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25.09.2016

11:31 Uhr

Schüsse im Einkaufszentrum

Verdächtiger war „wie ein Zombie“

Ein Mann tötet fünf Menschen in einem US-Einkaufszentrum und flieht. Tags darauf wird ein Verdächtiger gefasst. Der 20-Jährige habe sich bei der Festnahme „wie ein Zombie“ verhalten, sagt ein Polizist.

Vor dem Einkaufszentrum zünden Jugendliche Kerzen für die Opfer an. Fünf Menschen kamen bei der Schießerei ums Leben. AFP; Files; Francois Guillot

Trauer um die Opfer

Vor dem Einkaufszentrum zünden Jugendliche Kerzen für die Opfer an. Fünf Menschen kamen bei der Schießerei ums Leben.

BurlingtonNach den tödlichen Schüssen in einem Einkaufszentrum im US-Staat Washington hat die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen. Wie Polizeisprecher Mark Francis im Kurznachrichtendienst Twitter berichtete, wurde der 20-Jährige am Samstagabend (Ortszeit) in Gewahrsam genommen.

Vor der Festnahme hatten die Behörden ein von einer Sicherheitskamera aufgenommenes Bild des mutmaßlichen Täters veröffentlicht und eine Großfahndung eingeleitet. Hinweise aus der Bevölkerung hatten die Polizei dann nach Oak Harbor in der Nähe von Burlington geführt.

Ein junger Mann hatte am Freitagabend in einer Shopping Mall in Burlington das Feuer eröffnet. Dabei kamen drei Frauen, ein 16-jähriges Mädchen sowie ein Mann ums Leben. Der Schütze konnte zunächst entkommen, nach Augenzeugenberichten floh er zu Fuß in Richtung einer Autobahn.

Bei seiner Festnahme in der Stadt Oak Harbor nahe Burlington habe sich der Tatverdächtige „wie ein Zombie“ verhalten, wurde der Polizist Mike Hawley von Medien zitiert. Der 20-Jährige sei unbewaffnet auf der Straße unterwegs gewesen, als er von einer Polizeipatrouille gefasst wurde.

Waffen in den USA – Zahlen, Daten, Fakten

Meiste Waffen pro Einwohner

In den USA sind mehr Waffen in Privatbesitz als in jedem anderen Land der Welt – von 100 Einwohnern haben statistisch 88,8 eine Handfeuerwaffe oder ein Gewehr. Zum großen Teil seien das weiße, verheiratete Männer über 55 Jahre, ergab eine 2015 im Fachjournal „Injury Prevention“ vorgestellte Studie.

Millionen Schusswaffen in Privathand

Nach Angaben der Organisation Action on Armed Violence sind landesweit rund 270 Millionen Schusswaffen in Privathand. Andere Statistiken gehen sogar von bis zu 310 Millionen aus.

Durcheinander der Gesetze

Das Waffenrecht ist von US-Staat zu US-Staat verschieden; es gibt ein Durcheinander nationaler, einzelstaatlicher und kommunaler Vorschriften. Seit dem 1. Januar 2016 ist in Texas sogar das sichtbare Tragen von Schusswaffen erlaubt, auch bei der Arbeit, beim Einkaufen oder im Restaurant. Geschäfte und Restaurants dürfen allerdings Kunden mit offen getragenen Waffen den Zutritt verwehren.

Volksrecht Waffenbesitz

Das „Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen“ war 1791 im zweiten Zusatzartikel zur Verfassung verbrieft worden. Das Prinzip galt lange ohne größere Einschränkungen. Auch der Oberste Gerichtshof sprach 2008 den Bürgern ein Grundrecht auf Waffenbesitz zu. Die Richter erklärten ein Gesetz in der Hauptstadt Washington für verfassungswidrig, das Handfeuerwaffen im Besitz von Privatbürgern verboten hatte. 2010 kippte das Gericht auch das strikte Waffenverbot in Chicago (Illinois). Die Urteile wurden als Sieg der einflussreichen Organisation der US-Waffenbesitzer NRA gewertet.

Mächtige Lobby

US-Präsident Barack Obama machte 2013 nach dem Massaker an einer Schule in Newtown (Connecticut) schärfere Waffengesetze zu einem innenpolitischen Hauptanliegen. Entsprechende Initiativen aus dem Weißen Haus scheiterten aber bisher am Widerstand der Waffenlobby.

Er sei im Besitz von drei legal erworbenen Schusswaffen gewesen, die er von seinem Vater gestohlen habe, berichteten lokale Medien unter Berufung auf die Polizei. Über das Motiv herrschte zunächst Unklarheit. Dem FBI zufolge gab es aber keinen Hinweis auf Terrorismus.

Der Lokalsender K5 berichtete, die Ex-Freundin des Mannes habe in der Vergangenheit in dem Kaufhaus der Macy's-Kette gearbeitet, in dem sich die Tat ereignete. Der Schütze habe in der Kosmetikabteilung rund eine Minute lang mehrere Schüsse aus einem Gewehr abgefeuert und die Waffe dann auf einer Verkaufstheke abgelegt.

„Ich habe eine Menge Schüsse und Leute aus dem Kaufhaus rennen gehört“, sagte der Augenzeuge Jo Zavala dem Sender. Als er sehen wollte, was los war, habe der Schütze die Waffe auf ihn gerichtet, und er sei weggelaufen. Als er in das Geschäft zurückkehrte, um nach seiner Frau zu suchen, habe er einige Opfer blutend auf dem Boden liegen sehen, darunter zwei ältere Frauen. Die Polizei hatte die Opfer zunächst nicht weiter identifiziert.

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