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12.04.2011

21:14 Uhr

Schule nach der Katastrophe

10.000 Kilometer bis zum Abitur

Seit die Deutsche Schule Tokyo Yokohama wegen der Katastrophe in Japan schließen musste, sind die Schüler auf viele Länder verteilt. Wer sein Abi machen will, muss häufig sogar den Kontinent wechseln.

Masuma Stadler sitzt mit ihren neuen Mitschülern in einem Kölner Klassenzimmer. Quelle: dpa

Masuma Stadler sitzt mit ihren neuen Mitschülern in einem Kölner Klassenzimmer.

Köln Das ist wohl einmalig in der Bildungsgeschichte: Eine Schulklasse fliegt gut 10 000 Kilometer weit, um hierzulande das Abitur zu machen. 35 Jugendliche der geschlossenen Deutschen Schule Tokyo Yokohama (DSTY) haben die Katastrophe in Japan hinter sich gelassen, um in Köln in sieben Wochen ihren Abschluss zu machen. „Ich finde es sehr traurig, dass wir aus Japan raus mussten, aber natürlich zugleich auch gut, dass wir hier das Abi machen dürfen“, sagt die Deutsch-Japanerin Masumi Stadler.

„Es ist eine andere Form der Reifeprüfung, eine intellektuelle und eine soziale“, meint Philipp Wehmann von der DSTY-Schulleitung nach dem „ersten Schultag“. Die meisten sind erst gerade vor wenigen Tagen in der Domstadt gelandet und werden nun in einem Gästehaus auf engem Raum zusammenleben. Sie haben das Erdbeben am 11. März erlebt, das Leid der Japaner lässt sie nicht los. Sich da ganz auf Mathe und Geschichte zu konzentrieren, fällt nicht leicht.

„Für mich ist es auch ein schlechtes Gefühl, hier zu sein, weil in Japan so viele Menschen sind, die mir nahe stehen und die nicht weg können“, erzählt Hanna Karst. „Ich wäre auch lieber geblieben.“ Ihr Vater hat sie nach Köln begleitet, die japanische Mutter ist weiter in Tokio. „Etwas in Sorge bin ich schon um sie.“

Manche müssen sich erst einmal orientieren: „Ich war noch nie in Deutschland. Der Kulturschock ist aber ausgeblieben“, sagt Akihito Kawatani, der halb Österreicher und halb Japaner ist. Für den Unterricht haben die 17- und 18-Jährigen „Asyl“ in einem städtischen Gymnasium erhalten. Eine der wenigen Konstanten sind die Lehrer. Denn die zehn Pädagogen stammen ebenfalls von der Privatschule nahe Tokio und haben das Land ebenso schweren Herzens verlassen.

Es gelten zwar die gleichen Vorgaben wie für alle anderen Abiturklassen in Deutschland auch. Besonderheiten gibt es trotzdem viele. Eine gleich zu Beginn: In der ersten Stunde am Montag wurde das aufwühlende Erlebte noch einmal gemeinsam im Klassenverband aufgearbeitet, wie Geschichtslehrer Wehmann berichtet. Die Jugendlichen sind aber optimistisch, ihr Abi trotz der widrigen Umstände zu packen.

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VMC

12.04.2011, 21:42 Uhr

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