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25.07.2013

11:38 Uhr

Schweres Zugunglück

Das Eschede Spaniens

Ein Schnellzug entgleist, prallt teilweise vor eine Betonwand, Dutzende sterben: Das Unglück erinnert an das tragische Unglück eines ICE vor 15 Jahren. Jetzt räumt ein Lokführer ein, dass der Zug viel zu schnell war.

Nordspanien

Dutzende Tote bei Zugunglück

Nordspanien: Dutzende Tote bei Zugunglück

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Santiago de Compostela/MadridDie Zahl der Toten bei einem schweren Bahnunglück im Nordwesten Spaniens ist auch in den Morgenstunden weiter gestiegen. 78 Menschen sind dabei ums Leben gekommen, wie ein Vertreter der spanischen Regierung in der Region Galicien am späten Donnerstagvormittag mitteilte. Etwa 130 Menschen sollen verletzt worden sein.

Das Unglück ereignete sich gegen 21 Uhr nahe der Stadt Santiago de Compostela. Der Schnellzug aus Madrid auf dem Weg nach El Ferrol war aus unbekannter Ursache kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof der Regionalhauptstadt Galiciens entgleist. Alle 13 Waggons des Zuges sprangen aus den Schienen.

Einige Wagen prallten neben den Gleisen gegen eine Mauer und stürzten um, andere Waggons verkeilten sich ineinander. Ein Wagen flog sogar über die Begrenzungsmauer hinweg. Aus Ermittlerkreisen verlautete, der Zug sei möglicherweise zu schnell in eine Kurve eingebogen.

Schwere Zugünglücke seit 1998

1998

Am 3. Juni ereignet sich das schwerste Zugunglück der europäischen Nachkriegsgeschichte in der niedersächsischen Gemeinde Eschede, als ein ICE auf dem Weg von München nach Hamburg entgleist; 101 Menschen kommen ums Leben.

2002

In der Nähe der Stadt Nancy im Nordosten Frankreichs sterben am 6. November in einem brennenden Schlafwagen auf dem Weg von Paris nach München zwölf Passagiere.

2003

Am 8. Mai kommen bei der Kollision eines Zugs mit einem deutschen Reisebus nahe der Stadt Siofok im Westen Ungarns 33 Menschen ums Leben. Knapp einen Monat später sterben am 3. Juni in der Nähe des ostspanischen Orts Chinchilla beim Zusammenprall eines Personenzuges mit einem Güterzug 19 Menschen.

2004

Im Nordwesten der Türkei entgleist am 22. Juli in der Nähe der Stadt Pamukova ein Schnellzug von Istanbul nach Ankara; 37 Menschen sterben.

2005

Nahe der zentralitalienischen Stadt Bologna fahren am 7. Januar ein Personen- und ein Güterzug ineinander; 17 Menschen kommen ums Leben.

2006

Zu Jahresbeginn sterben nahe der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica 47 Menschen, als ein Zug entgleist. Am 22. September kommen bei einem Unfall auf der Versuchsstrecke der Magnetschwebebahn Transrapid im niedersächsischen Lathen 23 Menschen ums Leben.

2009

Durch die Explosion eines Tankwaggons im Bahnhof der nordwestitalienischen Stadt Viareggio kommen am 30. Juni 29 Menschen ums Leben. Unweit der Stadt Iasi im Nordosten Rumäniens sterben beim Zusammenstoß eines Zugs mit einem Kleinbus am 14. August 13 Fahrgäste.

2010

Nahe der Stadt Halle im Umland der belgischen Hauptstadt Brüssel stoßen am 15. Februar zwei Züge zusammen; 18 Passagiere sterben. In Marganez in der östlichen Zentralukraine kommen bei der Kollision eines Zugs mit einem Reisebus am 12. Oktober 45 Menschen ums Leben.

2011

Am 29. Januar rasen bei Oschersleben in Sachsen-Anhalt bei voller Fahrt ein Regionalexpress und ein schwer beladener Güterzug ineinander; zehn Menschen sterben.

2012

In Süden Polens sterben 16 Menschen, als zwei Personenzüge ineinander fahren.

Das hat jetzt einer der beiden Lokführer, die in dem Zug unterwegs waren bestätigt. Der Zug sei mit rund 190 Stundenkilometern unterwegs gewesen, obwohl in der Unglückskurve höchstens Tempo 80 zulässig gewesen sei, bestätigte er nach Angaben der Ermittler vom Donnerstag. Über den Grund für die überhöhte Geschwindigkeit wurde zunächst nichts bekannt.

Die spanische Eisenbahngesellschaft Renfe hatte überhöhte Geschwindigkeit als Ursache noch am Morgen als allerdings „sehr riskant“ bezeichnet.

Nach jüngsten Angaben der Bahngesellschaft befanden sich etwa 220 Passagiere und Bahnmitarbeiter an Bord des Zugs aus der Hauptstadt Madrid in die Stadt El Ferrol an der Atlantikküste, als dieser entgleiste. Die Katstrophe ist das schlimmste Zugunglück Spaniens seit 1944. Damals war ein Nachtzug auf einen rangierenden Zug aufgefahren und Schätzungen zufolge kamen über 200 Menschen ums Leben.

An der Unglücksstelle boten sich schreckliche Bilder. Die Rettungskräfte bargen Tote und Verletzte aus den zertrümmerten Waggons. Neben den Gleisen lagen mehrere Tote, die mit Tüchern bedeckt waren.

Kommentare (9)

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leser

25.07.2013, 07:47 Uhr

Stichwort Eschede: Dass Herr Grube sich offiziell im vergangenen Monat bei den Hinterbliebenen entschuldigt hat (15 Jahre später übrigens) ehrt Herrn Grube, die Deutsche Bahn indes nicht.

Felix

25.07.2013, 08:36 Uhr

War das ein Zug der Siemens Velaro Baureihe? Sieht nämlich stark danach aus. Bei Flugzeugen können sie nicht schnell genug informieren, dass es ein Airbus/eine Boeing war, aber hier ist das aufeinmal nicht so wichtig? Für Schnellzüge dieser Art gibt es auch nicht wirklich mehr Hersteller, als für zivile Passagierflugzeuge

Gast

25.07.2013, 09:28 Uhr

Das ist kein Velaro. Sieht eher nach kurzen Waggons Bauart TALGO aus...

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