler dreht durch

Zwei Tote bei Geiselnahme an Moskauer Schule

Wenige Tage vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Sotschi hat ein bewaffneter Schüler an einer Moskauer Schule einen Polizisten und einen Lehrer erschossen. Zudem nahm er mehr als 20 Jugendliche als Geiseln.

Augenzeugen berichten von Schüssen in Moskauer Schule

Video: Augenzeugen berichten von Schüssen in Moskauer Schule

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MoskauInmitten verschärfter Sicherheitsmaßnahmen für die Olympischen Winterspiele sind bei einem Geiseldrama in einer Moskauer Schule ein Polizist und ein Lehrer getötet worden. Nach Behördenangaben drang ein bewaffneter Schüler am Montag in seine Schule am Stadtrand von Moskau ein, erschoss einen Polizisten und einen Lehrer und nahm mehr als 20 Jugendliche als Geiseln. Nach einer halben Stunde konnte er überwältigt werden.

Laut einem Sprecher des russischen Innenministeriums drang der mit zwei Gewehren bewaffnete Schüler gegen Mittag in seine am nördlichen Stadtrand von Moskau gelegenen Schule Nummer 263 ein. Er zwang einen Wachmann, ihn bis zu einer Klasse zu begleiten, dann verbarrikadierte er sich mitsamt dem Lehrer und mehr als 20 Schülern im Alter von etwa 15 Jahren in dem Raum. Als ein Polizei-Großaufgebot vor der Schule eintraf, eröffnete er das Feuer. Ein Erdkundelehrer und ein Polizist wurden getötet, ein weitere Polizist musste verletzt ins Krankenhaus gebracht werden.

Der Schütze wurde schließlich überwältigt und festgenommen. Weder sein Name noch sein Motiv wurden offiziell bekannt; während der Geiselnahme soll er keine Forderungen gestellt haben. Wie die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf einen Sicherheitsvertreter berichtete, wollte sich der Schüler an einem Erdkundelehrer „rächen“.

Terror bei Sportereignissen

1972 München

Während der Olympischen Spiele in München im Jahr 1972 wurden elf israelische Sportler von palästinensischen Terroristen der Gruppe „Schwarzer September“ als Geiseln genommen – Ziel war die Freipressung von Gefangenen. Beim gescheiterten Befreiungsversuch auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck starben alle noch lebenden Geiseln, ein Polizist und fünf der Terroristen.

1996 Atlanta

Im Olympia-Park von Atlanta explodierte während der Olympischen Spiele 1996 eine Bombe. Die Explosion tötete zwei Personen, mehr als 100 wurden verletzt. Täter war ein Anti-Abtreibungs-Aktivist.

2002 Madrid

Die baskische Terrorgruppe ETA brachte Anfang Mai 2002 eine Bombe im Vorfeld eines Champions-League-Halbfinalspiels zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona zur Explosion. In weniger als 100 Metern Entfernung zum Stadion Santiago Bernabéu ging ein Sprengsatz hoch. Es gab keine Todesopfer.

2008 Rallye Dakar

Die berühmte Rallye wurde im Jahr 2008 abgesagt. Terrorwarnungen für Mauretanien hatten die Veranstalter dazu bewogen.

2009 Lahore

Der Mannschaftsbus des Cricket-Nationalteams von Sri Lanka wird in der pakistanischen Stadt Lahore von einer Gruppe bewaffneter Täter beschossen, die vermutlich dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahe standen. Sechs Nationalspieler werden verletzt, sechs Polizisten und zwei Zivilisten sterben.

2013 Boston

Zwei Explosionen erschüttern den Bereich des Zieleinlaufs des Boston Marathons am 15. April 2013. Drei Menschen sterben noch am selben Tag, weit über 100 sind verletzt, einige von ihnen sehr schwer. Über die Hintergründe des Vorfalls herrscht zunächst Unklarheit.

Nach Angaben der Ermittler handelt es sich bei dem Täter um einen „exzellenten Schüler“ aus einer der oberen Klassen - russische Schulen gehen normalerweise von der ersten bis zur elften Klasse. Der Junge sollte von Psychologen untersucht werden. Die beiden Waffen des Jugendlichen sind nach Polizeiangaben auf den Namen seines Vaters registriert. Dieser soll auch an der Seite der Sicherheitskräfte mit seinem Sohn verhandelt haben.

Nach dem Ende des Geiseldramas wurde die gesamte Schule evakuiert und abgesperrt. Kein Schüler sei zu Schaden gekommen, sagte eine Behördensprecherin. Die Kinder würden psychologisch betreut. Das Untersuchungskomitee leitete Ermittlungen wegen Mordes, versuchten Mordes und Geiselnahme ein. Innenminister Wladimir Kolokolzew besuchte den Tatort.

Als erste Reaktion auf das Drama ordnete Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin eine Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen in allen Schulen an. Bereits vor Tagen hatten die Behörden im Vorfeld der Olympischen Spiele in Sotschi auch in Moskau die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Nach einem Bericht der Zeitung „Iswetija“ wurden unter anderem Mitarbeiter von Kindergärten und Schulen Ende Januar angewiesen, alle verdächtigen Menschen oder Beobachtungen der Polizei zu melden.

Von

afp

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