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27.03.2012

20:44 Uhr

Schwerer Unfall

Nordsee-Plattform von Gaswolke umgeben

Aus einem Bohrloch in der Nordsee tritt Gas aus. Der Betreiber Total sagte, es könnte Monate dauern, um die Situation per Entlastungsbohrung zu beruhigen. Die Total-Aktie knickt ein, Umweltschützer sind alarmiert.

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Gasleck-Probleme in der Nordsee

Video: Gasleck-Probleme in der Nordsee

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London/AberdeenAus einem Leck an der „Elgin“-Plattform des französischen Total-Konzerns strömt ungehindert Gas-Kondensat in die Nordsee. Bis die Lage unter Kontrolle sei, könnten Monate vergehen, teilte das französische Unternehmen am Dienstag mit. Gegenwärtig seien jedoch weder die Menge des ausströmenden Gases noch der genaue Ort des Lecks vor der schottischen Ostküste bekannt. Der französische Energiekonzern versucht fieberhaft, die undichte Stelle zu finden. Für die inzwischen verlassene Förderplattform herrscht Explosionsgefahr.

Die Gefahr, dass die Plattform explodieren könne, bezeichnete ein Sprecher zwar als gering. „Aber man sollte nie nie sagen“, betonte er. Experten aus aller Welt würden eingeflogen, um das Leck zu stoppen. An der Börse gerieten Total-Aktien unter Druck. Der Kurs fiel um um 6,6 Prozent auf 38,36 Euro. Der Kurssturz vernichtete mehr als fünf Milliarden Euro an Marktkapitalisierung von Total und drückte die Titel auf ein Zweieinhalb-Monatstief.

Es habe sich ein erkennbarer Film auf der Wasseroberfläche gebildet, teilte Total am Dienstag mit. Der Teppich sei sechs Seemeilen lang. Die 240 Kilometer vor dem schottischen Aberdeen im Meer liegende Plattform sei von einer Gaswolke umgeben. Experten halten es für möglich, dass das Gas für Menschen giftig ist. Das Unternehmen versuche alles, um die Situation unter Kontrolle zu bringen, hieß es von Total.

Gasunfälle in der Nordsee

April 2011

Wegen eines Gaslecks wird eine Bohrplattform des norwegischen Statoil-Konzerns in der Nordsee zeitweise evakuiert. Nur eine Notbesatzung bleibt auf der Visund-Plattform nordwestlich von Bergen zurück. Hubschrauber bringen alle anderen der insgesamt 123Mitarbeiter zu benachbarten Plattformen.

Mai 2008

Auf der norwegischen Nordsee-Bohrinsel Statfjord entdecken Kontrolleure Gas in einem Versorgungsschacht. Fast alle 200 Beschäftigte müssen die Plattform verlassen. Die Bohrinsel liegt in großer Entfernung vom Festland an der Grenze zwischen dem norwegischen und dem britischen Teil der Nordsee.

November 2004

Freiwerdendes Gas auf der norwegischen Bohrinsel Snorre A in der Nordsee löst höchste Explosionsgefahr aus. Experten befürchten, die Plattform könne kentern und sinken. 180 Menschen werden per Hubschrauber und Schiff in Sicherheit gebracht. Mit Bohrschlamm wird das Leck nach 16 Stunden abgedichtet.

Mai 2002

Ein Fischerboot rammt bei dichtem Nebel eine Gasplattform vor der Küste der nordenglischen Hafenstadt Hull und beschädigt eines der Standbeine. 110 Menschen werden in Sicherheit gebracht, es gibt keine Verletzten. Die Plattform ist wegen Reparaturarbeiten stillgelegt, so dass kein Gas entweichen kann.

„Das ruft böse Erinnerungen an die Ölkatastrophe von BP im Golf von Mexiko 2010 hervor“, sagte ein Händler in Paris. Der weitere Fortgang der Geschehnisse in der Nordsee sei schwer absehbar, deshalb werde die Aktie im Zweifel lieber verkauft.

Nach Angaben von Total handelt es sich um den schwersten Zwischenfall in der Nordsee für den französischen Energiekonzern seit einem Jahrzehnt. Ein hochrangiger Manager von Total sagte, die Firma prüfe zwei Optionen: Eine Möglichkeit sei, ein Entlastungsloch zu bohren, allerdings könnte dies sechs Monate dauern. Die andere Alternative sei, Ingenieure an die Unfallstelle zu schicken, um das Leck zu schließen. Diese Variante sei allerdings riskanter. Zudem wäre davon auch eine Plattform zur Ölförderung betroffen, die einen Anteil von rund 5,5 Prozent an der gesamten Erdölproduktion Großbritanniens hat.

Das Gasleck an der Plattform Elgin PUQ war am Sonntag entdeckt worden. Rund um die betroffene Plattform haben die Behörden ein Sperrgebiet eingerichtet. Schiffe müssen mindestens zwei Seemeilen (3,7 Kilometer) Abstand zur Plattform Elgin PUQ halten, Flugzeuge mindestens drei Seemeilen Abstand, wie die britische Küstenwache am Dienstag mitteilte.

Kommentare (21)

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Mazi

27.03.2012, 16:50 Uhr

Die Kanzlerin wird es freuen. Endlich einmal ein Thema, in das sie nicht involviert ist. Und der Umweltminister ist wahlkampfmäßig so gebunden, dass er die anstehende Prügel einfach einstecken muss.

G4G

27.03.2012, 18:03 Uhr

Da sieht man deutlich, dass nichts sicher ist.
Wenn dann Gas-Fracking in Deutschland kommt, dann können wir wegen der Brunnenvergifter der Gaslobby von Halliburton, ExonMobile, 3Legs und Co einpacken und auswandern.
WANN KOMMT ENDLICH EIN GASFRACKING VERBOT WIE IN FRANKREICH ?

volksvertreter

27.03.2012, 18:23 Uhr

Der WWF-Experte hat gut reden. Wenn das so gefährlich und unbeherrschbar ist, warum haben sich die Umweltorganisationen denn durch das Nordstream-Projekt trotzdem freikaufen lassen? Offiziell in eine Umweltstiftung. Lächerlich!

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