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07.11.2014

13:47 Uhr

Schwacher Rubel

Russen fahren Ski lieber zu Hause

Eigentlich lieben die Russen ihren Ski-Urlaub in Sölden – durch die Krise und den schwachen Rubel bleiben viele jedoch nun lieber in der Heimat. Dadurch haben nun auch die Alpen-Hotels Probleme.

Die russische Mittelschicht trifft der schwache Rubel, der Reisen ins Ausland verteuert. Viele verbringen ihren Urlaub daher in der Heimat. dpa

Die russische Mittelschicht trifft der schwache Rubel, der Reisen ins Ausland verteuert. Viele verbringen ihren Urlaub daher in der Heimat.

Wien/ZürichAus vielen Skiorten der Alpen sind sie seit Jahren nicht mehr wegzudenken: Russische Touristen, die in Markenkleidung durch die verschneiten Gassen flanieren, in teuren Läden einkaufen und bei Apres-Ski-Partys die Korken der Champagner-Flaschen knallen lassen. Was bei anderen Urlaubern oft für argwöhnische Blicke sorgt, lässt bei Hoteliers, Gastronomen und Einzelhändlern in Österreich und der Schweiz die Kassen klingeln. Doch in der diesjährigen Wintersportsaison können viele Restaurants in den Skiorten ihre russischen Speisekarten wohl im Schrank lassen. Denn der Konflikt mit dem Westen und der massive Kursverfall des Rubel machen sich bemerkbar: Viele Russen verzichten auf eine teure Reise nach Westeuropa. Sie fahren lieber in die heimische Kaukasus-Region Sotschi und nicht mehr nach Ischgl oder Sölden.

Bereits im Sommer sind die Übernachtungen russischer Gäste in der Schweiz und Österreich nach offiziellen Zahlen um sieben bis zehn Prozent zurückgegangen. Für die deutlich wichtigere Wintersaison erwarten Experten noch größere Einbrüche: In Österreich lägen die Vorausbuchungen russischer Touristen in manchen Regionen 30 bis 40 Prozent unter Vorjahresniveau, sagte ein Touristik-Insider, der lieber anonym bleiben will. Die Schweizer Tourismus-Organisation erwartet für das gesamte laufende Jahr ein Minus bei den Übernachtungen der Russen von sieben bis zehn Prozent. Besonders zu spüren bekommen dürften das die Lieblingsregionen russischer Gäste - Skiorte in Tirol oder Salzburg. Mancherorts sorgen die Skifahrer aus Russland dort für ein Fünftel aller Übernachtungen. In der Gesamtstatistik beider Alpenländer zählen sie mit einem Anteil von je zwei Prozent zu den zehn wichtigsten Touristengruppen.

Was blumige Formulierungen in Reisekatalogen bedeuten

Idylle in ruhiger Lage

Die Unterkunft liegt fernab der touristischen Infrastruktur.

Touristisch gut erschlossen

Das heißt, es steht Riesenhotel neben Riesenhotel und es sind Massen an Touristen zu erwarten.

Direkt am Meer

Statt am erhofften Badestrand liegt das Hotel womöglich an einer Steilküste oder dem Hafen.

Meerseite

Den Blick aufs Meer garantiert das nicht, vermutlich ist er durch andere Häuser versperrt.

Naturbelassener Strand

Dahinter verbirgt sich wahrscheinlich ein ungepflegter Strand. Mit feinem Sand kann der Urlauber nicht rechnen, eher mit Kieselsteinen, manchmal sogar mit Müll. Eventuell liegt der Strand auch im Abwasserbereich.

Aufstrebende Gegend

Derart angepriesene Urlaubsorte erweisen sich oft als unterentwickelt. Zudem stören meist zahlreiche Baustellen das Urlaubsvergnügen.

Verkehrsgünstige Lage

Das Hotel liegt wahrscheinlich an der Hauptverkehrsstraße. Autolärm rund um die Uhr wird den Gästen kaum Ruhe und Erholung gönnen.

Unmittelbar an der Strandpromenade

Was sich nach gepflegter Flaniermeile anhört, ist oft eine viel befahrene Küstenstraße.

Relativ ruhig im Zentrum der Altstadt

Die Gäste sollten am besten ein Mittagsschläfchen halten, um nachts wieder fit zu sein, wenn Leben in die Gegend kommt.

Internationale Atmosphäre

Alkoholisierte aus aller Welt möchten sich lautstark amüsieren.

Familiäre Atmosphäre

Es ist damit zu rechnen, dass die Tischnachbarn im Bikini oder Jogginganzug zu Abend essen.

Kinderfreundliches Haus

Ruhebedürftige sollten sich hier nicht einquartieren. Kinder sind nun mal etwas lauter.

Neues Hotel

Möglicherweise ist die Hotelanlage noch gar nicht ganz fertig und Garten oder Terrasse sind noch eine Baustelle.

Zweckmäßig eingerichtete Unterkunft

Dies bedeutet Minimalausstattung ohne jeglichen Komfort.

Helle und freundliche Zimmer

Das ist ein bisschen besser als die "zweckmäßig eingerichtete Unterkunft", aber kein besonderer Komfort.

Unaufdringlicher Service

Die Kellner sind hier mitunter so unaufdringlich, dass es mit dem Abendessen länger dauern kann.

Kontinentales Frühstück

Auf den Tisch kommen nur Brot, Marmelade, Butter, Kaffee und Tee. Spricht der Katalog von einem "verstärkten Frühstück", dann gibt es vielleicht auch Wurst oder Käse und ein Ei.

Beheizbarer Swimmingpool

Das garantiert noch lange kein warmes Wasser.

Ungebrochen scheint der Boom lediglich in den Skiorten, die sich auf superreiche Russen spezialisiert haben, wie etwa St. Moritz. "Die meisten Russen, die zu uns kommen, sind aus der obersten Schicht. Das sind langjährige Stammgäste, die über Jahre hinaus buchen", sagte ein Sprecher der dortigen Tourismusorganisation. Rückgänge gebe es nicht. Auch in Wien, das bei russischen Gästen ebenfalls hoch im Kurs steht, verspüren die Luxusläden keine Umsatzeinbußen. "Seit Januar haben wir ein Plus von acht Prozent", sagte Florian Jonak, dessen Familie vier Nobel-Boutiquen in der Innenstadt besitzt.

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